Kinder mit Rohrreiniger verätzt: Diesmal Tatort Westpark

Von: Stephan Mohne
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Wir müssen draußen bleiben: Die beiden Spielplätze im Westpark sind gesperrt, weil ein Täter dort großflächig Rohrreiniger verteilt hat. Zwei Kinder erlitten am Samstag leichte Verletzungen. Die Spielgeräte dort wurden auch bereits mehrfach mit Kot beschmiert. Foto: Amien Idries
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Wir müssen draußen bleiben: Die beiden Spielplätze im Westpark sind gesperrt, weil ein Täter dort großflächig Rohrreiniger verteilt hat. Zwei Kinder erlitten am Samstag leichte Verletzungen. Die Spielgeräte dort wurden auch bereits mehrfach mit Kot beschmiert. Foto: Amien Idries
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Startpunkt: Auch an der Grillhütte Adamshäuschen waren Rohrreinigerkügelchen verteilt worden.Mehrere Kinder verletzten sich. Bei der Tätersuche tappt die Polizei im Dunkeln. Foto: Ralf Roeger/Polizei

Aachen. Eines ist klar: Der Täter will Kindern mit voller Absicht Schaden zufügen. Eine andere Erklärung gibt es nicht, wenn jemand eine ätzende Chemikalie großflächig auf zwei beliebten Spielplätzen verteilt. So geschehen am Wochenende am und im Westpark. Und prompt passierte, was passieren musste: Zwei Kinder erlitten Verletzungen.

Es war am Samstagmorgen, als die Kinder „ihre“ Plätze im Bereich Lochnerstraße und im Westpark selber in Beschlag nehmen wollten. Doch dieser Spielplatzbesuch endete mit einer Behandlung durch Rettungskräfte der Feuerwehr. Ein Kind hatte die Substanz, die laut Polizei auf mehreren Spielgeräten verteilt war, angefasst und leichte Hautreizungen an den Händen erlitten, ein zweites Kind setzte sich auf die Substanz und erlitt leichte Reizungen am Po.

Polizei und Ordnungsamt suchten den Westpark ab und wurden auch abseits der Spielplätze fündig. Die Chemikalie war auch auf Sitzbänken am Teich im Westpark verteilt worden. Die Feuerwehr musste sich im weiteren Verlauf der Sache annehmen und reinigte gründlich alle Spielgeräte und Bänke.

Bei der Chemikalie handelte es sich erneut um handelsüblichen Rohrreiniger. Erneut deswegen, weil bereits in der Woche zuvor Rohrreiniger auf zwei Grillplätzen im Aachener Stadtwald – jenen an Adamshäuschen nahe dem Preusweg und jenen am Karlshöher Hochweg nahe der Lütticher Straße – verteilt worden war.

Zum Areal am Adamshäuschen hatte an diesem Tag eine Kindergartengruppe einen Ausflug gemacht. Prompt hatten zwei der Kinder die hellen Kügelchen, die durchaus Ähnlichkeit mit Süßigkeiten oder kindgerechten Globuli (homöopathische Arzneimittel)haben können, in den Mund genommen. Sie erlitten Verätzungen im Mundraum.

Nachdem sie von Rettungskräften vor Ort behandelt worden waren, mussten sie ins Krankenhaus gebracht werden. Mittlerweile sind die Kinder wieder zu Hause. Im Verlauf der Ermittlungen stellte sich später heraus, dass noch weitere Kinder verletzt worden waren. Die Eltern aller Kita-Kinder sind zwischenzeitlich von der Polizei dazu aufgerufen worden, sich zu melden, falls ihr Kind betroffen war. Denn im Präsidium wird in diesem Fall jetzt wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Täter seit zwei Jahren unterwegs

Diese Ermittlungen werden nun wohl auf die Taten vom Wochenende im Westpark ausgeweitet. Dabei wird sicher untersucht, ob es zwischen den Chemikalienattacken auf Grillplätzen und jenen auf Spielplätzen Zusammenhänge gibt. Doch noch ein anderer Zusammenhang scheint vor allem im Fall Westpark naheliegend. Just diese beiden betroffenen Spielplätze haben in den vergangenen fast zwei Jahren eine traurige Bekanntheit erlangt.

Im September 2015 hatte jemand zum ersten Mal Spielgeräte und Bänke auf dem Spielplatz an der Lochnerstraße mit Kot beschmiert. Die Stadt reinigte das Areal. Doch binnen weniger Wochen wiederholten sich die ekelhaften Verunreinigungen vier Mal.

Die Stadt wusste sich nun nicht mehr anders zu helfen, als den Spielplatz ganz zu schließen. Doch auch das half nicht. Kurz bevor die Anlage wieder freigegeben werden sollte, waren die Spielgeräte wieder mit Kot beschmiert. Die Stadt erstattete Strafanzeige – auch ohne Erfolg. Es fand sich kein Hinweis auf einen Täter.

Dann blieb es zunächst ruhig. Doch im Oktober vergangenen Jahres war der Spielplatz wieder versaut. Zwei Tage später traf es auch noch die Sitzbänke im Park, dann wieder den Spielplatz. Sämtliche Spielgeräte, alle Handgriffe und sogar die Schaukelketten waren mit Fäkalien bedeckt. Diesmal rückte gar eine Reinigungsfirma an, um alles zu säubern und zu desinfizieren. Erneut wurde die Anlage gesperrt. Woraufhin der Täter nun auch noch den speziell für Kleinkinder angelegten Spielplatz im Park ins Visier nahm.

Und nun also Chemikalien statt Kot. Auf einen möglichen Täter – sowohl in Bezug auf die Grill- wie auch die Spielplätze – gibt es bislang keinerlei Hinweise. „Wir tappen da noch im Dunkeln“, hieß es am Sonntag auf der Polizeileitstelle. Bei der Stadt hieß es auf Nachfrage, dass die Spielplätze zunächst bis heute gesperrt bleiben. Heute soll beraten werden, wie man weiter vorgeht. Auf jeden Fall würden andere Spiel- und Freizeitgelände auf die Substanz hin untersucht.

Bei der handelt es sich zwar um ein Mittel, das man in jedem Supermarkt kaufen kann. Doch zu spaßen ist damit keineswegs. Hauptbestandteil handelsüblicher Rohr- und Abflussreiniger ist Natriumhydroxid (NaOH), besser bekannt unter dem Namen „Ätznatron“, was schon etwas über die Wirkung aussagt. Die weit verbreitete Chemikalie kann starke Hautund/oder Augenreizungen verursachen, weswegen sie auch im Haushalt keinesfalls in Kinderhände gehört – wie es die Warnhinweise auf den Packungen denn auch dringend nahelegen.

Polizei und Stadt appellieren dringend an Nutzer von Freizeitanlagen, die Augen offenzuhalten. Denn jetzt gilt es, die Kinder vor jemandem zu schützen, der mit der perfiden Absicht unterwegs ist, sie zu verletzen.

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