Kein „direkter Bedarf” für Trinkerstube

Von: Alexander Barth
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Aachen. Anders als Oberbürgermeister Marcel Philipp sieht der Ausschuss für Soziales, Integration und Demographie keinen unmittelbaren Sinn in der Schaffung einer sogenannten Trinkerstube im Zentrum von Aachen.

Auf der jüngsten Sitzung sprachen sich alle Fraktionen gegen einen „Schnellschuss” in der Angelegenheit einer verstärkt in Erscheinung tretenden Trinkerszene, etwa unweit am Kaiserplatz sowie am Bahnhof, aus. Ein solcher Raum sei kein „Allheilmittel”, erklärte die Ausschussvorsitzende Rosa Höller-Radtke (SPD) zusammenfassend, „den Stein der Weisen finden wir mit einer solchen Maßnahme in dieser Angelegenheit ganz bestimmt nicht”.

Der Sozialausschuss will dennoch Informationen aus Kiel einholen: Dort ist das bislang einmalige Trinkerstuben-Projekt angelaufen, in der Süchtige - nach Vorbild der Konsumräume für harte Drogen - unter Aufsicht mitgebrachten Alkohol verzehren können. Auch den zuletzt viel beschworenen Eindruck, der Bahnhofsvorplatz sei ebenfalls zum Brennpunkt und Sammelplatz für öffentliche Trinkgelage geworden, entkräftete der Ausschuss in fraktionsübergreifender Einigkeit.

Selbstverständlich müsse man den Bürgerwillen ernst nehmen. Anstatt jedoch einen Raum zur Verfügung zu stellen, sei es sinnvoller, die bestehenden Möglichkeiten in Sachen Ordnungsmaßnahmen sowie das vielschichtige Suchthilfe-Angebot in Aachen zu nutzen und für die Problematik des öffentlichen Trinkens, egal an welcher Stelle der Stadt, zu zu sensibilisieren. FDP-Vertreter Daniel George: „Meine Wahrnehmung ist da eine andere, nämlich weniger dramatische. Außerdem geht das Ordnungsamt dort in einem, wie ich finde, angemessenen Maße gegen mögliche betrunkene Störenfriede vor”. Auch er glaube nicht an einer Trinkerstube „als sinnvolle, unmittelbare Lösung”.

Tatsächlich sei es vielmehr wichtig, „die Augen in der ganzen Stadt offen zu halten”, wie Grünen-Vertreterin Dr. Elisabeth Lassey anregte. Damit meint sie etwa den ausufernden Alkoholkonsum in der Pontstraße oder das „Trinkerrondell” an der Verbindung Malteser- und Wüllnerstraße. Die dort verkehrenden Trinker seien ein präsenteres Problem als etwa die Situation am Bahnhofsvorplatz, so Lassey. Insgesamt plädiert der Ausschuss also für eine entschärfte Sicht der Dinge. „Man muss auch mit Menschen leben können, ohne Stigmatisierung”, lautete der Aufruf von Dr. Stefan Warmke (Grüne).
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