Aachen - Karnevalistische Rückblende: Harlekine, Helden, Könige und Prinzen

Karnevalistische Rückblende: Harlekine, Helden, Könige und Prinzen

Von: Jutta Katsaitis-Schmitz
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Aachen. Knappe drei Stunden waren vergangen, seitdem in der Aachener Bank die 36. Ausstellung von Karnevalsorden eröffnet worden war. Erstmals wurde sie ergänzt durch die Präsentation von 53 Prinzenzeptern der bisher 87 namentlich bekannten, vom AKV seit 1881 gestellten Aachener Prinzen Karneval.

Die närrischen 133 Jahre mit Aachener Narrenherrschern waren Anlass zu einer Rückblende auf die Vergangenheit der Stadt. Professor Dr. Armin Heinen vom Historischen Institut der RWTH Aachen entführte seine Zuhörer bei einem anschließenden Vortrag in den Räumen der AKV Sammlung Crous in den Zeitraum zwischen 1829 bis 1929.

Er schlüpfte dabei in die Rolle eines Jupp Jeckes, seines Zeichens Chef eines Personalberatungsinstituts. In dem szenisch gegliederten Vortrag führte er fiktive, lebendige und anschauliche Bewerbungsgespräche mit Kandidaten für das karnevalistische Spitzenpersonal, wie Helden, Harlekine, Könige und Prinzen. Es ging es nicht nur um die Narretei, sondern ebenso um das politische Denken, die Weltwirtschaftskrise, die Mode, noble Aachener Gasthöfe und Hotels sowie die damalige Gourmetküche. In die Rolle der Gesprächspartner als Prinzenbewerber schlüpften die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen am Historischen Institut, Dr. Ines Soldwisch und Bianca Achilles.

„Vergnügliches Gesellschaftsspiel“

Das erste Gespräch mit einem Kandidaten fand im Januar 1830 mit dem namentlich unbekannten „Er“ im fünf Jahre zuvor fertig gestellten Stadttheater statt. Das Gespräch kreiste um „die bis dahin historische Fastnacht der Adeligen – chic, aufwendig, als vergnügliches Gesellschaftsspiel“, wie auch um die Fastnacht der Jesuiten und schließlich den Volkskarneval in vielen katholischen Gebieten. „Wie sollten die Menschen denn lernen, gottgefällig zu leben, wenn sie nicht auch einmal der Fleischeslust frönten“, so der Kandidat. An die Stelle der sozial gebrochenen alten Karnevalsformen müsse nun ein neuer Fastelovvend treten, ein der Zukunft zugewandtes Fest.

Das Bewerbungsgespräch im Jahr 1883 fand zwischen „Jeckes“ und dem zweiten namentlich bekannten Prinzenkandidaten Louis Gilljam im Gasthof „König von Spanien“ statt. Gespeist wurde ein „ausreichend lange in einer Marinade von Essig, Wein, Suppengrün, Wacholderbeeren, Lorbeerblättern, Gewürznelken, Pfeffer- und Senfkörnern eingelegter Sauerbraten, wobei sich jener feine Geschmack dunklen Fleisches und süßlicher Printen im Gaumen entfaltete“.

Dazu tranken die Herren ein Gouden Carolus, ein kraftvolles Bier aus Mechelen. Gesprächsthema waren die noch immer anhaltenden Spannungen zwischen der Florresei und dem neuen Aachener Karnevalsverein ACV, hatte doch die Florresei gewagt, Bismarck die Ehrenmitgliedschaft anzutragen. Hinzu kam, dass die Florresei 1864 noch den Helden Karneval gestellt hatte und der ACV sich mit dem Harlekin hatte zufrieden geben müssen.

Der Öcher „Eisprinz“

„Der Held Karneval hat ausgedient. Ich werde den Karnevalsprinzen geben“, erklärte Louis I. selbstbewusst. Sei noch das Treffen von „Jeckes“ mit Ernst Niessen 1928 im Esslokal Germania erwähnt. Beide wollten nicht an den Zehnjahrgedenkfeiern zum Ende des Weltkrieges teilnehmen und waren hier vor Rechtsradikalen sicher. Das Germania war gut gefüllt, denn nach den Kriegsjahren und der Revolution von 1918, der Besetzung des Rheinlandes durch die Alliierten und dem Separatistenaufstand, hatte sich die wirtschaftliche Lage stabilisiert.

Nach zwei Saalprinzen (1925 Peter II. Brünken und 1927 Jacques Königstein) gab es 1928 mit Hans II. Esser einen kleinen Umzug. Nun sollte es 1929 wieder einen richtigen Rosenmontagszug geben. „Ich werde ein Prinz sein, wie es ihn noch nicht gegeben hat“, sagte Ernst I. zu. Bei minus 20 Grad wurde er zum „Eisprinzen“. Als Goldschmied hatte er sich Prinzenkette und Prinzenzepter selbst gefertigt und verlieh auch bei einem festlichen Empfang im Rathaus Orden. Anhaltender Beifall und angeregte Gespräche über das Gehörte bestätigten Heinen, dass er ein umfassendes Thema in experimentellem Vortrag gemeistert hatte.

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