Karlsfreie Zone kann es in Aachen einfach nicht geben

Von: Carolin Kruff
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Spannende Gespräche beim Talk im Grenzlandtheater: Mit dabei waren neben den Moderatoren Bernd Büttgens (r,), stellvertretender AZ-Chefredakteur, und Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt (2.v.r.) von links Bernd Weiss, Heiko Wätjen und Yann Le Roux (Lagerfeuer-Trio), Historiker Dr. Frank Pohle und Noch-Polizeipräsident Klaus Oelze. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eigentlich wollte Grenzlandtheater-Intendant Uwe Brandt in diesem Jahr aus seinem Theater eine karlsfreie Zone machen. Eigentlich. Denn beim neuesten Theatertalk machte er eine klitzekleine Ausnahme, als Bernd Büttgens, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, als Mitmoderator eine der roten Karlsfiguren des Künstlers Ottmar Hörl spontan aus dem Backstage-Bereich auf die Bühne holte.

Nett anzuschauen war er ja, zu sagen hatte er aber nichts, im Gegensatz zu den geladenen Talkgästen, die jede Menge Geschichten und Anekdötchen im Gepäck hatten.

Exklusive Einblicke gewährte Dr. Frank Pohle, Kurator der Ausstellung „Orte der Macht“, die als Hauptausstellung von insgesamt drei Ausstellungen zum Karlsjahr im Krönungssaal des Rathauses stattfinden wird. Am 20. Juni geht’s los, der ausgewiesene Karls-Experte Pohle rotiert schon jetzt bei einer Sieben-Tage-Woche: ob inhaltliche Konzeption, der Ausstellungskatalog oder die Beschilderung der Exponate – in wenigen Wochen muss alles fertig sein. „Die Karlspreis-Verleihung müssen wir noch abwarten, einen Tag später beginnen wir mit dem Aufbau“, so Pohle. Dazu wird der Krönungssaal verdunkelt, ein „besonderer“ Karlsschrein und ein Faltthron aufgebaut und die Vitrinen mit unzähligen Exponaten bestückt.

Für Kinder gibt es einen speziellen Audio-Guide. „Die Ausstellungs-Trias ist eine der bedeutendsten Karlsausstellungen aller Zeiten. So viele verschiedene Exponate an einem Ort – das wird es wahrscheinlich nicht noch einmal geben“, schwärmt Pohle. Ob ihm als Historiker der Rummel um Kaiser Karl manchmal zu viel wird? „Nein, Kaiser Karl ist ein Mythos. Er hat Aachen groß gemacht“, kontert Pohle. Und bei alledem hat das Karlsfieber auch nette Nebeneffekte: „Die Karls-Schokolade ist nicht schlecht“, bekennt Pohle.

Ein weiterer Ort der Macht, so könnte man sagen, ist das Polizeipräsidium Aachen. Und dort findet aktuell ein Machtwechsel statt. Polizeipräsident Klaus Oelze räumt nach elf Jahren den Chefsessel. Grund genug, ihn beim Theatertalk Bilanz ziehen zu lassen. Eines verrät er von Anfang an: Probleme hat er mit dem anstehenden Ruhestand nicht. „Ich freue mich vor allem darauf, morgens etwas langsamer zu machen, denn ich bin von Grund auf ein fauler Mensch.“

Nach Stationen in Düsseldorf und Oberhausen bleiben ihm viele schöne Erinnerungen an die Aachener Zeit – und natürlich auch weniger schöne, wie die Querelen um Knöllchen am Lousberg. Wilde Verfolgungsjagden und Schießereien gehörten jedoch nicht zu seinem Aufgabenspektrum. „Ich hatte eher eine Managementfunktion. Und Szenen aus dem Tatort bilden in den seltensten Fällen realistische Polizeiarbeit ab“, stellt er richtig. Nicht immer fiel es dem Volljuristen, der sich selbst als impulsiv beschreibt, leicht, die Ruhe zu bewahren. Oft genug musste er eine Faust in der Tasche machen, gerade wenn es um Rechtsradikalismus und Respektlosigkeit gegenüber Kollegen ging.

Überhaupt lagen ihm seine Mitarbeiter stets am Herzen, auch die Zusammenarbeit mit den niederländischen und belgischen Kollegen. So ist auch das Maleur zu verstehen, das ihm jüngst passiert ist. „An der Ecke Krefelderstraße – Prager Ring bin ich erst mal einem voll reingerauscht. So aufgewühlt war ich“, schmunzelt Oelze, der jeden Tag von Neuss zur Arbeit nach Aachen gefahren ist. Und dennoch: „Meine Zeit in Aachen ist nicht nur der Endpunkt, sondern auch der absolute Höhepunkt meiner Karriere. Aachen war ein Sechser im Lotto.“

Neben Ameröllche gab es beim Theatertalk in Wohnzimmer-Atmosphäre Live-Musik von der Aachener Band „Lagerfeuer-Trio“. Bei ihrer Gute-Laune-Musik blieb keiner auf den voll besetzten Zuschauerrängen still sitzen. Und auch die Musiker Bernd Weiss, Heiko Wätjen und Yann Le Roux erzählten mit ihren selbstkomponierten und -geschriebenen Songs von ihrer ersten CD Geschichten mitten aus dem Leben – witzig, nachdenklich, charmant und vor allem ehrlich!

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