Kappertz‘ Kohl treibt die tollsten Blüten

Von: Julia Gröbbels
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Jecke Stilblüten aus eigenem Anbau: Die „Kappes“-Helden begeisterten das Publikum bei der Premiere der neuen Staffel im Saalbau Kappertz ein ums andere Mal mit satirischen Seitenhieben aufs wahre und wirkliche Öcher Leben. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit großer Spannung wurde ihm entgegengefiebert: Dem ersten „Kappesball“ im Saalbau Rothe Erde, der brennend heiß geliebten „Kappertzhölle“ an der Hüttenstraße. Neugierde und Erwartungen der Gäste waren groß, sollte das Spektakel doch an die Tradition des alternativen Karnevals andocken, den seit 22 Jahren die alternativen Karnevalisten der Strunxsitzung nachhaltig und mit großem Erfolg geprägt haben.

Das Aus für die „Strunxler“ im vergangenen Jahr sollte noch lange nicht das Ende des alternativen Karnevals sein. Auch auf den Flyern, die die insgesamt vier Veranstaltungen ankündigten, hieß es: „Alles wird...anders“. Und das war keineswegs zu viel versprochen.

Rock statt alte Weisen

Schon das Bühnenbild, auf dem ein riesiger Kappeskopp – im unjecken Sprachgebrauch auch Weißkohl genannt – prangte, war ein Hingucker. Der Kohl „spuckte“ einen närrischen Protagonisten nach dem anderen aus. Den furiosen Auftakt bildete die Band „Fourshops“, die mit ihrem so gar nicht karnevalesken „Groove“ den ganzen Saal zum Beben brachte. Nicht zuletzt bescherte der Auftritt des Schlagzeugers, der samt Instrument in einem umgebauten Einkaufswagen über die Bühne geschoben wurde, begeisterten Beifall.

Im Anschluss sorgten Meikel Freialdenhoven, Kurt Radermacher, Hoppla – das Duo, Lizusha Kostyuk, Necip Tokoglu sowie das Wall Street Theatre für eine gelungene Mischung aus Kabarett und Poesie. Natürlich bekam dabei nicht nur das traditionelle Jeckentum sein Fett weg. Ob bekannte Kommunalpolitiker, die, nun ja, konventionellen Karnevalstraditionen, die Alemannia, das sogenannte Klubsterben oder die Integrationsdebatte: Kaum ein brisantes Thema blieb verschont, was „trotz Verzicht auf den Tusch“ für Begeisterungswellen und ausgiebige Lachanfälle sorgte.

So stürmte „Kappeskopp“ Meikel Freialdenhoven bei einem fiktiven Halbzeitinterview als nur mit obligatorischem Kohlblatt bekleideter „Flitzer“ auf die Bühne. Das Wall Street Theatre, alias Herr Schultze und Herr Schröder, begeisterte mit seiner „Schotten Performance“ und der Platzierung von „Leuchtfontänen“ an dafür nicht unbedingt vorgesehenen Körperstellen.

Aber nicht nur in mehr oder weniger akrobatischer Hinsicht bewiesen die Kabarettisten Mut. So stellte das „Hoppla“-Gespann im Kaiser-Karl-Kostüm das „Stadtmarketing“ anlässlich gar nicht so trauriger aktueller Trauerfeiern aus eigener satirischer Perspektive dar. Liedermacherin Lizusha Kostyuk, von der Ur-Moskauerin längst zum „Öcher Mäddche“ gereift, konfrontierte das Publikum ohne erhobenen Zeigefinger mit allerlei Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Muslimen und Russen, eine zwerchfellstrapazierende Lehrstunde in Sachen rollendes „R“ inklusive.

Viele Lacher erntete auch Michael Dannhauer vom Duo Hoppla als heillos betrunkener Karnevalspräsident, der sich immer wieder aufs Herrlichste verhaspelte. Mit unnachahmlicher Mimik, Gestik und natürlich dem „Öcher Jargon“ brachten Dannhauer und seine Kollegen das Publikum zum Jubilieren. Auch der Auftritt des Duos (!) als „4 Amigas“, in Anlehnung an die 4 Amigos, die auf keiner großen Karnevals-Veranstaltung fehlen dürfen, kam gut an.

Damit nicht genug: Im Anschluss an das rund zweieinhalb-stündige Programm konnten die fast ausnahmslos keck kostümierten Gäste zu Party-Klängen von „DJ Schorsch“ auf der Aftershowparty noch ungehemmt das Tanzbein schwingen.

So wurde auch damit dem Wunsch des Hausherrn und Mitorganisators Peter Kappertz, „anders als die Strunxsitzung“ zu sein, ziemlich souverän Rechnung getragen. Auch das durchweg positive Feedback des Publikums und die Nachfrage nach den vier angebotenen Terminen zeigt: Dieser Kappes könnte auch in den nächsten Jahren noch reichlich satirische Blüten treiben.

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