Aachen - Keine Schnellschüsse rund um den Büchel

Keine Schnellschüsse rund um den Büchel

Von: Stephan Mohne und Oliver Schmetz
Letzte Aktualisierung:
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Das „Nikolausviertel“, wie es die Projektentwickler nennen: Zwischen Parkhaus Büchel und Großkölnstraße sollen nach ihren Vorstellungen einige Fehler der Vergangenheit „repariert“ werden. Noch diesen Monat wollen die Investoren Hermanns/Sauren der Strabag das Parkhaus abkaufen, dann soll es baldmöglichst einen städtebaulichen Wettbewerb geben, den die Stadt zuletzt aufgeschoben hatte. Foto: Manfred Kistermann

Aachen. Und es rollt, und rollt, und rollt – das Blech in Richtung Parkhaus Büchel. Dasselbe stinkt mittlerweile zehn Meter – oder mehr – gegen den Wind. Morgens sieht man bisweilen Mitarbeiter der städtischen Parkhausgesellschaft mit Duftmittel-Sprühflaschen durch die Etagen ziehen, um den Gestank nach – unter anderem – Urin zu übertünchen.

Und es gibt die Tage, an denen die städtische Bauaufsicht zu Gast ist und nachschaut, ob das Parkhaus wegen seines auch baulich miserablen Zustands aus Sicherheitsgründen teils oder ganz dichtgemacht werden muss. Investiert worden ist nämlich in den Klotz nichts mehr, seitdem der Abriss beschlossene Sache war. Nur: Das war Mitte des vergangenen Jahrzehnts.

Aktuell lautet einmal mehr die Devise: Es soll endlich vorangehen mit diesem und benachbarten altstädtischen Filetstücken, nachdem zunächst Pläne für eine „Trendboxx“ ebenso wie Seifenblasen platzten wie anschließend jene für eine „Bel Etage“ und nochmals danach solche für eine Wohn-/Geschäfts-/Hotelkombination. Im Februar dieses Jahres wurde schließlich verkündet, dass die beiden Aachener Projektentwickler Norbert Hermanns und Gerd Sauren nun das Parkhaus vom bisherigen Besitzer Strabag („Aquis Plaza“) kaufen. Allein: Die Tinte wurde seither nicht unter die Verträge gesetzt. Zumindest das soll sich bis Jahresende ändern, wie Rainer Maria Schäfer (Strabag) und Hermanns am Mittwoch auf Nachfrage erklärten.

Und dann? Dann soll auch das Warten auf einen längst beschlossenen städtebaulichen Wettbewerb bald ein Ende haben. Dieser war zuletzt aufgeschoben worden. Kämmerin Annekathrin Grehling hatte im Zuge ihrer Haushaltssperre die Gelder dafür geblockt. Doch jetzt, so liest man in einer Vorlage für den heutigen Planungsausschuss, hat sie diese wieder freigegeben. Möglichst zügig soll der Wettbewerb nun ausgeschrieben und dann mit einer „komprimierten Zeitschiene“, so die Verwaltung, durchgezogen werden. Geredet wird über das Thema zwar seit Jahren öffentlich, doch im Planungsausschuss wird die Angelegenheit heute merkwürdigerweise hinter verschlossenen Türen beraten. Dabei geht es eigentlich nur um die Frage, ob speziell für das Parkhausgrundstück einem vereinfachten Genehmigungsverfahren (nach Paragraph 34 des Baugesetzbuches) zugestimmt werden kann oder ob es dann doch besser ein Bebauungsplan werden soll. Ersteres könnte deutlich schneller gehen, letzteres böte Verwaltung und Politik deutlich größere Steuerungsmöglichkeiten hinsichtlich der Planung. Seitens der Verwaltung gibt es ein klares Votum: Bebauungsplan.

Fußwegeverbindungen wichtig

Wobei sich das ganze Thema längst nicht nur um das Parkhaus dreht. Diese Fläche dürfe man nicht isoliert betrachten, sagt Norbert Hermanns. So gehen die Pläne des Duos Sauren/Hermanns deutlich weiter. Sie wollen auch „die Fehler der Nachkriegszeit“ im Umfeld beseitigen. Für Hermanns geht es um eine „Erweiterung und Stabilisierung der Altstadt“, um ein „qualitätvolles, vitales Viertel“, wie er auf Anfrage am Mittwoch erläuterte. Was dort entstehen könnte, dürfe „nicht banal“ daherkommen, sondern müsse „erstklassig“ werden. Hermanns fasst das Gebiet im Magazin seiner Firma „Landmarken“ unter dem Begriff „Nikolausviertel“ zusammen und sieht dort einen Mix aus hochwertigem Wohnraum, Geschäften, Gastronomie und Kultur. Als extrem wichtig erachtet er heute nicht existierende Fußwegeverbindungen auf der Ost-West- und Nord-Süd-Achse. Man dürfe bei dem Thema „nicht zu kurz springen“. Es sei „eine Menge zu reparieren“.

Allerdings liegt dort auch die Antoniusstraße. Für die Rotlichtbetriebe müsse eine „verträgliche Lösung“ gefunden werden. Den Investoren wäre es sicher am liebsten, die „Szene“ würde ausquartiert. Doch dazu wird es kaum kommen – die Politik ist größtenteils dagegen. Hermanns ist nicht nur, aber auch in dieser Hinsicht gespannt auf den Wettbewerb. „Möglicherweise ergeben sich ja neue Impulse“, sagt er.

Bleibt die Zeitfrage. Müsste das Parkhaus mangels Standfestigkeit geschlossen werden, würden nicht nur der Apag die Einnahmen, sondern den Neu-Besitzern auch die Miete flöten gehen. Bisher bestand laut Martin Fauck, Chef der städtischen Bauaufsicht, (noch) kein Handlungsbedarf. Das könne sich jedoch ändern, denn das Gebäude sei in schlechtem Allgemeinzustand. Man überprüfe die Statik regelmäßig. Dennoch will Norbert Hermanns nicht in Eile verfallen. Dafür sei das Thema zu komplex und zu wichtig: „Schnellschüsse wird es nicht geben.“ Warum auch? Nach knapp einem Jahrzehnt des Wartens kommt es jetzt auf ein paar Monate auch nicht mehr an.

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