Karneval für alle: „Öcher fiere met Öcher Kenger“

Von: Julia Gröbbels
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„Öcher fiere met öcher Kenger“: René A. Herget (links) und Oliver Jentschke haben eine Initiative gestartet. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Karnevals-Countdown läuft: Für René Herget und Oliver Jentschke bedeutet das neben Vorfreude auch einen großen organisatorischen Aufwand. Vor rund vier Jahren gründeten sie die Initiative „Oecher fiere met Oecher Kenger“.

 Eine private Initiative, die Aachener Kindern ermöglicht, am Kinder- und Rosenmontagszug teilzunehmen. „Wir mieten dann einen 18 Meter langen Truck, auf dem die Kinder mitfahren können, besorgen das Wurfmaterial und sorgen auch für die Verpflegung“, sagt Jentschke.

Schon immer total jeck

Herget und Jentschke waren schon immer „Karnevalsjecke“, sind gemeinsam auf dem ‚Herrenwagen’ mitgefahren. „Als wir dann Familie hatten, haben wir uns gefragt: Wer kann sich Karneval überhaupt leisten?“ Mit dieser Frage war bereits der Grundstein für die Initiative gelegt. „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass der Karneval ein Fest für alle sein soll und wir die Kinder fördern wollen, die den Karneval bisher nicht miterleben konnten“, so Herget. Und so gaben sie in den vergangenen Jahren Kindern aus drei Aachener Kinderheimen, einem integrativen Kindergarten und der Kinderklinik die Möglichkeit, Karneval vom Wagen aus kennenzulernen. „Wichtig war für die Kinder besonders die Erfahrung durch das Werfen von Süßigkeiten von ‚Nehmern’ zu ‚Gebern’ zu werden“, so Jentschke. Dies sei eine Erfahrung, die viele der Kinder noch nie zuvor gemacht hätten.

Auch einen eigenen Orden gibt es in jedem Jahr. Allerdings fiele dieser ein bisschen „improvisierter“ aus, als bei den anderen Karnevalsvereinen. „Bei unserem letzten Orden haben meine eigenen Kinder beispielsweise von Hand die Strasssteine aufgeklebt“, erzählt Herget. Aber gerade das mache den Orden unverwechselbar und zu einem beliebten Einzelstück. „Aber auch die Betreuer in den Kinderheimen selbst bereiten viel vor, nähen Kostüme und packen Taschen mit dem Wurfmaterial, das wir zur Verfügung stellen“, sagt er.

Auch für die Zukunft haben die beiden schon jede Menge Pläne: „Wir würden uns eine Tribüne für Rollstuhlfahrer wünschen, allerdings stoßen wir dann schon zu zweit an unsere Grenzen“, sagt Jentschke. „Ein Tribünenplatz kostet aktuell zwanzig Euro; das widerspricht dem Gedanken, dass Karneval ein Fest für alle ist“, bekräftigt Herget. Nur zu gern würden beide gleich eine ganze Tribüne nur für körperlich beeinträchtigte Menschen zur Verfügung stellen, aber der organisatorische Aufwand (Verpflegung, Decken, behindertengerechte sanitäre Anlagen) sei mit zwei Personen kaum zu bewältigen. „Wenn wir eine weitere Person ins Boot holen, müsste das schon jemand sein, dem wir vollkommen vertrauen können“, so Herget weiter. Sie sind stolz darauf ein „NEV“, ein nichteingetragener Verein zu sein. „Wir kennen die Probleme, die es in großen Karnevalsvereinen gibt und haben uns ganz bewusst dafür entschieden, dass dies eine rein private Initiative sein soll“, sagt Jentschke.

Und auch an Folgendem kann man den leidenschaftlichen Karnevalisten erkennen: Oliver Jentschke hat bereits im August „ein Schnäppchen“ beim Wurfmaterial gemacht. Die nächste Session kann also kommen.

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