„Kennen lernen“ im Mörgens begeistert

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Angst, Neugier, Misstrauen, Unsicherheit: Die Gesichter der Neuankömmlingen sprechen Bände. Das Stück „Kennen lernen“ im Mörgens mit Darstellern aus unterschiedlichen Kulturen feierte eine umjubelte Premiere.

Aachen. In den Gesichtern steht Neugier, Angst, Freude, Misstrauen, Unsicherheit und auch Müdigkeit. Zwölf Menschen sind angekommen in Aachen. Sie sind „aus der Fremde“, auch wenn manch einer nie dort war oder sich kaum mehr daran erinnern kann.

Sie erzählen Geschichten: vom Fremdsein, vom Zerrissen Sein zwischen den Kulturen, von Heimweh, aber auch vom Ankommen, vom Hiersein und manch unvoreingenommener Verwunderung über die Andersartigkeit dieses Deutschlands. „Kennen lernen“ – ein Theaterprojekt mit jungen und alten Menschen unterschiedlicher Kulturen aus Aachen – feierte am Donnerstagabend im Mörgens eine umjubelte Premiere.

Sinnbild der Willkommenskultur

Holzkisten – sie erinnern ein wenig an die Passkontrollstellen der innerdeutschen Grenze der Vergangenheit – sind das Eintrittstor in die neue Welt. Danach wartet erst mal ein ungemütlicher Bahnsteig. Die Darsteller, alle in Schwarz gekleidet, sind da, aber zunächst noch nicht angekommen. Ein Sinnbild für deutsche Willkommenskultur?

„Wenn Du glaubst, dass Du ankommst, kommst Du an“, sagt Andreas Hadjiconstantinou, nachdem er ein paar Schritte Sirtaki getanzt hat. Nach und nach tauchen bunte Blusen, farbige T-Shirts auf. Das Leben in der Fremde wird freundlicher, weniger unbekannt, weniger einsam – ob nun durch einen gelungenen Hochschulabschluss, eine neue Liebe oder das deutsche Kinder-Fernsehprogramm. Die Figuren nehmen ihr Leben in die Hand.

Zwei Facetten haben „Kennen lernen“ zum Erfolg geführt: Zum einen die sehr persönlichen Geschichten der Darsteller, die aus Europa, Afrika, Asien kommen oder auch hier geboren sind und mal mehr, mal weniger lange Deutschland ihr Zuhause nennen. Heimat? „Einen ortsbezogenen Heimatbegriff habe ich aufgegeben“, verkündet Oleg Hirsch, der mit sechs Jahren aus Kasachstan nach Deutschland zog. Das Publikum konnte die Schauspieler im wahrsten Sinne des Wortes kennenlernen. Die Nähe zwischen Zuschauer und Darsteller im Mörgens war da zusätzlich förderlich.

Zum anderen die gelungene Kombination aus Laiendarstellern, und dem professionellen Umfeld des Theaters Aachen. Das Regie-Team um Martin Philipp (Inszenierung), Detlev Beaujean (Bühne) und Lea Reusse (Kostüme) bereitete den Boden, um beim Ensemble nicht nur unbändige Spielfreude zu entfachen, sondern ihm auch das Handwerkszeug mitzugeben, um authentisch, mit enormer Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke zu agieren. Dieser Abend ließ keinen Platz für Vorurteile – egal ob durch die Beschreibung von Herkunftsländern wie Iran und Äthiopien oder Tätigkeitsbeschreibung wie Maschinenbaustudent oder IT-Experte zunächst entfacht.

Auf eindrucksvolle Weise hat „Kennen lernen“ den rechten Aufmarsch von heute schon im Vorfeld widerlegt: Multikultur ist lebendig und eine erfrischende Bereicherung!

Weitere Aufführungen sind am 5. April sowie am 9., 15 . und 20. Mai um 20 Uhr im Mörgens.

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