„Kimiko“: Verärgertes Echo auf erfolgreiches Festival

Von: Robert Esser
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Zu laut, zu lang, zu voll: Günter Stroh (r.), Claudia und Heinz Behrens sowie weitere Nachbarn kritisieren die Kimiko-Festivals vor dem Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann / Michael Jaspers
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Zu laut, zu lang, zu voll: Günter Stroh (r.), Claudia und Heinz Behrens sowie weitere Nachbarn kritisieren die Kimiko-Festivals vor dem Ludwig Forum. Foto: Andreas Herrmann / Michael Jaspers

Aachen. Das Echo ist geteilt: Knapp zwei Monate nach dem jüngsten – künstlerisch hochgelobten – Kimiko-Festival mit 44 Bands auf drei Bühnen vor dem Ludwig Forum nehmen die Misstöne aus der Nachbarschaft zu. Hotelier Heinz Behrens, seine Gattin Claudia und Günter Stroh wohnen wie viele hundert weitere Menschen im direkten Umfeld des Lufo im Bereich Jülicher Straße und Thomashofstraße.

„Die Lautstärke von den drei Bühne ist für uns in diesem reinen Wohngebiet einfach unerträglich. Ganz unabhängig vom Musikgeschmack: In der Nachbarschaft kommt nur entsetzlicher Krach an, hier zittern die Scheiben bis Mitternacht. Und danach grölen Betrunkene im Park und auf dem Nachhauseweg bis in den frühen Morgen“, kritisiert Behrens.

„Der Schall schwappt aus dem Innenhof, und dann vervielfältigt er sich. Ich verstehe nicht, wie man so etwas genehmigen kann“, moniert Stroh. Man spreche für eine Vielzahl von Nachbarn, erzählen beide. Unterschriftenlisten gegen das Kimiko-Festival seien auf den Weg gebracht. Auch die Stadt habe man über die „unerhörten“ Vorfälle informiert. Jahr für Jahr.

„Aber geändert hat sich nichts, im Gegenteil: Das Musikfestival ist sogar noch größer geworden“, sagt Behrens. „In der Zitadelle Jülich musste eine andert-halbstündige Nabucco-Aufführung abgesagt werden, nur weil ein paar Kröten gestört werden könnten. Und hier!? Sind wir hier in Aachen weniger wert als Kröten?“, ärgert sich der Hotelier. Viele, vor allem ältere Menschen in der Umgebung müssten drei Tage lang unter den „unverschämt egoistischen, rücksichtslosen ‚Kulturtreibenden‘“, leiden, wie die Anwohner in einem Offenen Brief an die Stadtverwaltung formulieren.

Veranstaltungsort wechseln?

Die Forderung der Beschwerdeführer: Das Kimiko-Festival dürfe im Lufo-Park künftig nicht mehr genehmigt werden, müsse irgendwo in Aachen stattfinden, wo keine Anwohner in direkter Umgebung in Mitleidenschaft gezogen würden. „Die Kurpark Classix im Stadtpark schaffen es doch auch, den Schall auf das Veranstaltungsgelände zu begrenzen – selbst wenn die Fantastischen Vier auftreten“, wundert sich Stroh.

Der Veranstalter des Kimiko-Festivals, Rick Opgenoorth, bestätigt, dass es schon während des Festivals einige Lautstärke-Beschwerden gegeben habe. „Aber das waren tatsächlich Einzelstimmen“, sagt er. Der Kulturmanager und Konzertveranstalter betont, dass man am Standort direkt vor dem Ludwig Forum auch im kommenden Jahr festhalten wolle. Allerdings unter ganz anderen, nämlich deutlich leiseren Vorzeichen: „Aus dem Musikfestival Kimiko wird Kimiko Art. Das heißt: Wir wollen uns der familiären Park-Atmosphäre dort noch weiter annähern. Wir möchten weniger Lautstärke in den Spitzenzeiten, viel mehr sogenannte Unplugged-Konzerte im kleineren Rahmen“, erklärt er.

Dies würde insgesamt zu deutlich weniger Schallbelastung im Umfeld führen. Auch an die Zuschauerzahlen von zuletzt immerhin 7000 Musikfans – vor allem wegen der dieses Jahr neu positionierten Großbühne im Parkhang zusätzlich zur Bühne im Innenhof – will man nicht anknüpfen. „Es dürfen zwar offiziell gleichzeitig 2500 Besucher in den Lufo-Park, aber das muss nicht sein – wir suchen eine ruhigere Atmosphäre, dazu wird das neue Konzept beitragen“, erklärt Opgenoorth.

Ob das Kimiko als „Art-“, also Kunstvariante im kommenden Jahr genehmigt wird, ist noch offen. Tatsache ist allerdings, dass der Stadt durchaus daran gelegen ist, das Gelände um das in früheren Jahren sehr schwach besuchte Ludwig Forum mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu stellen. Deswegen gab es auch städtische Zuschüsse vom Kulturbetrieb in Höhe von mindestens 2000 Euro für Kimiko. Im Kulturbetrieb selbst ist von Anwohnerbeschwerden laut städtischem Presseamt nichts angekommen. Gleichwohl liefen im Aachener Ordnungsamt Klagen über die zu hohen Lautstärken zu nächtlicher Stunde auf.

Im August 2018 könnte das „Kimiko Art“ nun erstmals über eine deutlich abgespeckte Bühne im Lufo-Park gehen. Das wäre die vierte Auflage von Kimiko; der Name ist übrigens der japanischen Sprache entlehnt und bedeutet so viel wie „einzigartiges Kind“. Man darf auf das Echo gespannt sein – von Publikum und Nachbarschaft.

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