Karneval: Kölner Tierschützer für Pferdeverbot in Aachen

Von: Oliver Schmetz
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Hoch im Sattel: Ob wieder Pferde an den Aachener Karnevalszügen teilnehmen – im Bild die Prinzengarde – entscheidet die Politik nächste Woche. Kölner Tierschützer haben ein Verbot beantragt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Der Antrag ist auf den Elften im Elften datiert, das beigefügte Informationsmaterial hat ausgerechnet eine „Arbeitsgruppe Nr. 11“ erstellt, und es geht auch noch um Karneval – doch als närrischer Scherz ist der Vorstoß Kölner Tierschützer in die Gefilde des Öcher Fastelovvends nicht gemeint. Im Gegenteil.

Der Verein Rheinvegan, das Kölner Netzwerk für Tiere und die Tierrechtsinitiative Köln fordern ganz ernsthaft von der Aachener Politik, „ein Verbot von Pferden im Aachener Rosenmontagszug sowie in allen anderen Karnevalszügen in Aachen auszusprechen“. So steht es in einer Vorlage fürs Bürgerforum, das am Dienstag, 31. Januar, über den Antrag berät.

Pferde seien „sehr schreckhafte Fluchttiere“, die in Karnevalszügen einer „für ihre Spezies unnatürlichen Umgebung ausgesetzt“ seien, begründen die Tierschützer ihren Antrag. Außerdem fügten unter anderem laute Musik sowie singende und tanzende Menschenmassen am Wegesrand den „sensiblen Tieren zwangsläufig Stress“ zu. Dass diese Kritik an der Aachener Praxis ausgerechnet aus der närrischen Nachbarhochburg kommt, bringt hier manchen Jecken zum Schmunzeln, doch haben die Kölner Tierschutzorganisationen auch ihre heimischen Karnevalisten ins Visier genommen – dabei allerdings den Kürzeren gezogen. Denn am vergangenen Dienstagabend entschied der Kölner Beschwerdeausschuss, dass die Karnevalsgesellschaften rund 500 Pferde im Kölner Rosenmontagszug mitlaufen lassen dürfen.

Und die Chancen stehen gut, dass die Entscheidung in Aachen ähnlich ausfällt. Das hiesige Veterinäramt sieht nämlich bei den närrischen Umzügen „keinerlei Anfangsverdacht“ für Verstöße gegen den Tierschutz, erklärt Detlef Funken von der Pressestelle der Städteregion. In den vergangenen drei Jahren habe man die Pferde – am Aachener Rosenmontagszug nehmen etwa 30 bis 40 Vierbeiner teil – intensiv begutachtet und pro Jahr etwa zehn Blutproben genommen und auf Beruhigungsmittel getestet: „Alle Proben waren negativ.“

Damit ist die Kontrolldichte offenbar deutlich höher als in Köln, wo Medienberichten zufolge in einem Jahr nur sechs von 500 Pferden getestet wurden und auch ab und zu Verstöße zu Bußgeldern geführt haben sollen. Künftig solle deshalb auch in der Rheinmetropole mehr kontrolliert werden, beschloss die Politik. Dass auch die hiesigen Ratsleute grünes Licht für Pferde im Straßenkarneval geben, davon sind die Karnevalisten überzeugt – und reagieren entsprechend gelassen. Allenfalls kommen ungute Erinnerungen an das Jahr 2012 auf, als bei den Zügen wegen anonymer Drohungen so manches Pferd im Stall blieb.

„Unsere Pferde sind trainiert, unsere Reiter sind trainiert, und wir haben auf die Kritik schon reagiert, indem wir uns mittlerweile im Zug gleich am Anfang hinter den Stadtreitern einreihen, wo der Trubel nicht so groß ist“, sagt Dirk Trampen, der Kommandant der Prinzengarde, die neben dem Oecher Storm das einzige Reiterkorps in Aachen ist. Ins gleiche Horn bläst Horst Peters, der Vorsitzende der Aachener Stadtreiter. „Unsere Pferde sind das gewöhnt, wir reiten fast jedes zweite Wochenende auf Veranstaltungen.“ Und Beruhigungsmittel seien dabei, wie auch Trampen versichert, „absolut tabu“. So kann höchstwahrscheinlich nur eines eine Teilnahme der Vierbeiner verhindern: das Wetter. So wie im vorigen Jahr, als wegen Sturmgefahr bei den Zügen alle Vierbeiner in den Ställen blieben – aus Gründen des Tierschutzes.

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