Aachen - Kind zu Tode geschüttelt: Angeklagter gesteht

Kind zu Tode geschüttelt: Angeklagter gesteht

Von: Wolfgang Schumacher
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Patrick T. hat am Montag ein Geständnis vor der Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts abgelegt. Symbolbild: dpa

Aachen. Im Prozess um das zu Tode geschüttelte Baby hat Patrick T. (24) aus Aachen am Montag ein Geständnis abgelegt. Angeklagt ist er wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen mit Todesfolge.

Ja, er habe am Morgen des 27. August 2014 in der Wohnung seiner Lebensgefährtin in Herzogenrath-Kohlscheid die damals 17 Monate alte Mira-Sofie aus Ärger darüber, dass sie nach dem Weggang der Mutter unaufhörlich schrie, heftig geschüttelt. Mehr als zehn Sekunden habe er das getan. „Ich weiß nicht, wieso ich das getan habe“, sagte er vor der Schwurgerichtskammer des Aachener Landgerichts.

Das Kind sei in seinen Armen erschlafft, der Kopf zur Seite gefallen, später habe das Kind gekrampft: ein eindeutiges Zeichen für Sauerstoffmangel, wie Mediziner berichteten. T. habe das Mädchen mit dem Gesicht zu sich hin auf dem Schoß gehalten, als er mit dem Schütteln begann. Erst als die Mutter nach einer Fahrstunde und einem ins Leere gelaufenen Kontrollanruf nichts Gutes ahnend wieder nach Hause kam, sah sie das aus dem Mund blutende Kleinkind auf der Couch liegen und rief den Notarzt.

T., der nicht der Vater von Mira war, lebte mit der 21-jährigen Mutter in deren Wohnung zusammen. Er habe sich immer gut um das Kind gekümmert. An diesem Tag aber wollte die Kleine überhaupt nicht aufhören zu schreien. Wie es zu der brutalen Schüttelaktion gekommen sei, könne er sich bis heute nicht erklären, er schäme sich, sagte er den Richtern, er sei kein gewalttätiger Mensch.

Die Ärzte hatten nach der Einlieferung des Mädchens in die Uniklinik noch monatelang versucht, das Leben des Kindes zu retten – ohne Erfolg. Wenn das Kind zwei Minuten nach seinem Krampfen beatmet worden wäre, hätte man es retten können, sagte der neuroradiologische Sachverständige Martin Wiesmann (Uniklinik Aachen) der Kammer. Bei dem Geständnis des ehemaligen Lebensgefährten brach die als Nebenklägerin anwesende Kindesmutter in Tränen aus. Später verließ sie den Saal. Laut Wiesmann bestand bereits vor der Einlieferung des Kindes ins Uniklinikum keine Überlebenschance mehr.

Der Prozess wird Mittwoch fortgesetzt, voraussichtlich wird das Urteil gesprochen.

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