Karlsverein weiter im Aufwärtstrend

Von: Thomas Kreft
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Aachen. Wenn der Aachener Karls- und Dombauverein seine Mitgliederversammlung zelebriert, dann ist das keineswegs eine Veranstaltung aktenwälzender Bürokraten. Längst ist es eine Institution fürs Volk.

Da zieht nicht nur der stets mit Spannung erwartete Bericht des Dombaumeisters das Interesse auf sich. Da gilt es auch, alte Bekannte zu begrüßen oder beim Imbiss ganz familiär zu plaudern.

111 – so viele Mitglieder hat der Karlsverein 2015 hinzugewonnen. Seit Jahren geht es mit der Traditionsvereinigung aufwärts, wenn auch nicht mehr gar so steil. So ist der Stand zum 1. Januar bei 2695 Mitgliedern. Monetär gesehen entspreche dies 56.822 Euro an Beiträgen, rechnete Schatzmeister Dr. Karl-Heinz Paffen vor. Fast dreimal so hoch aber lagen die Spenden: 156.000 Euro – „das drittbeste Ergebnis aller Zeiten“. Der größte Einnahmeposten war schließlich die Zuwendung aus der Lotterie „Spiel 77“ mit 190.000 Euro.

Vornehmstes Ziel ist es, den Erhalt des Doms finanziell zu unterstützen. 463.000 Euro überwies der Verein 2015 dem Domkapitel. Dass die Summe besonders hoch ausfiel, ist der aufwendigen Dachsanierung auf dem sechzehneckigen Umgang des Oktogons geschuldet. Dombaumeister Helmut Maintz erläuterte die Arbeiten. Das erst 55 Jahre alte Dach wird vollständig ersetzt und gibt dabei den Blick frei auf das karolingische Gewölbe. Man sieht die Erdbebenrisse aus dem Jahre 803. Und original erhaltene Entlüftungslöcher: Sie waren 1960 zugestopft worden, weil die aus dem Dom aufsteigende warm-feuchte Luft maßgeblich den Dachstuhl hatte verfaulen lassen. Nun sind sie wieder in Funktion, aber die Abluft zieht jetzt durch Rohre nach draußen. Das neue Dach trägt sogar dem Klimawandel Rechnung, denn der zunehmende Wind kann eine enorme Sogwirkung entfalten und das Blech anheben. Es wird besonders gesichert. Bis Ende Mai soll alles fertig sein.

Wurde 2015 die Hubertuskapelle gereinigt, stehen in diesem Jahr Reparaturen an der Chorhalle an, wo die Befahrung mittels Hubwagen offene Fugen und, wie schon an der Hubertuskapelle, Moosbefall offenbarten. Es sei ausgerechnet die zunehmend bessere Luft, die das Moos wachsen lasse, sagte Maintz. Die Versammlung nutzen auch die Kinderdomführer, um ihr Tun zu präsentieren – 17 Jungen und Mädchen, die anderen Kindern den Dom erklären. 197 Führungen habe die kleine Schar in den zwei Jahren ihres Bestehens absolviert, lobte Organisator Kurt Schünemann.

Der Aachener Karls- und Dombauverein hat seinen Mitgliedern freilich noch mehr zu bieten. Die „vertikalen Domführungen“ geben Einblick in Winkel, die Normalsterbliche nicht zu sehen bekommen. Es gibt die „Nacht zur Musik“, Erkundungen „Dom im Detail“ oder Spezialvorträge wie der des Chefrestaurators von Pisa. Exklusiv ist auch die Schriftenreihe des Vereins. Die Nummer 18 beleuchtet die Franzosenzeit von 1794 bis 1815. Man kann nachlesen, wie weiland die antiken Säulen aus dem Oktogon geraubt wurden, wie erste archäologische Grabungen begannen, wie Markus Antonius Berdolet als erster Bischof von Aachen gefeiert wurde und welche liturgischen Geschenke das Stift damals in vermeintlich kirchenfeindlicher Zeit bekam.

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