Kinder- und Jugendausschuss entscheidet über Zahl der U3-Kitaplätze

Von: Thorsten Karbach
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Aachen. Wie viele neue Kindergartenplätze für Kleinstkinder will oder kann sich die Stadt leisten? Am Dienstag wird das der Kinder- und Jugendausschuss (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) diskutieren. Die Planungen bis 2013 stehen, und die entscheidende Frage lautet: Wird die Zahl der Plätze für Unterdreijährige jährlich um 100 oder 150 erhöht?

Während die SPD neulich betonte, wie wichtig der Ausbau um 150 Plätze sei, um den Rechtsanspruch der Kleinsten, der 2013 in Kraft tritt, zu erfüllen, haben sich die Mehrheitsinhaber von CDU und Grünen gegenüber der AZ bereits auf das 100-Plätze-Modell festgelegt. Aktuell besuchen in Aachen 11,6 Prozent der Unterdreijährigen eine Kita - das ist landesweit Spitze. Allerdings sank der Gesamtversorgungsgrad - in NRW ebenfalls ein Bestwert -Êvon 101,51 Prozent auf 93,4 Prozent.

Prognosen gingen bislang davon aus, dass 2013 rund 30 bis 35 Prozent der Unterdreijährigen ihren Rechtsanspruch geltend machen. 100 oder 150 Plätze jährlich können hier einen großen Unterschied machen, zumal es Umfragen gibt, die einen höheren Bedarf ermittelt haben, und auch die Verwaltung darauf verweist, dass es keine langfristigen Vorhersagen über die Entwicklung von Kinderzahlen in Aachen gibt.

Wie immer geht es bei der Planung um Geld. „Für die nächsten Jahre sind 100 eine realistische Zahl. Mehr wünschen kann man sich immer, aber das wäre nicht finanzierbar”, hat CDU-Fraktionschef Harald Baal gegenüber der AZ gesagt. 100 neue U3-Plätze jährlich sind auch schon im Haushalt verankert - Kosten: rund 600.000 Euro im Jahr.

Für diese Plätze müsste die Stadt bis 2013 nach neuen Berechnungen aber genau 352.100 Euro mehr im Haushalt einkalkulieren. Die Summe drücken würden Landeszuschüsse und Elternbeiträge um zusammen 248.200 Euro. Bleibt eine finanzielle Mehrbelastung von 103.900 - über vier Jahre. Bei 150 neuen U3-Plätzen pro Jahr betragen die zusätzlichen Kosten bis 2013 3.033.400 Euro. Landesmittel und Elternbeiträge bringen 1.503.500 Euro ein. Bleibt eine Nettomehrbelastung von 1.529.900 Euro für den Haushalt.

Die Kosten sind das eine, das Angebot ist das andere. Das sieht je nach Variante so aus: Bei einem Ausbau von 100 U3-Plätzen würde es im Kindergartenjahr 2010/2011 in Aachen 134 Plätze für Überdreijährige weniger geben - 6127 statt 6261. Allerdings würden 21 neue integrative Plätze für diese Altersgruppe eingerichtet - 193 statt 172.

Für Unterdreijährige würden sechs der 100 neuen Plätze integrativ sein, also für Kinder mit einer Behinderung reserviert. Es sind die ersten sechs integrativen Plätze für Unterdreijährige in Aachen. Die Zahl der U3-Plätze steigt insgesamt von 741 auf 841. Die Gesamtzahl der Kindergartenplätze beträgt 7161 - bislang 7174. Das entspricht einer Versorgungsquote von 91,55 Prozent bei den Überdreijährigen und 27,41 Prozent bei den Unterdreijährigen, wobei das Angebot je nach Stadtgebiet deutlich schwankt. Während es in Forst/Driescher Hof „nur” 18,98 Prozent beträgt, liegt der Versorgungsgrad in Kornelimünster, Oberforstbach und Walheim über 50 Prozent.

Geplant wurde für die Variante mit 100 neuen U3-Plätzen auch das Stundenangebot. Seit Inkrafttreten des Kinderbildungsgesetzes Kibiz haben Eltern die Wahl, ob sie ihr Kind 25, 35 oder 45 Stunden in eine Kita schicken. Die 7161 Kindergartenplätze würden sich dabei wie folgt verteilen: 259 Plätze für 25 Stunden (nun auch 10 für Unterdreijährige), 2127 Plätze für 35 Stunden (63) und 4775 Plätze für 45 Stunden (841).

Wenn nun doch 150 neue U3-Plätze eingerichtet werden sollten, dann würde es in Aachen im neuen Kindergartenjahr 891 statt 741 U3-Plätze geben - sieben integrative. Dagegen würde die Zahl der Ü3-Plätze um 188 von 6433 auf 6245 verringert. Wobei auch hier neue integrative Angebote geschaffen werden. Die Zahl würde um 19 von 172 auf 191 steigen. Die Versorgungsquote würde bei den Unterdreijährigen dann 28,25 Prozent betragen, bei den Überdreijährigen 90,47 Prozent.

Verteilen würden sich die Kindergartenplätze bei 150 neuen U3-Angeboten dann so: 254 Plätze für 25 Stunden (davon zehn U3), 2098 für 35 Stunden (90) und 4784 für 45 Stunden (791). Hinzu kommen in allen Berechnungen aber noch die Angebote der städtischen Kindertagespflege, also bei Tagesmüttern.

Auch über deren Ausbau - 400 Plätze pauschal oder zu einem Gesamtanteil in der Betreuung von 30 Prozent - wird am Dienstag diskutiert. Bis zum 15. März muss die Stadt dann ihre Kindertagesstättenbedarfsplanung dem Landesjugendamt melden, um die entsprechenden Landeszuschüsse zu melden.

Weitere Informationen:

In einer Prioritätenliste schlägt die Verwaltung den Ausbau von U3-Plätzen an folgenden Kitas vor: Raerener Straße 4 Plätze, Talbotstraße 4, Lintertstraße 4 (darunter jeweils integrative Plätze), Melatener Straße 20 (Neubau), Lütticher Straße Nummer 320 12, Gut-Knapp-Straße 10, Mühlenberg 6, Barbarastraße 3, Freunder Landstraße 3, Alfons-Gerson-Straße 3, Wilhelmstraße 3, Albert-Maas-Straße 3, Wiesenweg 1, Kirchheidweg 6, Forster Linde 4, Strüver Weg 4, Amyastraße 4 und Branderhofer Weg 5.

Sollten 150 U3-Plätze eingerichtet werden, werden laut Planung zudem diese Einrichtungen bedacht: Siegelallee 4, Lütticher Straße Nummer 50a 6, Laurentiusstraße 8, Gangolfsweg 6, Großheidstraße 6, Joh.-v.-den-Driesch-Weg 7, Hermann-Löns-Straße 6 und Germanusstraße 1.

Kleine Einrichtungen haben in Aachen weiterhin Zukunft. Jedenfalls sieht die städtische Planung deren Erhalt vor. Ab dem 1. August werden demnach folgende Kitas eingruppig arbeiten: Strüver Weg, Bergdriesch, Bendstraße, Stettiner Straße, Hanbrucher Straße, Nordstraße, Falkenberg und Hahner Straße.
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