Aachen - Karlspreis-Europa-Forum: „In einer anderen Sprache reden“

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Karlspreis-Europa-Forum: „In einer anderen Sprache reden“

Von: Christina Merkelbach
Letzte Aktualisierung:
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Diskussionsrunde während des Karlspreis-Europa-Forums: Im Ballsaal des Alten Kurhauses stellten junge Europäer aus allen 28 Mitgliedsstaaten ihre Fragen. Foto: Andreas Herrmann
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Auch der diesjährige Karlspreisträger Herman Van Rompuy (rechts) nahm an der Runde teil. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Zufrieden mit Jean-Claude Trichets Antwort ist Elina Makri nicht, daraus macht sie keinen Hehl. Welche Fehler ihr krisengeplagtes Heimatland Griechenland hätte vermeiden müssen, hat die Gewinnerin des Jugendkarlspreises 2012 den Karlspreisträger 2011 gefragt.

Das könne er nicht so allgemein beantworten, sagt der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank am Mittwoch in der Gesprächsrunde im Rahmen des Karlspreis-Europa-Forums. Das unverantwortliche Verhalten der Regierung habe dazu beigetragen, aber auch Defizite in der Architektur der Europäischen Union, sagt Trichet. Dann wird die Antwort komplizierter: Begriffe aus den Wirtschaftswissenschaften fallen, Zahlen werden genannt.

Elina Makri runzelt die Stirn. Am Vormittag hat sie viele Notizen gemacht. Vier Vorträge zum Thema „Herausforderung Stabilitätsunion: Konsolidierung und Wachstum als Grundlage für mehr Beschäftigung“ gab es. Notiert hat die 32-jährige Journalistin aus Athen Worte wie „Berechnung, Wettbewerb, Konflikt, Konsolidierung und Strukturreform“.

Jetzt sagt sie: „Wenn wir über Europa reden, müssen wir das in einer anderen Sprache tun. Wir müssen den Menschen die Emotionen und die Begeisterung zurückgeben, damit sie sehen, dass das europäische Projekt funktioniert.“ Der 71-jährige Trichet gibt ihr Recht, kann aber nicht verhehlen, dass Jahrzehnte auf dem Brüsseler Parkett eine gewisse Art zu sprechen mit sich bringen. Dann lobt er die erstaunliche Widerstandskraft des Euro.

In die gleiche Richtung wie die Gedanken von Elina Makri gehen auch die des Schriftstellers und Jugendkarlspreisträgers 2010, John Holten. „Hat in Europa nur die Wirtschaft das Sagen? Oder gibt es auch Raum für geisteswissenschaftliche Ansätze?“, möchte der 30-Jährige aus Nordirland von György Konrád wissen. Der Karlspreisträger 2001 lässt keinen Zweifel daran, dass er als Schriftsteller und Soziologe die erste Frage verneint und die zweite bejaht.

Für den Holocaust-Überlebenden, Jahrgang 1933, ist der Frieden zentraler Verdienst der Europäischen Union. „Er ist die Grundlage für alles andere.“ Aus dem Publikum wird György Konrád gefragt, was man seiner Meinung nach gegen den um sich greifenden Europaskeptizismus tun solle. „Wahre Geschichten erzählen. Und Romane lesen“, sagt der Ungar. Auch Trichet appelliert an junge Europäer, den Frieden nicht für selbstverständlich zu nehmen.

Luis Alvarado Martinez, Jugendkarlspreisträger 2013, ist mit 24 Jahren der Jüngste in der Runde. Den Spanier treibt vor allem die Frage nach der hohen Jugendarbeitslosigkeit in vielen europäischen Ländern um. In seinem Heimatland Spanien liegt sie derzeit bei 55 Prozent. Jean-Claude Trichet sieht bei diesem Thema die einzelnen Nationalstaaten in der Verantwortung. „Man kann Frieden als Vermeiden von Krieg definieren. Aber es gibt auch andere Dinge, die Frieden bedrohen können und dazu gehört sicherlich diese Massenarbeitslosigkeit“, sagt er.

Im hinteren Teil des Ballsaals im Alten Kurhaus, wo das Karlspreis-Europa-Forum stattfindet, sitzen junge Europäer aus allen 28 Mitgliedsstaaten, die zum Karlspreis angereist sind. Sie haben viele Fragen. Aber die Zeit drängt. Anna aus Spanien möchte noch etwas zu den Europaskeptikern sagen, die nach dem  Wahlergebnis vom vergangenen Sonntag ins Europaparlament einziehen.

Mitten im Satz muss sie vom Mikrofon zurücktreten. Herman Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates und Karlspreisträger 2014, hat den Raum betreten und wird mit stehendem Applaus vom Publikum begrüßt.

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