Kein Scherz! Dem Ballerina-Clown wird Beine gemacht

Von: Thorsten Karbach
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Der Ballerina-Clown des Ludwig-Forums wird restauriert.

Aachen. Im Angesicht des Ballerina-Clowns hat Direktorin Brigitte Frantzen gut Lachen. Denn dass der Kopf der 7,5 Meter großen Figur (samt Bühne neun Meter) des US-Künstlers Jonathan Borofsky neben Händen und Röckchen vor ihr auf dem Boden des Ludwig Forums liegt, statt samt Skulptur im Innenhof zu stehen, hat einen guten Grund.

Der Ballerina-Clown, neben der Supermarkt-Lady eines der Wahrzeichen des Museums an der Jülicher Straße, wird restauriert. „Endlich“, sagt die Museumsdirektorin. Ausgetanzt hatte der Ballerina-Clown schon seit fast drei Jahren. Die Mechanik, die den rechten Unterschenkel bewegte, ist defekt. Es ist eher Verschleiß als Vandalismus, auch wenn die Skulpturen im Park immer wieder mal beschädigt werden. Die hauseigenen Restauratorinnen Julia Rief und Christina Sodermanns hatten bereits in diesen Unterschenkel geschaut - ohne Ergebnis. Es wurde mit einen Endoskop hineingeschaut. In der Dunkelheit gab es keine erhellenden Erkenntnisse. Deswegen musste der ganze Clown sorgsam auseinander gebaut werden. Der Kranführer bewies kühlen Kopf, als er dem Clown das Haupt abnahm. So wurde der Riese in kleine Teile zerlegt. „Wenn es schief gegangen wäre, dann wäre er heute kaputt“, sagt Frantzen. Aber alles lief wie am Schnürchen, als der Oberkörper am Kranseil hing.

Es ist ein eigenartiger Anblick, auf dem Hof des Museums für internationale Kunst vor der leeren Bühne zu stehen, über der Borofskys Clown normalerweise schwebt. Er war tatsächlich immer schon da. Nachdem er im Berliner Gropius-Bau bei der Ausstellung „Metropolis“ erstmals in Deutschland für Aufsehen sorgte, wurde er zur Eröffnung des Ludwig Forums 1991 in Aachen aufgestellt. Er gehört zum Haus wie Kaiser Karl auf den Marktbrunnen. Dennoch steckte er voller Geheimnisse. Weil Borofsky keine Konstriktionspläne mehr vorweisen konnte, herrschte bis zur Demontage Unklarheit, wie die Mechanik im Innern tatsächlich aufgebaut ist.

Borofskys Kunstwerke sind mittlerweile überall auf der Welt zu finden. Er schuf den „Hammering Man“ an den Frankfurter Messehallen, berühmte Figuren in Tokio und Chicago. Es gibt auch einen Zwilling des Aachener Ballerina-Clowns. Der steht in Los Angeles an der Public Library von Santa Monica. Würde das Museum oder irgendwer sonst heute eine solche Borofsky-Skulptur kaufen wollen, er müsste, so Frantzen, gewiss drei Millionen Euro investieren. Der erste Kostenvoranschlag für die laufende Restaurierung liegt bei 7000 Euro – und die Versicherung für das Kunstwerk zahlt.

Das Problem des Clowns dreht sich in dessen Popo. Umlenkrollen verbinden Stahlseile und Motor. Hier müssen die Duisburger Restauratoren von „Die Schmiede“, Spezialisten für solche Großskulpturen, eingreifen. „Wir haben Glück, dass wir diese Experten gewinnen konnten“, erklärt Frantzen. Natürlich wurde und wird auch die Hülle – Glasfaser mit Polyesterharz, darauf eine stabile Grundierung aus Kunstharz und Autolack – gereinigt und nachgebessert. Das Aachener Wetter – hin und wieder hat es seit 1991 ja geregnet – hat ein paar Spuren hinterlassen. „Aber das ist schon eine qualitativ sehr hochwertige Arbeit Borofskys. Der Clown ist noch richtig gut in Schuss“, sagt Rief.

Anfang Oktober wird der restaurierte Clown wieder in Aachen erwartet. Spätestens zur großen Ausstellung mit Werken von Nancy Graves, die erste umfassende Retrospektive mit 150 Gemälde, Filmen, Grafiken, Skulpturen und Installationen der US-Künstlerin wird am 13. Oktober eröffnet, wolle man den Ballerina-Clown im Hof dann wieder in Bewegung setzen. Inklusive Musik: Denn zu besonderen Anlässen schwingt der Clown zu einer leiernden Version von Frank Sinatras „I did it my way“ das rechte Bein. Die Musik wurde bereits 2009 digitalisiert, wurde aufgrund des defekten Beines aber zuletzt nicht mehr abgespielt. Zur Eröffnung von „Nancy Graves Projekt & Special Guest“ soll auch sie wieder ertönen. Das klingt nicht nur für Brigitte Frantzen prächtig.

Für Kopf, Hände und Röckchen bleibt – wenn Rief und Sodermanns nicht gerade kleine Lackschäden am Hut ausbessern – bis dahin der Platz im Museum. Direkt neben dem Eingang liegt das Angesicht des Clowns mit der kleinen Träne auf der Wange. „Eine tolle Arbeit“, sagt Rief. Und die wird gerade erhalten.

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