Karneval: Nicht nur Petrus lässt Jecke im Regen stehen

Von: Oliver Schmetz und Robert Esser
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Wer übernimmt das Regiment? Die Spritzemänner (links) marschieren am Jonastor in Burtscheid auf, die Aachener Polizei hält derweil die Zahl ihrer Einsatzkräfte geheim – will aber möglichst überall Präsenz zeigen. Wenn‘s regnet, dürfte sich der Andrang in Grenzen halten – gut für die Ordnungshüter, schlecht für den Karneval. Foto: Jaspers, Herrmann, Krömer, dpa
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Wer übernimmt das Regiment? Die Spritzemänner (links) marschieren am Jonastor in Burtscheid auf, die Aachener Polizei hält derweil die Zahl ihrer Einsatzkräfte geheim – will aber möglichst überall Präsenz zeigen. Wenn‘s regnet, dürfte sich der Andrang in Grenzen halten – gut für die Ordnungshüter, schlecht für den Karneval. Foto: Jaspers, Herrmann, Krömer, dpa

Aachen. Wer sich morgen in die heiße Phase des Straßenkarnevals stürzen will, muss sich warm anziehen. Warm, wasserdicht und winddicht. Denn es wird kalt, nass und windig. Und an dieser Prognose ist kaum noch zu rütteln.

„Nein“, heißt es in der Aachener Wetterwarte auf die Frage, ob die Öcher Möhnen am Fettdonnerstag noch auf ein paar Lichtblicke hoffen können. Denn für das dann dominierende Wetterphänomen reicht ein einziges Wort: „Regen.“ Auch von sechs bis acht Wärmegraden sollte sich niemand einlullen lassen. Sondern sich besser dick einmümmeln. „Bei dem Wind sind das nur gefühlte zwei Grad“, warnen die Experten von der Warte, die es schließlich wissen müssen.

Wohl dem also, der um 11.11 Uhr, wenn die tollen Tage anbrechen, ein Dach über dem Kopf hat. Bloß wo? Im Pennzelt auf dem Katschhof wird das so früh nicht klappen. Dort ignoriert man nach der ausgesprochen überschaubaren Resonanz im Vorjahr diesmal die jeckste aller Uhrzeiten und lässt die Narren erst einmal im Regen stehen. „Wir öffnen das Zelt frühestes um 11.30 Uhr“, kündigt Zeltwirt Alwin Fiebus an. Prinz Michael II. hat aber schon eine Ersatzbühne gefunden. Im Trockenen: Der Öcher Narrenherrscher und sein Gefolge starten um Punkt 11.11 Uhr auf der Karnevalsparty der Industrie- und Handelskammer (IHK) in der dortigen Tiefgarage durch.

Just zu diesem Zeitpunkt wird sich sein jeckes Volk am Burtscheider Jonastor warmschunkeln, dem einzigen Fastelovvends-Open-Air zu dieser frühen Fettdonnerstagsstunde. Seit die Oecher Penn den Markt als Freiluftbühne geräumt hat, ist der Ansturm auf die Bühne der Oecher Spritzemänner noch größer geworden. Und weil es im Vorjahr dort besonders eng wurde, haben die Veranstalter in Absprache mit der Stadt ihr Sicherheitskonzept fortgeschrieben. Erstmals stehen nun Gitter bereit, um notfalls bei Überfüllung den Zugang zeitweise sperren zu können. Unter anderem dafür haben die Spritzemänner diesmal 40 zusätzliche Sicherheitskräfte engagiert – vielleicht auch, weil die 4 Amigos hier 2016 erstmals Gas geben wollen.

Allerdings: Voriges Jahr schien die Sonne. Gut möglich, dass diesmal das Schmuddelwetter die Sicherheitslage entspannt – und das nicht nur in Burtscheid. Freude käme darüber beim Chef des Aachener Ordnungsamts aber nicht auf. „Das würde ich mit größtem Bedauern sehen“, sagt Detlev Fröhlke.

So oder so geht man in Aachen nach den Kölner Silvesterübergriffen und der jüngsten Häufung von „Antanz“-Taten an Karneval ganz auf Nummer sicher. Das Ordnungsamt mobilisiert alle verfügbaren Kräfte und wird auch seine Gewerbekontrolleure auf die Straße schicken. Besonders intensiv wird man dabei laut Fröhlke die traditionellen Brennpunkte wie Bushof und Elisenbrunnen im Blick haben – und das in enger Zusammenarbeit mit der Polizei.

Apropos: Unter anderem deren prekäre Personallage nahmen am Dienstag sieben NRW-Städte in einer gemeinsamen „Kölner Erklärung zur kommunalen Sicherheit“ aufs Korn. Neben Bonn, Düsseldorf, Essen, Köln, Leverkusen und Oberhausen fordert auch Aachen in Sachen Sicherheit und Integration eine bessere Unterstützung durch das Land und den Bund. „Seit Jahren fordern wir, dass der personelle Rückzug der Polizei gestoppt und wieder mehr Kräfte für die Sicherheit in der Stadt eingesetzt werden“, sagt Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp und kritisiert: „Das Land hätte längst handeln müssen.“

Nach der Kölner Silvesternacht wird nun zumindest insofern gehandelt, dass landesweit Polizeischüler neben den normalen Kräften ins närrische Treiben geschickt werden. In Aachen sollen laut Polizei „im dreistelligen Bereich“ zusätzliche Kräfte eingesetzt werden, um den Straßenkarneval sicherer zu machen. Wie viel genau? Das will die Aachener Polizei – übrigens im Gegensatz zu den Sicherheitsprofis aus Köln, die 2500 Uniformierte ins Getümmel schicken – lieber nicht verraten. Das viel schwächer besetzte Aachener Polizeipräsidium lässt sich traditionell ungern in die Karten schauen.

Mehr Sicherheit soll dann nicht nur an den Open-Air-Schauplätzen Jonastor oder Münsterplatz herrschen, wo die Tropi-Garde an Fettdonnerstag von 13 bis 17 Uhr ein buntes Programm mit eigenen Karnevalskräften auf die Beine stellt, sondern insbesondere auch abends und nachts. Zum Beispiel an der Pont-straße, wo am Fettdonnerstag im Apollo zwischen 14 und 18.30 Uhr auch die alkoholfreie „Undergroundparty“ steigt. Und natürlich während der großen Züge am Sonntag und am Rosenmontag. Denn auch wer sich an Fettdonnerstag in krimineller Absicht in den Straßenkarneval stürzt, soll sich warm anziehen müssen. Selbst wenn das Wetter besser wird.

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