Kein Zuschlag für freie Künstler trotz Reserve im Etat

Von: Matthias Hinrichs
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Nachschlag nicht zu erwarten: Die freien Initiativen (hier das Ensemble des Theaters 99 in der aktuellen Inszenierung „Criminales Bankett“) werden vom gewachsenen Polster im Etat des Kulturbetriebs voraussichtlich nicht profitieren – sofern der Kulturausschuss der Vorlage der Verwaltung folgt. Foto: Andreas Schmitter
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Hält höhere Förderung derzeit für nicht machbar: Dr. Margrethe Schmeer, Vorsitzende des Kulturausschusses. Foto: Stadt Aachen

Aachen. Wie hältst du‘s mit der freien Kultur? Die fatale Gretchenfrage dürfte in Kürze erneut für mehr oder weniger heftige Grabenkämpfe zwischen den kommunalpolitischen Fronten sorgen. In Erinnerung an das eine oder andere Wahlversprechen könnte mancher Vertreter der freien Kunst indes bitter konstatieren.

In Sachen Förderung haben die Ratsparteien dereinst zum Tigersprung angesetzt – und landen spätestens jetzt als Bettvorleger.

Zumindest würde damit das aktuelle Polster im Budget des Kulturbetriebs noch ein kleines bisschen molliger ausfallen, mögen Zyniker ergänzen. Im Klartext: Inzwischen sind die Reserven im Etat des städtischen Eigenbetriebs auf immerhin exakt 122.529,78 Euro gewachsen. Anlass genug für die Grünen, zur nächsten Sitzung des Kulturausschusses (Dienstag, 6. September, 17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) an einen Beschluss des Gremiums aus dem Jahr 2014 zu erinnern: Zwecks weiterer Erhöhung der sogenannten Kaste-Mitte (Kulturförderung außerhalb städtischer Einrichtungen) erwarte man von der Verwaltung, dass die Hälfte der erwirtschafteten Gelder künftig alljährlich an die unabhängigen Gruppen verteilt werde.

Ebendies sei angesichts der voraussichtlichen finanziellen Entwicklung in Sachen Budget keinesfalls zu empfehlen, heißt es jetzt aber in einer Vorlage für den Ausschuss. Konkret: Vor allem anstehende Tarifsteigerungen beim Personal schlügen bis zum Ende des laufenden Jahres mit Sicherheit erheblich ins Kontor, erklärt Irit Tirtey, stellvertretende Leiterin des Kulturbetriebs, auf Nachfrage. „Aus meiner Sicht wäre es in der Tat unvernünftig, die Mittel für andere Zwecke freizugeben“, unterstreicht denn auch Dr. Margrethe Schmeer, CDU-Ratsfrau und Vorsitzende des Ausschusses.

Immerhin sei das Budget für die „Freien“ erst im vergangenen Jahr – gemäß der gemeinsamen Willensbekundung der Fraktionen – um 50.000 Euro aufgestockt worden. Damit enthält der Subventionstopf derzeit 413.000 Euro. Das entspricht knapp zwei Prozent des Gesamtetats (rund 21 Millionen) bzw. knapp 2,6 Prozent des aktuellen Zuschussbedarfs für den Kulturbetrieb (rund 16 Millionen). Tirtey: „Wir würden hier wirklich gern mehr tun, aber es kann durchaus sein, dass wir in Kürze auf die Reserve zurückgreifen müssen, um unseren Etat auszugleichen.“ Vor allem im Personalbereich würden aller Voraussicht nach erhebliche Mehrbelastungen auf die Stadt zukommen, da der Krankenstand mit derzeit rund sieben Prozent ziemlich hoch sei und man – etwa im laufenden Betrieb der Museen – notgedrungen auf externe Kräfte zurückgreifen müsse.

Die Grünen freilich wollen sich damit durchaus nicht abfinden: „Vor der jüngsten Kommunalwahl waren sich die Parteien jedenfalls einig, dass die Mittel für die Freien weiter erhöht werden, wenn sich die Möglichkeit bietet“, unterstreicht Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig. „Wir sehen keinen Grund, da jetzt einen Rückzieher zu machen.“

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