Keine Spur von Ruhe: In den Stallungen herrscht am Ruhetag Hochbetrieb

Von: Stefan Herrmann
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Anreisetag: Etwa 100 Transporter brachten die wertvollen Turnierpferde am Montag nach Aachen. Foto: Michael Jaspers
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Alles im Griff: Fritz-Josef Brieger gehört zum Stall-Team beim Turnier. Gestern begrüßte er 360 neue Pferde in den Stallungen des ALRV. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die Liste von Fritz-Josef Brieger verrät alles. In welche Box kommt welches Pferd? Wird Stroh oder werden Späne als Einstreu gewünscht? Gibt es sonst etwas zu beachten? Brieger weiß als Mitglied des Stallmeister-Teams bestens Bescheid. Und das ist an diesem Tag auch wichtig, denn was nach außen als Ruhetag der Reit-EM gilt, ist vor Ort vieles – aber sicherlich nicht ruhig.

Am frühen Morgen schon reihen sich die riesigen Pferdetransporter vor der Einfahrt zu den Stallungen in der Soers. Über Nacht sind Reiter und Pferde aus allen Winkeln Europas angereist und stehen nun im Westzipfel der Bundesrepublik. Alle verfolgen ein Ziel: Tollen Sport zeigen und, wenn alles passt, mit einer Medaille um den Hals nach Hause fahren.

Ein wenig herrscht an diesem Tag Stimmung wie in einem großen Hotel am Anreisetag. Am frühen Mittag zählt Brieger bereits 240 Turnierpferde, die im Stalltrakt 1 „eingecheckt“ haben. „360 werden es am Ende des Tages sein“, sagt er. Eine logistische Meisterleistung. Denn in den Tagen zuvor hatten bereits 360 Dressur-, Reining- und Vielseitigkeitspferde Aachen nach ihren EM-Wettbewerben verlassen. Nun beziehen die tierischen Teilnehmer aus den Disziplinen Springen, Voltigieren und Fahren die Boxen. „Hier könnten sogar noch einige Pferde mehr rein. Allein der Stalltrakt 1 bietet 460 Tieren Platz“, verrät der Übach-Palenberger Brieger, der zum sechsten Mal in Aachen dabei ist.

Und wie sich das für eine Top-Unterkunft gehört, ist die Verpflegung inklusive und vom Feinsten. 18 000 Kilogramm Hafer, 18.000 Kilogramm Heu und 1500 Ballen Stroh werden den Vierbeinern in den beiden Turnierwochen serviert. Zudem stehen 600 Ballen Stroh zur Einstreu zur Verfügung. Da lacht das Pferdeherz und Brieger zitiert mit einem Schmunzeln eine alte Stallmeister-Weisheit: „Ein gesundes Pferd erkennt man daran, dass ein Stückchen Stroh aus seinem Ohr rausguckt.“ Selbstverständlich verlangt der Check-in im Soerser Stall doch ein wenig mehr. Impfbücher der Tiere werden geprüft, Pässe begutachtet und natürlich die Pferde in Augenschein genommen, dass sie gesund und fit sind. Erst dann dürfen sie ihre „Zimmer“ in bester Turnier-Lage beziehen.

Damit am Anreisetag alles am Schnürchen läuft, sind auch Abteilungsleiter Armin Bergstein und sein Team im Einsatz. 14 bis 18 Mitarbeiter des Ordnungsamts sorgen täglich dafür, dass die Straßen und Zufahrten rund ums Turniergelände frei bleiben. An diesem Montag bedeutet das: Etwa 100 Transporter rücken mit ihren wertvollen Insassen an und müssen einer nach dem anderen zu den Stallungen – der Hochsicherheitsbereich auf dem Turniergelände – gelotst werden. Damit die tonnenschweren Gefährte durch die engen Straßen kommen, stehen die Ordnungshüter parat. Denn Wildparker werden rund um die Soers freundlich, aber bestimmt darauf hingewiesen, dass Wege, Zufahrten, Busspuren und selbstverständlich Behindertenparkplätze frei bleiben müssen. Andernfalls droht der Abschlepphaken.

Unterdessen blickt Fritz-Josef Brieger wieder auf seine Liste. Ein Häkchen kommt hinzu. Die Pferde scheu machen? Von wegen. Brieger strahlt die Gelassenheit aus, die dann doch zum Ruhetag einer EM passt. „Hier in Aachen ist halt einfach alles perfekt organisiert.“

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