Aachen - „Karl der Große“: Jetzt kann der Geschichte-Test kommen

„Karl der Große“: Jetzt kann der Geschichte-Test kommen

Von: Daniel Gerhards
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Großer Andrang im Cineplex-Kino: Gestern gab es zwölf Vorstellungen des Films „Karl der Große“ – die meisten waren voll besetzt. Schulklassen vertieften dabei den Geschichtsunterricht. Foto: Michael Jaspers

Aachen. 90 Minuten Karl der Große. Im Schulunterricht kann eine Doppelstunde mit dem Geschichtsbuch schon mal langweilig sein. Am Dienstag wurde das historische Wissen über den Kaiser auf der großen Kinoleinwand im Aachener Cineplex vermittelt.

Dabei gab es wilde Szenen auf dem Schlachtfeld, Persönliches über den Herrscher, Karten, die das Ausmaß seines Reichs zeigen, und Einschätzungen von Historikern. Insgesamt kamen rund 900 Schüler zu den Vorstellungen am Vormittag. Der Film ging am Dienstag bis zum Abend zwölfmal über die Leinwand. Fast alle Vorstellungen waren voll.

Geschichtslehrerin Ilka Vock- rodt kam gleich mit zwei siebten Klassen von der Luise-Hensel-Realschule ins Kino. Denn der Film passte genau in den Lehrplan. „Wir haben Karl den Großen Anfang des Schuljahrs durchgenommen, deshalb passt das inhaltlich“, sagt Vockrodt. Der Film sei zwar „anspruchsvoll“ für die siebte Klasse, aber das Medium verschaffe den Schülern einen guten Zugang zum Thema. „Das ist etwas anderes, als ihnen ein Buch unter die Nase zu halten“, sagt sie.

Lokaler Bezug für das Kino

Für Schüler Nikola Mirkovic hat sich der Besuch jedenfalls gelohnt: „Ich weiß jetzt mehr über Kaiser Karl als vorher. Für einen Test über ihn wäre ich jetzt gut vorbereitet“, sagt der 13-Jährige aus der siebten Klasse der Luise-Hensel-Realschule.

Jan Dörge, Theaterleiter des Cineplex, ist froh, dass sich das Kino mit solchen Vorstellungen einen „lokalen Bezug“ erhalten könne. „Das ist ein Thema für Aachen. In Hamburg oder Berlin kommt keiner zu diesem Film. Aber in Aachen ist das eine große Nummer“, sagt er.

Die Szenen von wilden Schlachten und Plünderungen, vom gewieften Taktieren von Karls Mutter, vom Besuch Karls beim Papst, von seinen Gebeinen im Aachener Dom und vom Oktogon, das aus der Zeit Karls stammt, hat auch Professor Max Kerner gesehen. Der ausgewiesene Experte für Karl den Großen gehörte zu den geladenen Gästen, die den Film bereits am Montagabend – bei seiner Weltpremiere – sehen durften. Der Historiker findet, das Werk ist „empfehlenswert“, allerdings „mit eins im Sinn“, wie er sagt. Also: Ein guter Film, mit ein paar Abstrichen. Für Kerner kommt die Aachener Zeit Kaiser Karls schlicht zu kurz. „Der Film ist sehr anregend. Er wird das Bild Karls des Großen prägen. Und Karl hat jetzt ein Gesicht“, sagt Kerner. Aber: „Der Film läuft um das Jahr 800 aus, da fehlen 14 Jahre. In Aachen hat er das geistige Leben auf den Weg gebracht. Das hätte man breiter darstellen können.“ Im Film steht eher der Kriegsherr Karl im Fokus.

Kerner diskutierte am Montag unter anderem mit dem Hauptdarsteller Alexander Wüst und dem Produzenten Bernd Wilting über den Film. Er fordert, Teile des Films für den Schulunterricht zu nutzen. Dann könne man beispielsweise Karls Rolle im Krieg gegen die Sachsen kritisch hinterfragen. Im Film wird dargestellt, dass Karl 4500 Sachsen köpfen ließ – das „Blutgericht von Verden“ war Höhepunkt seines 30-jährigen Kriegs, in dem er die Sachsen zum Christentum bekehren wollte. Diese Zahl ist möglicherweise übertrieben. Und auch Kerner findet, dass der Film ihn als „Sachsenschlächter“ – „wie ihn die Nazis nannten“ – stehenlässt. An dieser Stelle könnten Geschichtslehrer ansetzen.

Einhard führt durch den Film

Sehr gelungen findet Kerner, dass Einhard – gespielt von Peter Matic –, beim Verfassen der Lebensgeschichte Kaiser Karls, durch den Film führt. „Das hilft dem Zuschauer, bei ihm fühlt man sich aufgehoben“, sagt Kerner. Ebenso positiv sei die Mischung aus Spielfilm-Teilen und Einordnungen von Historikern. Kerner wurde übrigens auch interviewt, im Film – zumindest in der 90-minütigen Fassung – taucht er aber nicht auf. Auch Kerner fiel raus, wie vieles aus Karls Aachener Zeit. Kerner: „Da singe ich ein Klagelied mit allen Aachenern.“

Auch wenn der Film Aachen ein wenig links liegenlässt, können die Öcher ihn doch als erste sehen – selbst diejenigen, die es nicht ins Kino schafften. Noch bevor er ab Samstag, 20. April, als Dreiteiler auf dem Sender Arte zu sehen ist, gibt es exklusiv im Aachener Buchhandel ab Mittwoch die DVD mit dem 90-minütigen Film und 40 Minuten Extras.

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