Karnevalsauftakt: Zum Prinzenlied singen die Kreissägen

Von: Robert Esser
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Wie macht man hier eine gute Figur? Die AAK-Maskottchen tanzten zum neuen Sessionslied von „De Pöngche“ auf der schmucklosen Bühne am Rande des Willy-Brandt-Platzes. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die größte Lachnummer beim Öcher Fastelovvend ist am 11.11. die Bühne auf dem WillyBrandt-Platz. Das ist Tradition beim Festausschuss Aachener Karneval (AAK), der den närrischen Auftakt mit dem Stammtisch der Aachener Präsidenten und Kommandanten zwischen der lärmenden Aquis-Plaza-Großbaustelle und glitzernden Weihnachtsdekorationen in der Einkaufsmeile auf die Beine stellt.

Was allein schon witzig ist. Bloß: Von einem alten, schmucklosen Anhänger tönt am Dienstag Punkt 11.11 Uhr das erste offizielle Oche Alaaf.

Improvisation ist alles. Kämmerin Annekathrin Grehling vertritt den erkrankten Oberbürgermeister; AAK-Präsident Wilm Lürken und Stammtisch-Sprecher Otmar Mülly begrüßen am Kugelbrunnen über 500 Narren, einige sogar kostümiert. Zum Glück haben viele Vereine prächtige Standarten mitgebracht. Sie retten das traurig-düstere Bild unter dem AAK-Schriftzug „Vü(ü)r wecke Oecher Jecke“. Auf der lieblos herangekarrten Bühne müssen die Akteure sich und ihr Publikum nämlich ohne auch nur einen einzigen Scheinwerfer oder zumindest ein paar bunte Luftballons in Stimmung bringen. Auf diesem Niveau kann der Klang der Tonanlage, deren Boxen mit Spanngurten an den Planwagen geknotet sind, ganz locker mithalten. Da stört es kaum, dass so mancher scheppernde Tusch und Karnevalsklassiker von kreischenden Kreissägen des Großbaustellentrupps direkt gegenüber abgeschnitten wird.

Dabei kann sich das Programm doch sehen lassen: Vor allem Aachens designierter Prinz Axel II. Schwartz und sein Hofstaat bewegen das Narrenvolk. Buchstäblich. Da wird gesungen, geschunkelt – und zum Hit „Winke, winke“ zücken Jecke ungezählte weiße Taschentücher. Ein Hauch vom CHIO und dem Abschied der Nationen weht zwischen zwei Bierbuden, dem Brunnen, der Anhängerbühne und dem eigens angerollten Toilettenwagen über den Platz. Doch Schluss ist hier noch lange nicht. So gelingt der Aufgalopp zum Prinzenmotto fürs das Reit-EM-Jahr 2015: „Vür jrösse met Alaaf at hü Europas bejste Rütterslü“.

Viele exzellente Auftritte im rund vierstündigen Programm ernten verdient viel Beifall: „De Pöngche“ Uli Havermann und Dirk Chauvistré, die Oecher Stadtmusikanten, der Musikzug der Öcher Börjerwehr, Hans Montag und einige mehr. AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil schaut kurz vorbei, und Aachens designierter Kinderprinz Anton I. Neßeler (10) bezaubert mit seinem niedlichen Ohrwurm „Wer hat den Märchenprinz geklaut?“. „Damit wirst Du die Seniorenheime zum Rocken bringen“, gibt ihm ein erfahrener Karnevalist am Bühnenmikrofon zum Abmarsch mit. Das gibt Extra-Applaus.

Schließlich steht die Band „Volle Pulle“ auf dem Programmzettel. Die reist aus Holland an. Und der „singende Bürgermeister“ stürmt aus Belgien auf die billige Bretterbühne. Trotzdem macht‘s Spaß.

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