Aachen - Keine Parkplätze: „Euregio Wirtschaftsschau“ zieht in die Soers

Keine Parkplätze: „Euregio Wirtschaftsschau“ zieht in die Soers

Von: Robert Esser
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Ziehen auf 25 000 Quadratmeter des 24 Hektar großen ALRV-Areals: Norbert Hermanns, Ragnar Brockschnieder, Frank Kemperman und Raphaela Acker planen die „Neue Euregio Wirtschaftsschau“. Die Fläche der Zelte (13 000 Quadratmeter) ist so groß wie auf dem Bendplatz – noch.
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Auslaufmodell? Bei großen Events fehlen am Bendplatz Parkplätze. Der Veranstaltungsort könnte an den Stadtrand umziehen. Foto: Michael Jaspers
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Vision: Denkbar ist eine Erschließung von Camp Hitfeld über die Monschauer Straße. Platz für Großveranstaltungen gibt es dort reichlich.

Aachen. Norbert Hermanns sattelt die Pferde. Nach 27 Jahren kehrt der Chef der „Euregio Wirtschaftsschau“ dem Bendplatz den Rücken und zieht mit mehr als 400 Ausstellern, einer 13.000 Quadratmeter großen Zeltstadt und rund 150.000 Besuchern auf das Reitturniergelände des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) in die Aachener Soers.

Dort soll die Verbrauchermesse – hochwertiger und attraktiver denn je – erstmals vom 14. bis zum 23. März 2014 über die Bühne gehen. Gleichzeitig prüft die Stadt, ob der „Oecher Bend“ mit seinen Fahrgeschäften künftig außerhalb der Innenstadt eine neue Heimat finden kann: Im Fokus gelandet ist das verlassene Kasernen-Gelände Camp Hitfeld an der Autobahn zwischen Monschauer und Hitfelder Straße am Augustinerweg. 43 Hektar liegen dort bei bester Verkehrsanbindung seit 21 Jahren brach – zehn mal so groß wie der jetzige Bendplatz.

Hauptgrund für den Umzug der „Euregio Wirtschaftsschau“: „Besucher haben sich berechtigterweise darüber beschwert, dass sie am Bendplatz keine Parkplätze mehr finden und über einen Kilometer zum Veranstaltungsgelände laufen müssen“, sagt Hermanns, Geschäftsführer der Euregio Messen GmbH. Riesige Parkflächen sind durch die Baumaßnahmen auf dem künftigen RWTH-Areal Campus West blockiert. „Die Parksituation ist unzumutbar“, betont Hermanns am Mittwoch bei der Vorstellung des neuen Messe-Konzepts auf dem CHIO-Gelände.

Dort freut sich der ALRV-Vorstandsvorsitzende Frank Kemperman auf die Partnerschaft: „Die Euregio Wirtschaftsschau passt zu uns. Sie hat einen hervorragenden Ruf“, lobt er – 36 Tage bevor das diesjährige Weltfest des Pferdesports startet. Damit mausert sich der Sportpark Soers mit dem größten Reitturnier der Welt auch abseits des Pferdesports zu einem begehrten Schauplatz für immer mehr publikumsstarke Großveranstaltungen: Automobil-Messe, Immobilien-Messe – und schon zwei Wochen nach dem CHIO am 13. Juli die zweite Auflage des Open-Air-Konzerts „Aachen Olé“ mit Ballermann-Stars wie Michael Wendler und Jürgen Drews für über 40.000 Partyfans.

Zum Feiern ist Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf angesichts dieser Entwicklung nicht zumute. Wulf vermarktet den Bendplatz, 2012 flossen 444.000 Euro in die Eurogress-Kasse – wichtige Erlöse für die Stadt. „Es ist schade, dass wir die Euregio Wirtschaftsschau verloren haben“, sagt sie auf AZ-Anfrage. Auf einen Schlag büßt man Mieten für zehn Veranstaltungstage sowie 25 Auf- und Abbautage ein.

Wulf weiß um den extrem gestiegenen Parkdruck. Und sie weiß, dass die Stadt nach alternativen Flächen für Großveranstaltungen sucht. Der 40000 Quadratmeter große Bendplatz, ein Filetstück nach Investoren-Geschmack, könnte dann bebaut werden. Was nicht nur für die Immobilienbranche, sondern auch die Stadt lukrativ wäre.

Als „sinnvoll und logisch“ bezeichnet Oberbürgermeister Marcel Philipp den Umzug der Verbrauchermesse auf das Reitturniergelände. „Die Infrastruktur hier ist perfekt darauf ausgelegt. Und wir haben da ja auch noch ein Parkhaus stehen, das sinnvollerweise gelegentlich mal mit Autos gefüllt werden sollte“, spielt er auf die verwaisten Stellplätze am Tivoli an.

Hermanns erklärt, dass der „alte Typ der Verbraucherausstellung gelitten hat“. Sein Team verpasst der „Neuen Euregio Wirtschaftsschau“ deshalb zum Ortswechsel eine Frischzellenkur. Die 13 Zelthallen will man exklusiver ausstatten – was sowohl für das Ambiente als auch die Qualität der Aussteller und Verkaufwaren gelte. Sogar eine spezielle „Beduftung“ der Zelte – mit Themen wie „Schöner Wohnen“ und „Lifestyle“ – haben die Macher im Sinn. Als Aussteller möchte Hermanns mehr regionale Mittelständler und Institutionen wie RWTH und Klinikum einbinden. Mitmach-Aktionen und ein Sportschwerpunkt sollen neue Zielgruppen anlocken. Verleihen will man an den zehn Messetagen erstmals einen „Euregio-Wirtschaftsschau-Unternehmerpreis“.

An Preisen und Messeöffnungszeiten soll sich übrigens nichts ändern. Spätestens um 22 Uhr ist Schluss. „Für die Anwohner entstehen keine zusätzlichen Belastungen“, verspricht Hermanns. „Anders als bei einem Fußballspiel kommen und gehen die Besucher nicht alle auf einmal – was den Verkehr entlastet“, sagt er. Und ist sicher, dass er in der Soers auf das richtige Pferd gesetzt hat.

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