Karneval trauert um Kurt Simons

Von: Manfred Kutsch
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Närrische Legende: Kurt Simons starb im Alter von 93 Jahren.

Aachen. Der Karneval trauert um eine närrische Legende. Kurt Simons, dienstälteste Tollität der Stadt, starb am Dienstag im Alter von 93 Jahren. Simons war der einzige Prinz, der zweimal amtiert hat – wenn man einmal absieht von Rolf Lejeune, der 1992 noch einmal Prinz wurde, weil 1991 der Golfkrieg das karnevalistische Treiben weitgehend verhindert hatte.

Der einstige Textilingenieur Simons, Sohn eines Aachener Tuchfabrikanten, hatte noch im Oktober 2014 mit Ehefrau Karin Diamantene Hochzeit gefeiert, neben ihr hinterlässt der Verstorbene zwei Söhne und zwei Enkelinnen.

Bis zuletzt nahm der rüstige Senior am öffentlichen Leben teil, vor allem im Frankenberger Viertel, ehedem auch Standort der Textilfabrik des Vaters, der Senatsmitglied beim Aachener Karnevalsverein (AKV) war. „Er besuchte jedes Jahr mit dem Prinzenkorps die Proklamation und die Festsitzung. Seine Frau und er liebten das gesellige Zusammensein, und mit Freude verfolgte er jeden neuen Prinzen Karneval in seinem Amt“, sagt AKV-Präsident Dr. Werner Pfeil.

Ein beispielloser Trick

Simons selber hatte 1952 und 1953 als zweifache Tollität Kurt I. und Kurt II. Schlagzeilen geschrieben, die in die Historie des Fastelovvends eingehen sollten. Die dahinter verborgene Geschichte legt das frühe Streben des AKV nach medialer Bedeutung auf schlitzohrige Weise offen. Jacques Königstein (1897-1971), Erfinder des Ordens „Wider den tierischen Ernst“ und Präsident des AKV von 1930 bis 1967, hatte mit einem findigen Trick den Nordwestdeutschen Rundfunk zu einer längeren Übertragungszeit der Aachener Proklamation im Radio gezwungen.

Nach der ersten prinzlichen Regentschaft von Kurt Simons überredete er den damals 30-Jährigen, ein zweites Mal das Zepter zu schwingen – dies jedoch mit einem furiosen Vorspiel. Und das ging so: Königstein ließ im gerade fertiggestellten Neuen Kurhaus zunächst den Bauamtsangestellten Helmut I. Meisel als „Schattenprinzen“ aufmarschieren. Da glaubte der live übertragende NWDR-Reporter Bernhard Ernst noch an die übliche, aus AKV-Sicht viel zu kurze Zehn-Minuten-Übertragung, bevor ihn ein abgesprochener Zwischenfall völlig überrumpelte.

Denn kaum war Helmut I. proklamiert, meldete sich seine Frau mit gespielter Fassungslosigkeit lautstark zu Wort: „Ich bin nicht einverstanden“, keifte sie quer durch den Saal. Entgeisterte Blicke trafen die außer sich geratene Prinzen-Gattin wider Willen. Nur Sekunden später zogen Prinzengarde, Oecher Penn und Börjerwehr ein und forderten lauthals ein Skandal-Comeback: „Wir wollen unseren alten Prinzen Kurt wiederhaben.“ Siehe da: Wie aus Zauberhand stand der begehrte Kurt im prinzlichen Kostüm auf der Bühne.

Zwei proklamierte Tollitäten an einem Abend? Vor den Radios stießen sich fünf Millionen Zuhörer in die Rippen: „Was ist in Aachen los?“ Die Sendezeit wurde prompt verlängert – um satte zwei Stunden! Königstein war am Ziel seiner ersten AKV-PR-Träume. Und Kurt II. ließ sich feiern.

Simons‘ Freude an Situationskomik und sein Lachen sollten ihn ein langes Leben lang begleiten. AKV-Präsident Pfeil: „Zu wissen, dass er nicht mehr da ist, macht uns traurig. Er, der über 60 Jahre zum AKV gehörte.“

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