Karlsfest: 5151 Bürger stürmen das Rathaus

Von: Hanna Sturm
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Beflügelt von der Historie: Vor dem Rathaus bestaunten Besucher das mittelalterliche Treiben. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Einmal kurz wichtig und hochoffiziell in die Kamera geschaut, dann ist das Beweisfoto geschossen. Nicht wenige Besucher des Rathauses nahmen die Gelegenheit war, einmal im Stuhl von Oberbürgermeister Marcel Philipp im Ratssaal Platz zu nehmen.

Zum Karlsfest hatte das Rathaus am Sonntag wieder seine Türen geöffnet, Mitglieder der Stadtwache „Öcher Dumjroefe” begrüßten in ihren gelb-blauen Uniformen genau 5151 Neugierige - wie OB-Referent Alexander Lohe am Abend mitteilte. Auch die kostenlosen Führungen in ansonsten nicht für Otto-Normalbürger zugängliche Räume waren sehr gut besucht. Wann sonst ergibt sich schließlich die Gelegenheit, einmal den OB-Schreibtisch zu betrachten und die Aussicht aus seinem Fenster über den Katschhof auf den Dom zu bewundern?

Buntes Treiben: Das Mittelalter kehrt zurück

Aber auch draußen auf dem Markt herrschte buntes Treiben. Knapp 1200 Jahre nach dem auf den 28. Januar datierten Todestag Karls des Großen ist mitten im historischen Herzen der Stadt erneut das Mittelalter ausgebrochen. Die Ritter vom „Eynevolk” lieferten sich mit klingenden Schwertern und rasselnden Kettenhemden Schaukämpfe vor der Rathaustreppe. Neugierig bestaunten vor allem die jungen Besucher die kunstvoll gestalteten Schilder, mannshohe Lanzen und massive Brustpanzer. Ein Blickfang waren mit ihren langen schwarzen Bärten und Zöpfen auch die imposanten Hunnenfrauen und -männer von der ersten Öcher Hunnenhorde. Ihre Kostüme aus Tierfellen waren zumindest bei dem sonnigen, aber eiskalten Wetter ein großer Vorteil. Allen in nicht-frühzeitlicher Kleidung blieb nur das Wärmen von Innen, etwa mit einem heißen Eintopf und einer Karlswurst, die auch in diesem Jahr wieder den kulinarischen Mittelpunkt des Festes bildete. Das regionale Produkt haben die Aachener Metzger vor neuen Jahren zum ersten Karlsfest kreiert. „Das Besondere daran sind die Kräuter und Gemüsesorten, die alle aus Karls Kräutergarten stammen”, sagte Wolfgang Flachs, der Obermeister der Fleischerinnung. In seiner 70. Reichsverordnung aus dem Jahr 812 habe Kaiser Karl eine Liste mit Pflanzen festgelegt, die in allen Pfalzen angebaut werden sollten. Die darin aufgeführten Gemüsesorten und Kräuter werden noch heute in der Nähe des Gut Melaten angebaut. Für die Karlswurst verwendeten die Aachener Fleischer die dort gewachsenen Möhren, Sellerie, Porree und verschiedene Gewürzkräuter, verriet Flachs. „Aber jeder Kollege hat sein eigenes Rezept.” Besonders mit deftigen Eintöpfen sei sie eine Delikatesse.

Der Erlös aus dem Verkauf der kaiserlichen Wurst auf dem Karlsfest spendet die Fleischerinnung an den Rathausverein. „Wir freuen uns auch, dass wir mit unserem Handwerk einen Anteil für die Renovierung und Erhaltung unseres Rathauses leisten können”, sagte der Obermeister.
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