Kevelaer-Bruderschaft: Als die Pilger mit dem Zug fuhren

Von: Josef Lambertz
Letzte Aktualisierung:
6008083.jpg
Es wird gepilgert: Die Wallfahrt der Kevelaer-Bruderschaft Aachen/Eilendorf findet vom 15. bis 31. August statt. Die Stadtwallfahrt ist auf den 28. August terminiert. Früher fuhr man mit dem Zug, heute mit dem Bus.

Aachen. Die Wallfahrt der Kevelaer-Bruderschaft Aachen und Eilendorf findet vom 25. bis 31. August statt. Die große Stadtwallfahrt mit Bussen ist am Mittwoch, 28. August. In Kevelaer gibt es ein Festhochamt, Kreuzweg und Pilgerandacht mit Sakramentsprozession.

Der Kartenverkauf für die Stadtwallfahrt findet bei den Verkaufsstellen in Eilendorf und bei den Burtscheider Pfarrämtern statt. In der Innenstadt sind Fahrkarten nur in der Citykirche St. Nikolaus (Großkölnstraße) erhältlich, und zwar vom 6. bis 22. August, dienstags und donnerstags von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr. Ganze 100 Jahre lang sind statt der Busse Pilgerzüge nach Kevelaer gefahren, Anlass genug zurückzublicken.

Erster Sonderzug 1865

Mit der Fertigstellung der Bahnstrecke Köln-Krefeld-Kleve im Jahre 1863 ergab sich die Möglichkeit, von Aachen nach Kevelaer mit dem Zug zu fahren. Damit konnten weite Bevölkerungsschichten für die Kevelaer-Wallfahrt motiviert werden. Ein Sonderzug der Kevelaer-Bruderschaft wird erstmals 1865 erwähnt, 1800 Pilger beteiligten sich. Die Pilger blieben meist eine Nacht in Kevelaer und erlebten so nicht nur die Feierlichkeiten am Hauptwallfahrtstag, sondern auch den festlichen Einzug der Fußpilger und die abendliche Lichterprozession am Dienstag. Die Pilgerzüge brachten Jahr für Jahr 1600 bis 2200 Pilger nach Kevelaer. Immer wieder ist es vorgekommen, dass der mit maximal 39 Waggons ausgestatte Sonderzug die Menge der Pilger nicht fassen konnte. Dann wurden an planmäßig verkehrende Züge weitere Wagen angehängt. Trotzdem ist es vorgekommen, dass man den Verkauf der Fahrkarten vorzeitig beenden musste.

Bis zu 4000 Bahnpilger dabei

Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, musste die Wallfahrt ausfallen. Aber auch in den Jahren 1917 bis 1919 verkehrten statt des Sonderzugs nur angehängte Waggons. Den Pilgern wurde nahegelegt, nach Möglichkeit bereits montags anzureisen, also eine zusätzliche Übernachtung einzuplanen. Ab 1920 verkehrten wieder regelmäßig jeweils zwei Sonderzüge, die auch in Kohlscheid und Herzogenrath noch Pilger aufnahmen. Als die Bruderschaft 1921 ihr 175-jähriges Bestehen feierte, musste mittwochs sogar ein dritter Sonderzug eingesetzt werden. In diesem Jahr beteiligten sich über 4000 Bahnpilger an der Wallfahrt.

1930 werden erstmals Pilgerbusse erwähnt, 1936 sind es bereits drei Unternehmen, die solche Busse anboten. Sie wurden zur ernst zu nehmenden Konkurrenz für die Sonderzüge, waren sie doch preiswerter und flexibler einsetzbar. So entstanden sich in den Pfarren Heilig Geist (1934), St. Jakob (1937) und St. Adalbert (1942) eigene Buswallfahrten.

1939 vorläufiges Ende

Eine Zäsur bildete die Nazi-Herrschaft und der Zweite Weltkrieg. Schon 1933 wurde kein Sonderzug genehmigt. Ab 1934 lenkten die Behörden dann wieder zur bisherigen Regelung ein. Als dann während der Wallfahrt 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war das das vorläufige Ende der Wallfahrt. Nur kleine Pilgergruppen, die bis Geldern mit dem Zug fuhren, schlugen sich jeweils nach Kevelaer durch.1946 konnte die Kevelaer-Bruderschaft auf ihr 200-jähriges Bestehen zurückblicken. Man wollte um jeden Preis nach Kevelaer und hatte der dortigen Wallfahrtsleitung signalisiert, man sei mit „primitivster Unterkunft, etwa in einer Scheune auf Stroh“, vollauf zufrieden. Obwohl kein Sonderzug genehmigt wurde, fuhren dienstags 250 Bahnpilger zur Begrüßung der kleinen Fußpilgergruppe nach Kevelaer, mittwochs folgten 250 Buspilger.

1961 der erste Pilgerbus

Darin wurden bis zu 200 Plätze für die Pilger aus Eilendorf reserviert. Eilendorf setzte 1961 den ersten Pilgerbus ein, es gab sie ein- und zweitägig. Aber die Zeit der Pilgerzüge war bald vorbei, 1964 beteiligten sich nur noch 366 Pilger an der Bahnwallfahrt. Im Frühjahr 1967 schrieb Pfarrer Schneider von St. Peter: „Da die meisten Aachener Pfarrgemeinden sich an der bisherigen Form der Bahnwallfahrt nicht beteiligen wollen, kann in diesem Jahr kein Sonderzug bestellt werden“. Das galt aber nicht nur für das Jahr 1967. Seit diesem Jahr hat es also nur noch Pilgerbusse gegeben, anfangs noch zum gemeinsamen Termin, später mehr und mehr losgelöst von der Kevelaer-Bruderschaft. Pilgerzüge mit dampfender Lokomotive: Das war einmal.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert