Katholische Krüzzbrür gehen fremd

Von: Gerd Simons
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Ein in mehrfacher Hinsicht aus der Art schlagender Ordensträger: Pfarrer Armin Drack (r.) wurden von den Krüzzbrürn „geadelt“. Laudator Michael Nobis fand die passenden Worte dazu. Foto: Martin Ratajczak
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Krüzzbrür-Urgestein: Leo Bardenheuer (l.) wurde vom Pfarrausschussvorsitzenden Franz-Josef Staat zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Aachen. Unruhe war in die lauschige Herrenrunde der Krüzzbrür gekommen, seitdem feststand, dass die legendären Krüzzbrür vom Pfarrausschuss Heilig Kreuz ihre höchste Auszeichnung, den Krüzzbrür-Orden, einem Protestanten umhängen wollen. Dazu noch einem evangelischen Pastor, der zwar seit 2 x 11 Jahren in Aachen lebt, aber zu allem Überfluss auch noch Kölner ist.

Bereits bei der Vorstellung im November letzten Jahres begrüßte ihn sein jetziger Ordensbruder Dr. Manfred Birmans mit dem vielsagenden Hinweis, dass das Schönste in Köln der letzte Zug nach Aachen sei.

Nun war die Stunde der Wahrheit gekommen – und Armin Drack wurde in das Wohnzimmer der Krüzzbrür, die Gaststätte „Am Knipp“, bestellt, um als 43. Ordensträger in die Riege von Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche aufgenommen zu werden.

Diese Herrensitzung ist für viele einer der närrischen Höhepunkte, weil der seit 1973 stattfindende „Stammtisch“ zotenfrei ist, von launigen Zwischenrufen, treffenden Bemerkungen, lustigen Vorträgen lebt und vor allem in diesem Jahr sehr kurzweilig und äußerst amüsant war.

Franz-Josef Staat, der Vorsitzende des Pfarrausschusses, und Krüzzbrür-Vorstandsmitglied Herbert Steins konnten wieder hochkarätige Gäste begrüßen und hoben diejenigen hervor, die im vergangenen Jahr einen runden Geburtstag oder ein nennenswertes Jubiläum hatten – schon dabei gab es wie gewohnt erste Zwischenrufe.

So forderte Georg Dünnwald, Träger des Ponttor-Ordens, die Eröffnung des rustikalen Büffets, weil er den traditionell gereichten echten Lachsersatz nicht erwarten könne. Unterstützung fand er durch Manfred Birmans‘ „Hunger“-Rufe. Die Forderung von Pfarrer Hans-Georg Schornstein, endlich Frauen beim Herrenabend zuzulassen, wurde wortreich vom Tisch gefegt.

Richtig warm ums Herz wurde es Leo Bardenheuer, den die Krüzzbrür zum Ehrenpräsidenten ernannten. „Wir wollen ihm danken, denn ohne seinen Vorgänger Gert W. Kentges und ohne ihn gäbe es die Krüzzbrür in dieser Form nicht“, geizte Franz-Josef Staat nicht mit Lob.

Nachdem sich die Männerschar am Büffet gestärkt hatte, übernahm Laudator Michael Nobis das Wort. Er sei irritiert darüber, dass den Aachenern ein Kölner Protestant geschickt wurde. Ob der leibhaftige Teufel sich im zweiten Anlauf für die Wolfsseele im Dom rächen wolle, stellte er sich selbst die Frage. Aber das katholische Oche hätte ja eine nachhaltige Ketzererfahrung, was ein Blick auf die Liste der AKV-Ordensritter beweise: Werner Ketzer und diverse Kölner Dompröpste.

Drack sei ein Paradebeispiel für „Multikulti“ und stelle sich jeden Tag der Herausforderung, Menschen unterschiedlicher Konfessionen zusammenzubringen. Ein Brückenbauer zu sein, so Nobis weiter, sei für Drack ein Herzensanliegen, und deshalb sei er richtig bei den Krüzzbrürn. Immer wieder brachte sich der katholische Pastor Ralf Freyaldenhoven ein und besprühte den Prostetanten mit „Weihwasser“ aus dem Aspergill.

Armin Drack gab mit der Frage, was passieren würde, wenn Köln und Aachen fusionieren würden, den unterhaltsamen Herren im Knipp eine Steilvorlage. „Dann würde der FC in der 4. Liga spielen“, schallte es aus der Runde. Nicht vergessen hatte man ihm die Aussage, dass der Aachener Dom für ihn “d‘r Kölner Dom en Oche“ ist. Der Kölner Dom sei im Vergleich zum Öcher Mönster eher ein Profanbau, frotzelte ein anderer Ordensträger.

Obwohl Drack seit 22 Jahren in Aachen wohnt, benötigt er laut Leo Bardenheuer und Hubert Herpers Nachhilfe in Öcher Platt. Sofort gab es einen Sprachkurs in Reimform. Zum Abschluss des Herrenabends gab es traditionell ein Rümmselchen des Aachener Heimatdichters Hein Engelhardt und den unwiderstehlichen Krüzzbrür-Klassiker „Chiantiwein“, gesungen von Willy Schell mit einem auf den neuen Ordensträger umgeschriebenen Text.

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