Aachen - Keine Lust mehr auf Luftschlösser fürs Parkhaus Büchel

Keine Lust mehr auf Luftschlösser fürs Parkhaus Büchel

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
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Eher Wohnquartier oder Einzelhandelsstandort? Neben dem denkmalgeschützten „Red House“ an der Ecke Büchel/Nikolausstraße soll das abrissreife Parkhaus endlich Neubauten weichen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Damit die „Never ending Story“ rund ums marode Parkhaus Büchel doch noch zum „Happy End“ führt, werden jetzt Nägel mit Köpfen gemacht. Selbige zerbrechen sich derzeit Investoren, Stadtplaner sowie Experten aus Verwaltung und Politik in mehreren Workshops zur Neugestaltung des tausende Quadratmeter großen Areals zwischen Büchel, Kleinköln-, Nikolaus- und Mefferdatis-straße.

Seit 28 Jahren (!) – bereits 1986 war die Schließung des Parkhauses Büchel im Innenstadtkonzept Aachens als Ziel formuliert worden – reihen sich Vorschläge, Bauvorhaben und Verschiebungen der Parkhaus-Abrisstermine aneinander.

Konkretes Ziel der nun laufenden Expertengespräche: Im September soll dem Planungsausschuss ein Wunschkonzept vorgelegt werden, das sowohl die Investoren als auch Stadtplaner und die politische Mehrheit gutheißen – und vor allem tatsächlich für wirtschaftlich realisierbar halten. Auf dieser Grundlage sollen dann präzise Vorgaben für den Städtebauwettbewerb festgeschrieben werden. Ergebnisse werden nicht vor 2015 erwartet.

Die laufende Debatte dreht sich dabei auch darum, ob die zu planenden Neubauten dort eher die Prägung eines urbanen Wohnquartiers oder eines Altstadt-Einzelhandelszentrums erhalten sollen. Hier sucht die Expertenrunde nach dem passenden Verhältnis – lukrativ für Investoren, orientiert an stadtplanerischen Erfordernissen und harmonisch eingebettet in den historischen Stadtkern. Gleichzeitig möchte man am Büchel (inklusive Dahmengraben etc.) ein Gegengewicht zum gewaltigen Einkaufszentrum Aquis Plaza am Kaiserplatz gestalten. Gedacht ist vor dem Kaufhaus „Lust for Life“ zum Beispiel an eine Überdachung der Fußgängerzonen.

Luftschlösser sind künftig ausgeschlossen. In politischen Kreisen seien es viele satt, „ständig und immer wieder bunte Bildchen von geplanten Bauprojekten präsentiert zu bekommen, die dann aber doch nie umgesetzt werden“, beschreibt ein Insider, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, die Stimmung in den großen Ratsfraktionen.

1998 war aus einem Investorenwettbewerb unter anderem die Projektidee „Forum Kaiserquelle“ hervorgegangen. Das 60er-Jahre-Parkhaus sollte Platz für ein Einzelhandelszentrum machen – entwickelt von den Gebrüdern Neßeler mit der Düsseldorfer SCC Shopping Center Consulting. Die Umsetzung scheiterte nach der Jahrtausendwende am Kaufpreis für das knapp 5000 Quadratmeter große Parkhaus-Grundstück und hohen Ertragserwartungen möglicher Betreiber. Im Jahr 2006 tauchte das niederländische Unternehmen TCN mit dem Bauprojekt „Trendboxx“ nach einem weiteren Investorenwettbewerb auf.

Zwei Jahre später beerdigte die Aachener Parkhaus Gesellschaft (Apag) als Eigentümerin des Grundstücks das Konzept – wieder war man sich finanziell nicht einig geworden. 2008 kaufte Großinvestor Strabag das Parkhaus, nannte die „Trendboxx“ in „Bel Etage“ um und versprach, erst Einzelhandel, dann ein Hotel oder Appartements zu errichten. Bis zum Aus nach weiteren sechs Jahren rührte sich nichts. Anfang dieses Jahres übernahmen schließlich die Aachener Investoren Norbert Hermanns und Gerd Sauren, die in der Umgebung große Immobilien besitzen, das Parkhaus-Objekt von der Strabag. Beide arbeiten gerade mit Stadt und Politik am großen Wurf für Büchel und Co. – für den neuen Städtebauwettbewerb.

Schneller dürfte indes die Häuserzeile entlang der Adalbertstraße zwischen Kaiserplatz und Kugelbrunnen – direkt neben der Aquis-Plaza-Großbaustelle – einem weiteren Einkaufszentrum weichen. Ein Investor will da zeitgleich mit der 30 000 Quadratmeter großen Mall noch 4000 Quadratmeter Geschäftsfläche schaffen – Eröffnung angeblich Anfang 2016.

Einer Idee des Künstlers Albert Sous (siehe Box), der anstelle des Büchel-Parkhauses eine orientalischen Markthalle entworfen hat, räumt man hingegen wenig Chancen ein. Zu unwirtschaftlich, heißt es.

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