Karl Schultheis in Abwesenheit wieder zum Chef gewählt

Von: Wolfgang Schumacher
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Ulla Schmidt (Mitte) kandidierte nicht mehr als 2. Vorsitzende, die Bundestagskandidatur ließ sie aber offen. In den Vorstand Gewählt wurden(v.l.) Benjamin Fadavian, Ye-One Rhie, Daniela Jansen, Ulla Schmidt, Mathias Dopatka, Hans Keller und Björn Jansen. Foto. Andreas Herrmann

Aachen. Tiefe Trauer lag über dem Unterbezirksparteitag des Aachener SPD am Samstag im Eurogress. In der Nacht war Anne Neumann, die Ehefrau des Vorsitzenden Karl Schultheis, nach langer Krankheit gestorben.

Die Gedanken im Plenum des Wahlparteitags, bei dem der Schultheis selbstverständlich nicht anwesend war, galten der verstorbenen Sozialdemokratin, die sich in Fragen der Kulturpolitik, hier insbesondere im Bereich des Tanzes, über Jahre energisch engagiert hatte. Anne Neumann wurde nur 66 Jahre alt.

Es oblag der stellvertretenden Vorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Ulla Schmidt, nach der Eröffnung des Parteitages den 80 Delegierten die traurige Nachricht mitzuteilen. Sie versicherte ihrem Vorsitzenden ihr Mitgefühl und das der Genossen im Saal, gab an die im Plenum sitzende Schwester von Schultheis, Margret Roitzsch, die Trauerbekundungen weiter, „Karl, wir sind bei Dir“, sagte sie in die Betroffenheit des Saales hinein.

Doch auch die langjährige Stellvertreterin von Schultheis, die bereits seit Mitte der 1980er Jahre dem Aachener Unterbezirksvorstand angehörte, hatte in eigener Sache zu berichten. „Ich werde hier und heute nicht mehr für den Unterbezirks-Vorstand kandidieren“, eröffnete sie den Genossen. Das habe rein private Gründe, sie wolle sich mehr Zeit für ihre politische Arbeit im Bundestag verschaffen, und mehr als 30 Jahre an der Spitze der Aachener SPD seien genug, es müsse nun Platz für jüngere geben.

In der Tat läutet Ulla Schmidt eine Wachablösung an der Parteispitze ein. Das betraf allerdings nicht den Vorsitzenden Karl Schultheis. In Abwesenheit wählte ihn der Parteitag mit 71 Ja-Stimmen für weitere zwei Jahre an die Spitze der Aachener SPD, unter den 80 abgegebenen Kreuzchen waren nur vier Nein-Stimmen, ein in Abwesenheit sehr gutes Ergebnis für den Richtericher.

Berührende Rede

Geradezu rührend mutete die „Ersatz“-Rede von Ratsfrau Ye-One Rhie für Karl Schultheis in der Vorstellungsrunde der Kandidaten an. Rhie zeichnete ein warmes, persönliches Bild des Landtagsabgeordneten und Vorsitzenden Schultheis, für den sie selbst als Mitarbeiterin tätig gewesen war. Grundtenor: Jeder, und gerade die Jüngeren, könnten sich hundertprozentig auf die Solidarität des SPD-Chefs verlassen.

Statt Ulla Schmidt kandidierte die Landtagsabgeordnete Daniela Jansen nun als Stellvertreterin und konnte am Ende mit 74 Ja-Stimmen ein absolut vorzeigbares Ergebnis vorweisen. Schlechter schnitt Gewerkschaftssekretär Mathias Dopatka ab, der bei den Wahlen vor zwei Jahren als Gegenkandidat von Daniela Jansen diese in die zweite Vorstandsreihe gedrückt hatte. Dopatka bekam 60 Ja- bei 14 Nein-Stimmen, fünf Delegierte enthielten sich. Beide Kandidaten nahmen die Wahl an.

Bei ihrer Vorstellung hatte Jansen kampfesmutig die Landtagswahl 2017 ins Visier genommen, sie will erneut direkt in den Landtag einziehen, 2012 jagte sie dem CDU-Landesvorsitzenden Armin Laschet den Wahlkreis ab. Dopatka hob die kompetente Flüchtlingspolitik in Aachen hervor und versicherte, es werde einen heißen Landtagswahlkampf geben, „Daniela und Karl werden wieder in den Landtag einziehen“, sagte er.

Da drängt sich selbstredend die Frage nach der SPD-Kandidatur für die Bundestagswahl im Herbst 2017 auf. Darauf angesprochen, wollte Ulla Schmidt die Katze, ob sie nun wieder antritt, noch nicht aus dem Sack lassen. Das entscheide sich kurz vor dem 28. Oktober, sagte sie. An dem Freitag tagt die entscheidende Kreiswahlkonferenz der SPD.

Schmidts fortbestehendes Zögern gilt Insidern eher als gutes Zeichen. Sie habe nicht Nein gesagt, der Zeiger, so der Eindruck vom Parteitag, schiebt sich eher in Richtung für eine weitere Kandidatur des bundespolitischen „Schwergewichts“ aus Aachen.

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