Karls Pfalz wird ganz neu ins Licht gerückt

Von: Matthias Hinrichs
Letzte Aktualisierung:
Nach den Baggern kommen die Ho
Nach den Baggern kommen die Hochbau-Planer: Die Arbeiten zur Errichtung der neuen Freitrappe an der Rückfassade des Rathauses gehen jetzt in die heiße Phase. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Lange wurde gehadert, auch heftig gestritten, immer wieder an den Details gefeilt. Jetzt geht die - womöglich in doppelter Hinsicht als historisch zu bezeichnende - Umgestaltung des alten Pfalzbezirks zwischen Dom und Rathaus, besser bekannt als Katschhof, in die heiße Phase.

Am Montag haben die Vorarbeiten zum Start des ersten Bauabschnitts im Rahmen des 3,5-Millionen-Euro-Projekts begonnen. „Wir gehen davon aus, dass die geplante Freitreppe an der Rückfront des Rathauses bereits zur Eröffnung des Weihnachtsmarkts benutzbar sein wird”, erklärt Stefanie Weitenberg, zuständige Projektleiterin im städtischen Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen.

Allerdings beschränken sich die Pläne bereits in der ersten Etappe keineswegs nur auf die heiß diskutierte Umgestaltung des Bereichs zwischen Standesamt und Centre Charlemagne, das ebenfalls im Laufe der kommenden zwei Jahre fertiggestellt sein soll. „Das gesamte Areal des Weltkulturerbes Kaiserpfalz soll erheblich aufgewertet und auch für Behinderte besser zugänglich gemacht werden”, sagt Weitenberg.

13 Stufen hoch, 44 Meter breit

Sobald die Stawag - und natürlich die städtischen Archäologen - den historischen Untergrund kanaltechnisch saniert beziehungsweise gründlich studiert haben, geht es aber im Wortsinne schrittweise voran. Die rund 44 Meter breite, über 13 Stufen flach ansteigende Treppe wird aus hochwertigem Blaustein gebaut. An beiden Seiten werden schlichte Plattformlifte aus Edelstahl installiert, die bei Bedarf heruntergeklappt werden können.

Gehbehinderte können die Anlagen über einen sogenannten Euroschlüssel aktivieren, um Vandalismus von vorn herein auszuschließen. Am Fuß des Aufgangs wird ein etwa sechs Meter breites Pflaster aus historischer Grauwacke angelegt. Die edlen Steine, die in den vergangenen Jahren nach zahlreichen Fahrbahnsanierungen im Bauhof eingelagert wurden, gelten als besonders fußgängerfreundlich, weil sie sehr gleichmäßig gearbeitet und neu beschnitten worden sind.

Karls Kräutergärtlein bleibt

„In intensiver Abstimmung mit der Kommission Barrierefreies Bauen haben wir zudem sogenannte taktile Leitlinien für Sehbehinderte vorgesehen”, erläutert Stefanie Weitenberg.

Auch Kaiser Karls berühmtes Kräutergärtlein bleibt im neuen Konzept in leicht abgewandelter Optik, aber im Prinzip an gleicher Stelle neben dem Aufgang zwischen Centre Charlemagne und Markt erhalten. Dort werden durch den Freundeskreis Botanischer Garten 16 Beete auf jeweils rund 2,4 Quadratmetern mit einer Umrandung aus Aluminium angelegt. Beratungsbedarf besteht derweil noch im Hinblick auf den genauen Standort für die Gedenkplatte zu Ehren der „Trümmerfrauen”.

Mit dem neuen Ausblick auf den Dom versprechen die Planer zudem das Ende eines langjährigen Provisoriums Richtung Münsterplatz: Die asphaltierte Rampe am „Boxemönster” weicht einem gepflasterten Zugang mit geringerer Steigung (acht statt vordem zwölf Prozent). „Wie am Münsterplatz bereits geschehen, wollen wir dort die Grundrisse von nur noch in Fundamenten erhaltenen Bauteilen des Münsters abbilden”, erläutert Weitenberg: Der karolingische ehemalige Nordannex wird in Gestalt von Basaltlavaplatten im Pflaster verewigt.

Um den neu gestalteten Pfalzbereich ins rechte Licht zu setzen, werden jeweils fünf schlichte, fünf Meter hohe Säulenleuchten an den Längsseiten des Katschhofs platziert. Die Aachener und ihre Gäste sollen die „neue” Kaiserpfalz schließlich nicht zuletzt von neuen Holzbänken aus auf sich wirken lassen können.

3,5 Millionen Gesamtkosten für die Neugestaltung bis hin zum Klosterplatz

Die Investititonskosten für das Gesamtpaket der Katschhof-Umgestaltung umfassen laut Stadt 3,5 Millionen Euro. Zwei Drittel der Mittel werden über das Konjunkturprogramm I der Bundesregierung akquiriert, ein Drittel muss die Stadt aufbringen. Der erste Bauabschnitt, der im Wesentlichen bis Ende November abgeschlossen werden soll, schlägt mit 850 000 Euro zu Buche; darin sollen etwaige Mehrkosten aufgrund weiterer archäologischer Funde bereits enthalten sein.

Im zweiten Bauabschnitt soll der niveaugleiche Ausbau der Bereiche zwischen Dom-Information, dem neuen Bürgerservice an der Ecke Klosterplatz/Ritter-Chorus-Straße und die Einrichtung von sechs Behindertenparkplätzen auf dem Klosterplatz realisiert werden. Ferner wird im Centre Charlemagne eine behindertengerechte Toilette eingerichtet, die rund um die Uhr von der Ritter-Chorus-Straße aus erreichbar ist.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert