Kastanien geben sich Pilzen geschlagen

Von: Thorsten Karbach
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Am Mittwoch musste der Aachener Stadtbetrieb am Pastorplatz fünf mindestens 40 Jahre alte Rosskastanien fällen.

Aachen. Die Sorge um Aachens Kastanien wächst. Am Mittwoch musste der Aachener Stadtbetrieb am Pastorplatz fünf mindestens 40 Jahre alte Rosskastanien fällen. Vier Bäume dort sind laut Stadt Aachen stark mit Bakterien der Pseudomonas syringae und mit Phytohthora, einer Pilzgattung befallen.

Letzteres heißt übersetzt: Pflanzenzerstörer. Und der Name ist kein Zufall. Auch der fünfte Baum zeigt Anzeichen einer beginnenden Erkrankung. „Aus Gründen der Verkehrssicherung müssen die Bäume nun abgeholzt werden“, erklärt Rita Klösges vom städtischen Presseamt.

Die Schwächung der Bäume durch diese beiden Krankheitserreger begünstigt nicht nur in Aachen, sondern vor allem in den Niederlanden und am Niederrhein den Befall mit Austernseitling und Gemeinem Samtfußrübling. Bei diesen Pilzen handelt es sich um Holz zersetzende Speisepilze, die eine rasch fortschreitende Weißfäule hervorrufen. Die Bäume drohen auseinanderzubrechen.

Während sich der Austernseitling die Stämme befällt, tritt der Samtfußrübling sogar in den Baumkronen auf. „Der Zustand der Kastanien ist ein Problem, das ist echt dramatisch“, erklärt Andreas Schulz vom Aachener Stadtbetrieb. Weißblütige Rosskastanien seien zudem noch von der Miniermotte befallen.

Der Stadtbetrieb ist zuletzt alle Aachener Kastanienbestände abgefahren. „Wir haben extra Sonderkontrollen gemacht, um den Befall zu erfassen“, berichtet Schulz. Das Resultat? Am Markt musste ein Baum wegen Bakterien- und Pilzbefall entfernt werden. Und sogar die kaum zehn Jahre alten Kastanien an der Liebigstraße sind laut Schulz von den Schädlingen betroffen. „Wir werden noch viel machen müssen. Wenn ein Baum befallen ist, bekommen wir ihn nicht mehr annähernd sicher. Das Fällen ist alternativlos“, sagt der Experte.

Und so kamen zunächst am Pastorplatz die Kettensägen zum Einsatz. Der Fachbereich Umwelt hatte eine Sondergenehmigung erteilt. „Es geht um die Sicherheit der Menschen vor Ort. Wir sind weit davon entfernt, leichtfertig Bäume zu fällen“, betont Schulz. Unmut gibt es nämlich immer wieder, wenn Bäume fallen. An der Roermonder beziehungsweise Kohlscheider Straße waren auf einer Fläche von vier Hektar hunderte Bäume geschlagen worden – durch den Landesbetrieb Straßenbau NRW, der „notwendige Pflegemaßnahmen“ propagierte.

Auf dem Pastorplatz wird der Aachener Stadtbetrieb laut Presseamt noch im Frühjahr als Ersatz für die gefällten Kastanien sechs Amberbäume pflanzen. Der gesamte Platz wird mit Sitzbänken, neuem Splittbelag und neuen Papierkörben ausgestattet. „Wir wollen ihn umgestalten“, erklärt Klösges. Die fünf mächtigen Rosskastanien mussten sich Pilzen und Bakterien geschlagen geben.

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