Aachen - Kaum ein Katholik geht zur Kirche

WirHier Freisteller

Kaum ein Katholik geht zur Kirche

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:
8197941.jpg
Zählt immer weniger Mitglieder: Generalvikar Manfred von Holtum analysiert die hohe Zahl der Kirchenaustritte in Aachen. Foto: Robert Esser

Aachen. Nachdem der Limburger Skandal-Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst Millionensummen für Luxus-Umbauten, Koi-Karpfen und einen Adventskranz-Seilzug verschwendet hatte, liefen der katholischen Kirche auch im Bistum Aachen die Gläubigen in Scharen davon.

2013 traten bistumsweit 6547 Menschen aus – innerhalb eines Jahres eine Steigerung um rekordverdächtige 66 Prozent. Allein im Aachener Stadtgebiet meldeten sich vergangenes Jahr laut einer jetzt veröffentlichten Statistik 983 Katholiken ab. Das waren 352 mehr als 2012 – und damit fast doppelt so viele wie 2007.

„Katholiken in unserer Diözese und vermutlich auch in anderen Diözesen haben die Ereignisse im Bistum Limburg zum Anlass genommen, aus der Kirche auszutreten“, erklärte Aachens Generalvikar Manfred von Holtum. Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Kirche, fehlende Identifikation mit ihr und der demografische Wandel seien weitere Gründe für den Mitgliederrückgang, betonte er.

Zu den Austritten kommen weitere Minus-Trends: Immer weniger Menschen lassen ihre Kinder taufen, die Zahl der Erstkommunionen sinkt – und Jahr für Jahr sterben rund 1000 Katholiken in Aachen.

117.957 der knapp 250.000 Aachener Bürger gehörten 2013 noch der katholischen Kirche an. Das sind zwar nur 1008 weniger als im Vorjahr. Aber innerhalb der vergangenen acht Jahre summierte sich das Minus auf 8477 Katholiken. 2006 verzeichnete das Generalvikariat für Aachen-Stadt noch 126.434 katholische Christen.

Gleichzeitig sinkt die Zahl der Gottesdienstbesucher kontinuierlich. Die sonntägliche Stichprobenzählung in Aachen ergab, dass 2013 lediglich 8744 Gläubige in die Messe gingen – also gerade mal 7,4 Prozent der Katholiken. Im Vorjahr waren es noch 8,7 Prozent, 2007 immerhin 10,3 Prozent.

Die Zahl der Taufen verringerte sich seit 2006 von 874 auf 730 im vergangenen Jahr. Während man damals 1039 Erstkommunionen registrierte, waren es 2013 nur 697.

Aber es gibt auch Lichtblicke: 244 Brautpaare gaben sich in Aachen vor einem Altar das Ja-Wort – fast 40 mehr als 2012. Zudem stieg die Zahl der Firmungen nach etlichen schwachen Jahren wieder auf 661 an.

Von Holtum ist davon überzeugt, dass der überdurchschnittliche Negativ-Trend aus dem Skandaljahr 2013 vor allem in Aachen nicht anhalten wird. Die Heiligtumsfahrt habe deutlich gezeigt, dass die Beziehung zwischen Gläubigen und Kirche funktioniere, wenn ein ehrliches und lebendiges Miteinander gelebt werde, unterstrich der Generalvikar. Dabei waren 125.000 Pilger zum Dom geströmt – auch das ist im Übrigen ein Rekord.

Leserkommentare

Leserkommentare (5)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert