Karl Georg Büchners Schaffen als Stück ohne Atempause

Von: Antje Uhlenbrock
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Aachen. Auf der weißen Bühne leuchtet der projizierte Kopf des Geburtstagskindes. Um ihn herum tanzen 19 Gestalten wild stampfend. Sie singen: „Wie schön, dass du geboren bist“. Es ist dunkel, nur die Kerzen der „Geburtstagsgäste“ spenden Licht.

 Gefeiert wird Karl Georg Büchner – Vormärzautor, Naturwissenschaftler, revolutionärer Publizist.  Zu seinem 200. Ehrentag führt das „rohestheater“ das Stück „Karl Georg Büchner – Es war einmal...“ auf.

Es ist eine gelungene Eigenproduktion des jahrgangsübergreifenden Literaturkurses 11 bis 13 vom technischen Gymnasium der Mies-van-der-Rohe-Schule. Mit ihrem Lehrer Eckhard Debour haben sie eine Collage aus Büchners politischem, brieflichem, literarischem und wissenschaftlichem Werk gezeichnet. Darin flechten sie „Die Sterntaler“ der Gebrüder Grimm ein. Denn Büchner entwirft dazu in seinem offenen Drama „Woyzeck“ ein Antimärchen mit bösem Ende. „Büchner verurteilte das Märchen“, erklärt Gymnasiast Kilian Kean. Im Stück dient es als Kontrastmittel. Auf Aktualisierungen verzichten die Schüler. Sie kürzen die Texte zwar, wählen aber hauptsächlich Büchners Worte.

„Es war einfach großartig. Das habe ich nicht erwartet. Mir fehlen die Worte“, sagt eine Zuschauerin bei der Nachbesprechung. Ein anderer Zuschauer lobt: „Das Stück hat einen unglaublich intellektuellen Anspruch im philosophischen wie auch naturwissenschaftlichen Bereich.“ Ein halbes Jahr lang haben die Schüler jeden Freitag geübt. Außerdem gab es vier intensive Probenwochenenden. „Es ist eine Herausforderung, immer Spannung zu erzeugen und diese konzentriert zu halten – damit der Zuschauer gebannt bleibt“, erklärt Schüler Tobias Näthke. Das ist den Schauspielern absolut gelungen.

Einen Hauptdarsteller gibt es in dieser Aufführung nicht. Die Schauspieler tragen Einheitslook: Hose und Shirt in Naturfarben, dazu Hosenträger. Zum Teil verkörpern mehrere Schüler eine Person. Wie das Bühnenbild ist auch ihre Kleidung farblos. „Die Schlichtheit der Bühne steigert die Konzentration auf den Text“, erklärt Eckhard Debour. Und die braucht der Zuschauer. Das Stück ist größtenteils schnell und wild. Häufig agieren bis zu 19 Schauspieler gleichzeitig. In vielen Szenen sprechen sie im Chor. „Friede den Hütten, Krieg den Palästen“, rufen sie auf der in ein aggressives Rot getauchten Bühne – eine Parole aus der 1834 publizierten Flugschrift „Der Hessische Landbote“.

Die Literaturgruppe hat vor allem eines mit besonderer Bravour gemeistert: Sie erfüllen in ihrem Stück, was sie in ihrem Begleitheft über Büchners Schaffen erklären: „Ein dicht gefügtes, außerordentlich schöpferisches Leben, das von motorischer Unruhe bestimmt war und offenbar keine Muße kannte, sondern nur Atempausen zwischen Gewaltanstrengungen.“

Die Produktion ist erfolgreich – sie hatte am 19. März ihre Vorpremiere in Düsseldorf auf der Maskerade und ist nun eingeladen zur 62. Theaterwoche in Korbach. 

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