Kapazitätsgrenzen für Zuwanderer sind erreicht

Von: Christiane Chmel
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Aachen. Seit dem 1. Januar 2005 stellt das Bundesministerium des Inneren die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) in Deutschland zur Verfügung. Die Durchführung übernimmt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), welches die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrt und den Bund der Vertriebenen mit der Durchführung der Beratungstätigkeit beauftragt hat.

Auch in der Städteregion Aachen sind Caritasverband, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonisches Werk im Kirchenkreis Aachen und der Paritätische Träger von vier MBEs mit insgesamt 2,75 Stellenanteilen.

Da es jedoch mehr Fälle als Kapazitäten für eine Beratung gibt, haben Vertreter der Arbeitsplattform Integration und Migration in der Städteregion Aachen vor kurzem auf den wachsenden Bedarf aufmerksam gemacht. „Wir haben Gespräche mit den Politikern gesucht, um auf die Problematik hinzuweisen“, sagt Armin Carduck, Abteilungsleiter Jugend, Familie, Soziales und Integration des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis Aachen. „Zurzeit besteht ein Beratungsstopp bei Neuaufnahmen. Wir können keine weiteren Menschen zur langfristigen Beratung mehr aufnehmen.“

In der langfristigen Betreuung sollen die Migrationsberater 70 Fälle pro Vollzeitstelle übernehmen. In Aachen sind jedoch bereits 570 Menschen angemeldet, die der Hilfe der auf 2,75 Stellen verteilten Fachkräfte bedürfen. „Mit den steigenden Zahlen an zugewanderten Menschen und immer komplexer werdenden Unterstützungsbedürfnissen der Ratsuchenden steigen auch die Erwartungen an die Berater“, betont Merete Menze, Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes NRW und Sprecherin der Arbeitsplattform Migration in der Städteregion. „Die personellen Kapazitäten sind längst ausgeschöpft und viele Zuwanderer bleiben auf der Strecke.“

Seit 2005 bis heute sank die Bundesförderung für die Migrationsberatung von 27 auf 26,2 Millionen Euro, obwohl die Beratungszahlen ständig steigen. Dass die Förderung erhöht werden muss, befürworten nun auch Politiker. Die SPD setzte im Bundeshaushalt Verbesserungen bei der Integration und dem Asylverfahren durch. „Für 2015 werden im Bundeshaushalt acht Millionen Euro mehr für die Maßnahmen zur Migrationsberatung zur Verfügung stehen, die sich an erwachsene Zuwanderer richten“, erklärte SPD-Bundestagsabgeordneter Martin Gerster in einer Pressemitteilung Mitte November – und ergänzte: „Das ist ein wichtiges Signal für die vielen Menschen, die für eine erfolgreiche Integration auf diese Angebote vertrauen.“

Die Angebote der Migrationsberatungsstellen für erwachsene Zuwanderer umfassen unter anderem die Ermittlung des individuellen Unterstützungsbedarfs und die Entwicklung eines Förderplans für Zuwanderer. Hierzu können der Besuch von Sprachkursen, Maßnahmen zur beruflichen Weiterbildung oder Umschulung und auch psychologische Betreuung gehören.

Da der Beratungsstop zur langfristigen Fallübernahme zunächst weiter besteht, können sich Hilfesuchende in der offenen Sprechstunde für Migranten im Verwaltungsgebäude der Stadtverwaltung Aachen am Bahnhofplatz an der Hackländerstraße melden.

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