Aachen - Kinder zeigen Stadtplanern, wo es in Aachen hakt

Kinder zeigen Stadtplanern, wo es in Aachen hakt

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
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Los geht‘s: Mit Erzieherinnen und Eltern gehen die Kinder der Kita Heilig Kreuz durchs Viertel und zeigen den Planern und Politikern, was ihnen alles missfällt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Ein bisschen versteckt liegt die Kindertagesstätte Heilig Kreuz hinter der Kirche in der Kreuzherrenstraße. Die vierjährige Sophie und der dreieinhalbjährige Can besuchen sie. Eigentlich sind sie gerne hier, spielen mit ihren Freunden oder machen auch mal Ausflüge in die nähere Umgebung. Doch einige Haken gibt es schon.

Das finden auch die Erzieherinnen und die Eltern, beispielsweise auf dem Weg zur Kita oder beim Angebot der Spiel- und Grünflächen in der Umgebung. Diese Haken nahmen knapp 30 Kinder der Kita gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und Eltern und Oberbürgermeister Marcel Philipp bei einem Spaziergang durch ihr Viertel unter die Lupe.

Der Spaziergang ist einer von insgesamt drei Kinderspaziergängen, die das Büro HJPplaner im Rahmen des Innenstadtkonzeptes „Aachen 2022“ durchgeführt hat. Die städtische Tageseinrichtung für Kinder an der Johanniterstraße und die Kita „Pusteblume“ in der Schillerstraße waren weitere Teilnehmer des Projektes.

Der erste Haken

Mit dem Glockenschlag der Turmuhr um Punkt 10 Uhr machten sich die Kleinen mit dem OB sowie Anja Stratmann und Antje Wiese vom Büro HJPplaner auf den Weg. Weit mussten sie nicht gehen, denn der erste Haken wartete schon an der Kita-Pforte. Der Verkehr in der Kreuzherrenstraße fließt sehr schnell – und das in beide Richtungen, obwohl die Durchfahrt von der Pontstraße her eigentlich verboten ist. Doch die kurze Straße wird gerne als Verbindung zum Ring genutzt. Auch das geringe Parkplatzangebot ist für Eltern ein Problem. Die Einrichtung von sogenannten Kiss‘n‘ Drive-Parkplätzen, wie das schon bei anderen Kitas der Fall ist, wünschen sich viele Mütter.

Am Hirschgraben kommt die Gruppe an einem kleinen Spielplatz vorbei. Er ist ziemlich heruntergekommen, Sandkasten, Wippe und Tischtennisplatte wirken wenig einladend, das Unkraut sprießt aus dem Sandbelag, außerdem ist das Tor verschlossen. Die Lage direkt an der Straße ist nicht ideal, trotzdem wäre der kleine Platz ein guter Anlaufpunkt auf dem Nachhauseweg, findet Monika König.

Die nächste Station ist der Spielplatz am Bergdriesch. Hier hält die Kleinen nichts mehr, Schaukel, Rutsche und Klettergerüst werden umgehend in Beschlag genommen. Unterdessen ist Zeit für die Erwachsenen zum Diskutieren. Der Platz an sich ist schön, doch die Einsicht wird durch die Begrünung erschwert, der Zugang ist schwierig, denn auch hier fließt der Verkehr Richtung Sandkaulstraße, Ring und Innenstadt sehr schnell und Fußgänger werden leicht übersehen. Zum breiten Fußweg, den auch Radfahrer mitnutzen, fehlt eine Begrenzung. „Man kann Kindern nicht sagen, da wo das Grau anfängt, ist Stopp‘ “, findet Norbert van den Bersch, der Opa von Can.

Ein anderes Problem beschäftigt Annemarie Bulla, die Mutter von Sophia. Zwar findet sie es gut, dass der Spielplatz gut zugänglich ist, aber der Sandkasten wird auch als Hundetoilette genutzt. Sie ist ein bisschen skeptisch, ob eine optisch offenere Gestaltung und eine damit verbundene höhere soziale Kontrolle das Problem löst.

Letzte Station ist der Spielplatz am Veltmanplatz. Auf dem Weg dorthin bemerkt Can umherliegenden Müll. „Den haben wohl Leute, die dort gegessen haben, vergessen“, sagt Norbert van den Bersch. Und Annemarie Bulla macht sich so ihre Gedanken. „Ich finde das hier zwar gut, aber die Aktion muss auch etwas bringen.“

Der Spielplatz am Veltmanplatz ist für die Eltern einer der wichtigsten Anlaufpunkte nach der Kita-Zeit. Er ist von allen Seiten gut einsehbar, der Zugang liegt geschützt im Park. Kleine Mängel gibt es jedoch auch hier. Die Wand hinter den Bänken verhindert die Sicht auf das Spielgerät dahinter. Und für ältere Kinder ist das Angebot begrenzt. Für die 30 kleinen Spaziergänger scheint das Angebot ausreichend. Längst haben sie den Platz in Beschlag genommen und schlecken ein Eis, das es zur Belohnung fürs Durchhalten gab.

Ende September sollen die Ergebnisse aus allen drei Kinderstadtspaziergängen bei einer Abschlussveranstaltung vorgestellt und in das Innenstadtkonzept „Aachen 2022“ aufgenommen werden.

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