„Kein Platz auf der Schiene”: Bahn streicht den ICE nach Berlin

Von: Sebastian Dreher
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Wollen der Bahn die „Rote Karte” zeigen: Bettina Herlitzius und Oliver Krischer (rechts) sammeln fleißig Unterschriften. Foto: Kurt Bauer

Aachen. Erst seit Juni vergangenen Jahres müssen Bahnkunden, die von Aachen nach Berlin reisen wollen, nicht mehr umsteigen. Doch wer dachte, dass diese Neuerung Bestand hat, liegt falsch. Nach dem Motto „Alles wie gehabt” rudert die Deutsche Bahn auf ganzer Linie zurück und nimmt die Kaiserstadt vom Fernverkehrsnetz. Begründung: „Kein Platz frei auf der Schiene”.

„Wir haben diese Information in einem Nebensatz erfahren, als wir uns nach der Möglichkeit einer Anbindung Wuppertals an die Achse Aachen-Berlin erkundigt haben”, sagt Oliver Krischer, Bundestagsabgeordneter der Grünen. Zusammen mit seiner Kollegin Bettina Herlitzius sammelt er seitdem Unterschriften, mit denen der Bahn wegen der Änderung im Fahrplan „die rote Karte gezeigt werden soll”.

Die Erkenntnis, dass Aachen in der Prioritätenliste der Deutschen Bahn ziemlich weit unten steht, ist zu verschmerzen. Die Berufspendler, insbesondere die aus oder nach Düren, trifft die Entscheidung allerdings besonders hart.

Ein weiterer Nebensatz des Staatsunternehmens besagt nämlich, dass die geplante zweite Verbindung Brüssel-Frankfurt zwar in Aachen, nicht aber in Düren hält. Die Folge ist eine zusätzliche Belastung der Strecke in Stoßzeiten, weil nur noch mit normalen Zügen gefahren werden kann. Berufspendler griffen dann möglicherweise öfter auf das Auto zurück - mit absehbaren Folgen für den Knotenpunkt Aachener Kreuz.

Verschärft werden könnte die Situation noch durch die Maßnahme der Thalys-Trägergemeinschaft, den französischen Hochgeschwindigkeitszug in Zukunft ohne den von einer Reservierung befreiten zusätzlichen Waggon fahren zu lassen. Pro Fahrt würden dann zum normalen Fahrpreis noch sieben Euro Reservierungsgebühr zu Buche schlagen.

Der Dürener Holger Filipowicz zeigt sich über die Streichung der ICE-Linie und die damit verbundene zusätzliche Reisezeit enttäuscht: „Die halbe Stunde, die mir die Bahn 2009 geschenkt hat, nimmt sie mir jetzt wieder weg.”

Bettina Herlitzius und Oliver Krischer sammeln noch bis Ende des Jahres Unterschriften, die sie dann Bundesverkehrsminister Ramsauer vorlegen wollen.
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