Aachen - Keine Zeit für tausende Aachen-Gäste

Keine Zeit für tausende Aachen-Gäste

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Ali Amir (Name geändert) ist „nur” einer von tausenden „Fällen”, die in jüngerer Zeit beim Ausländeramt der Städteregion in der Warteschleife hängen geblieben sind.

Wenn sein schwerkranker siebenjähriger Sohn ihn fragt, warum sein Onkel ihn vorerst nicht besuchen kann, wird die Antwort für Amir schwierig - obwohl der 39-Jährige gebürtige Palästinenser die Sprache seiner neuen Heimat hervorragend beherrscht. Amir lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern seit 20 Jahren in Deutschland und ist längst im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft.

Das nützte dem gelernten Ingenieur zunächst herzlich wenig, als er Ende März ein sogenanntes Besuchervisum für seinen Schwager beantragen wollte. Der lebt in Saudi-Arabien und hätte die Reise nach Aachen Ende April antreten können. „Bislang”, sagt Amir, „hat das beim Bürgerservice immer bestens geklappt.” Diesmal allerdings verwies man ihn ans „neue” Ausländeramt der Städteregion. Dort aber herrscht in Sachen Visa ein eklatanter Bearbeitungsstau - weil das nötige Personal zwecks Prüfung und Weiterleitung der Anträge an die zuständige Botschaft schlicht fehlt.

„Am Telefon beschied mir eine völlig entnervte Dame, vor Mai könne man mir keinen Termin geben”, berichtet Amir. Das freilich hätte zur Folge, dass sein Sprössling - der Junge leidet an Leukämie und wird zurzeit im Klinikum behandelt - den Bruder seiner Mutter nicht vor Juni an seinem Krankenbett begrüßen könnte. Theoretisch. „Im Sommer ist mein Schwager unabkömmlich, weil er keinen Urlaub hat und seine Frau ein Kind erwartet”, erklärt Amir. Und: „Ich halte es für einen Skandal, dass man für eine Formalität, die wenige Minuten dauert, länger warten muss als auf einen Termin für eine Kernspintomographie. Mit Bürgernähe hat das nichts mehr zu tun.”

Nach einer AZ-Anfrage kann Amir jetzt hoffen, dass sein Begehren doch noch Erfolg hat. Auch wenn die Leiterin des Ausländeramts, Gabriele Grünewald, betont: „Ein solcher Antrag muss gründlich geprüft werden, das lässt sich nicht mal eben nebenbei regeln.” So müsse etwa dokumentiert sein, dass der Gastgeber finanziell in die Bresche springen könne, falls der Besucher, zum Beispiel wegen einer plötzlichen Erkrankung, nicht ohne weiteres in seine Heimat zurück könne. Für Amir nach eigenem Bekunden kein Problem.

„In einem Notfall wie diesem reagieren wir natürlich”, erklärt denn Günter Schabram, Sozialdezernent in der Städteregion. Allein: Am grundsätzlichen Missstand ändere das rein gar nichts. Zwar sei es sinnvoll gewesen, die Zuständigkeit ins Ausländeramt zurück zu geben. „Leider konnte aber die erforderliche Personalstelle nicht besetzt werden, obwohl dort bereits rund 2500 Anträge auf Bearbeitung warteten.” Seit Januar suche man händerringend nach einer geeigneten Kraft; eine verwaltungsinterne Stellenausschreibung sei erfolglos geblieben. „Jetzt haben wir noch einmal über tausend Kollegen informiert und hoffen, dass wir bald Abhilfe schaffen können”, sagt Schabram.

Bis dahin bleibt die Situation nicht nur für die einzig verbliebene zuständige Mitarbeiterin im Ausländeramt alles andere als erfreulich. In Aachen waren bislang jährlich im Schnitt etwa 800 Anträge auf Besuchervisa zu bearbeiten, weiß Grünewald. Mit der Ausweitung auf die gesamte Städteregion sei die Zahl auf 4000 emporgeschnellt.
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