Kappesball: Leichtes Spiel mit der Grenze des Erlaubten

Von: Rauke Xenia Bornefeld
Letzte Aktualisierung:
14044146.jpg
Böse, satirisch und doch lustig: Wie das Duo Diagonal aus Bochum sorgten das gesamte Ensemble für eine besondere Stimmung im Saalbau Kappertz. Foto: Andreas Herrmann
14044145.jpg
Böse, satirisch und doch lustig: Wie das Duo Diagonal aus Bochum sorgten das gesamte Ensemble für eine besondere Stimmung im Saalbau Kappertz. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Böse, politisch, albern, manchmal fast poetisch – wenn sich der überdimensionale Kappes auf der Bühne in der Kappertz-Hölle (Saalbau Rothe Erde) öffnet und die „The Four Shops“ mit funkig-rockigem Sound den Saal zum Toben bringen, bricht für so manchen alternativen Jeck die beste Zeit der Session an: Kappesball.

Am Freitagabend ging’s los. Auftakt für vier dreistündige Sitzungen gespickt mit einem liebvoll-kritischen Blick auf die Heimat und einem ironisch-kritischen Blick auf die Welt. Die Mission: „Ein tief gespaltenes Publikum zu einen.“

Das Team ist mittlerweile bestens bekannt: „Öcher Original“ und Mundart-Beauftragter Kurt Rademacher trug die Kappes-Kappe bei der Premiere der vierten Auflage. Michael Dannhauer und Thorsten Neumann von „Hoppla – das Duo“ sind ebenso gesetzt wie Necip Tokoglu, in diesem Jahr nicht nur als Ordnungsamtsmitarbeiter Hans Hase, sondern auch als Donald Trump. Des Satirikers aktuell liebstes Kind durfte natürlich nicht fehlen.

Nach zweimaliger Abstinenz war auch das „Wallstreet Theatre“ mit Christian Klömpken und Andreas Wiegels als Schultze und Schröder wieder Gast in der Kappertz-Hölle. Und das „Duo Diagonal“, zeigt, dass auch Importe in den Öcher Karneval passen – zumindest wenn sie aus der wenig rheinischen Ruhrpottmetrople Bochum kommen, sich aber Aachen schon als Exil ausgesucht haben, sollte die AFD ihre Heimat Bochum gänzlich okkupieren. Dass der „lange Meikel“, Kappesball-Erfinder Michael Freialdenhoven, fehlte, kaschierte das Ensemble gekonnt.

Tokoglus politische Spitzen kamen in der Vergangenheit nicht immer beim Kappesball-Publikum an. Dieses Mal war auch für ihn SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz der Messias oder zumindest ein gefundenes Fressen. Unter Johlen versprach er: „Wenn Schulz Kanzler wird, bringe ich Seehofer die härtesten Printen in die CSU-Parteizentrale nach München.“

Kurt Rademachers zugleich heimatverliebte und selbstironische Auslassungen über den Öcher Ausdruck „Hou“ ließ das Publikum – alteingesessen oder zugereist – hingegen schwelgen. „Hoppla – Das Duo“ nahm wie eh und je gekonnt das alltägliche Aachener Geschehen von Baustellenwahnsinn und Sessionstreiben („Wir sitzen gekonnt auf Rohrkrepierern“) aufs Korn. Dieses Mal nahmen Danhauser und Neumann außerdem höchst amüsant den Kampf um die schnellste Nachricht in Brennpunkt-Manier ins Visier: „Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen zu spekulieren, aber…“

Hätte das „Wallstreet Theatre“ seine Mülltütenball-Jonglage im Circus Roncalli aufgeführt, hätte jeder von Poesie gesprochen. So war es – ebenso wie alle anderen Einsätze des Körperkunst-Comedy-Teams einfach herrlich lustig. Das gilt auch für das „Duo Diagonal“, auch wenn „Roger“ (Holger Ehrich) nun nicht mehr mit Chantal, sondern mit Branka (weiterhin Deana Kozsey) tourt. Höhepunkt: die Tanzstunde mit Max Greger.

Das Ensemble kennt sich mittlerweile aber auch so gut, dass die Teams lustig durcheinander gemischt werden können. Und dann wurde es richtig gut. Vielleicht nicht unumstritten, aber klasse: Die „Hitparade der rechten Laune“, inszeniert vom ganzen Ensemble. Die Despoten von heute und morgen – Erdogan, Marie le Pen, Frauke Petry und Bernd „das Brot“ Höcke sowie natürlich Gert Wilders „aus unserer Westprovinz Holland“, wie Moderator Hitler mit Eva an seiner Seite ankündigte – trafen sich im Gesangswettstreit und schmetterten „Ich lass keinen rein“ oder „Always look an the white site of skin.“

Beim Abschluss mit „Klenkes in the Air“ ließ sich eindeutig feststellen: Mission erfüllt!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert