Kein Krach, kein Dreck: City-Bus im Test

Von: Matthias Hinrichs
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Einstieg in völlig neue Umwelt- und ÖPNV-Technik: Politiker von SPD und Grünen sowie Experten von RWTH, Stawag und Aseag haben gestern den Wasserstoffbus aus Gladbeck persönlich getestet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Hören kann man ihn kaum, ein Stinker ist er ganz und gar nicht - aber ein echter „Hingucker”, wie eine Probefahrt mit reichlich Fachkompetenz und Lokalprominenz an Bord des kleinen, aber spektakulären Gefährts am Mittwochmittag bewiesen hat.

Sein Clou: Der Brennstoffzellen-Hybrid-Bus, entwickelt von der Gladbecker Hydrogenics GmbH und unter anderem bereits in Düsseldorf und im Ruhrgebiet im Einsatz, bezieht seine Antriebsenergie fast auschließlich aus Wasserstoff.

Das heißt auch und vor allem: Er erzeugt praktisch null Emissionen. Und damit scheint das Gefährt prädestiniert für den Einsatz auf der geplanten neuen City-Linie - nicht weniger als rein elektrisch betriebene Fahrzeuge, an denen RWTH-Experten derzeit tüfteln.

Beide Modelle standen im Mittelpunkt einer spannenden und hochkarätig besetzten Tagung im Rathaus, zu der SPD und Grüne neben den Spitzen von Aseag und Stawag unter anderem Hydrogenics-Vertriebsleiter Mark Kammerer und Professor Dr. Stefan Gies vom TH-Institut für Kraftfahrzeuge geladen hatten. Ausführlich legten die Experten Vorzüge und Nachteile der jeweiligen Variante - Wasserstoff- oder Elektroantrieb - dar. Gies betonte, dass die Entwicklung eines einsatzfähigen E-Busses bis Mitte 2010 abgeschlossen werden könne.

Dennoch: Beide Produkte bringen zwar keine Abgasschwaden, aber eine Legion weiterer Fragen mit sich. So müssten für den E-Bus-Typ, den die Aachener Wissenschaftler auf der Basis eines Mercedes-Sprinter entwickeln und der Platz für 22 Fahrgäste böte, Stationen zum Aufladen bzw.

Wechseln der Batterie eingerichtet werden. Ähnliches lässt sich für die Versorgung des Wasserstoff-Gefährts feststellen, das in seiner kleinsten Version ebenfalls 22 Personen aufnehmen könnte. So wird derzeit in Düren und in Bottrop an Technologien zur Gewinnung von Wasserstoff durch neue Elektrolyseverfahren bzw. Umwandlung von Faulgas in Kläranlagen gearbeitet. Zudem müssten ebenfalls Tankstellen eingerichtet werden.

Letztlich zeigten sich die Politiker - und auch Umweltdezernentin Gisela Nacken - allerdings begeistert von beiden Optionen, die durchaus gleichzeitig eingesetzt werden könnten.

Bleibt freilich die Kostenfrage: Der E-Bus bewegte sich nach derzeitigen Schätzungen in einer Preisklasse von 300.000 Euro plus Entwicklungskosten, sein Einsatz würde sich laut Gies nach sechs Jahren gegenüber konventioneller Technik auch finanziell lohnen. Die Wasserstoff-Variante aus Gladbeck ist (je nach Ausstattung) für rund 400.000 Euro zu haben. Allerdings: Einen Großteil der Finanzierung könnte durch Fördertöpfe gedeckt werden, hieß es.

Welche der beiden Varianten am Ende das Rennen macht - oder ob es tatsächlich beide sein werden - blieb am Mittwoch freilich ebenfalls offen. Und dass der Wasserstoff-Prototyp aus Gladbeck ausgerechnet bei seiner Testtour durch Aachen kurzzeitig den Geist aufgab, konnte die Politiker auch nicht wirklich beunruhigen: Der kleine „Hänger”, beteuerten die Macher, sei allein auf ein Problem im Schließmechanismus der Tür zurückzuführen gewesen.
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