Kanaltechniker kontrollieren in Afghanistan den Untergrund

Von: Christoph Classen
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Aachen. Ihr Einsatzgebiet liegt im Untergrund Afghanistans. Den sollen Marc Hölters und Achim Königs im Auge behalten. Und falls dort etwas geschieht, was ihre Mission gefährden könnte, werden die beiden Alarm schlagen.

Marc Hölters und Achim Königs sind Facharbeiter für Kanaltechnik. Deswegen hat die Aachener Firma, für die sie arbeiten, den Auftrag bekommen. Im Nato-Stützpunkt bei Mazar-i-Sharif ist ein Gebäude abgesackt. Es liegt nun 20 Zentimeter tiefer, als es sollte.

Die Bundeswehr, die den Stützpunkt leitet, hat eine Spezialfirma beauftragt, die das Gebäude anheben soll. Die wiederum hat darauf bestanden, dass sie dabei mit den Aachener Spezialisten für Rohr- und Kanaltechnik zusammenarbeiten kann. „Das macht uns schon ein bisschen stolz”, sagt Seniorchef Herbert Wilden. Und er sagt auch: „Vor 15 Jahren wäre ich noch mit dabei gewesen.”

Stattdessen fliegen jetzt zwei seiner „Jungs”. So nennt Wilden die beiden Familienväter nämlich. Am Samstag geht es für Hölters und Königs zum Flughafen Köln/Bonn, von dort weiter nach Usbekistan. Für die Zwischenlandung sollten sich die beiden Kanaltechniker Schlafsäcke besorgen, die auch bei Temperaturen bis minus zwölf Grad warm halten.

Anschließend geht es weiter nach Mazar-i-Sharif. Dort sollen sie sich rein optisch vom sandigen Untergrund geringstmöglich unterscheiden. Deswegen mussten sie sich die khakifarbene Kleidung besorgen, darauf bestand die Bundeswehr. „Wir wollen keine Zielscheiben abgeben”, sagt Königs.

Die Gegend um Mazar-i-Sharif gilt für afghanische Verhältnisse als relativ sicher. Dennoch sind die Kanaltechniker dazu angehalten, das Camp auf keinen Fall zu verlassen. Angst habe er nicht, sagt Hölters: „Aber so langsam werde ich ein wenig kribbelig.” Die Nachrichten der letzten Tage trügen nicht zur Beruhigung bei, und Hölters ist sich darüber im Klaren, dass er die Gefahrenzulage nicht umsonst bekommt. „Aber die”, sagt er, „bräuchte ich bei meinem Chef hier eigentlich auch.” Dann lachen die Kanalspezialisten.

Wenn die beiden Techniker in Afghanistan ankommen, wird ihr Arbeitsgerät bereits da sein. Der Kleintransporter vollgestopft, mit Kameratechnik, Hochdruckspülung und Fräsen für hartes Material, wird vorab per Bundeswehrmaschine zum Einsatzort geflogen. Die Firma, die das Gebäude wieder anheben soll, verwendet dafür Spezialharz. Wenn der unter das Gebäude gespritzt wird, werden Königs und Hölters darauf achten, dass nichts in das Kanalsystem gelangt. Das Harz erhärtet in vier Sekunden, entsprechend schnell ist eine Leitung verstopft. Das gilt es zu vermeiden, damit die rund 5000 Menschen, die auf dem Stützpunkt stationiert sind, weiterhin Küche und Sanitäranlagen nutzen können.

Zwei bis drei Wochen wird der Einsatz voraussichtlich dauern. „Ich freue mich, wenn die beiden gesund wieder hier sind”, sagt Wilden. Ein weiterer Einsatz ist bereits fest terminiert. Im September wird es wieder los gehen. Im afghanischen Untergrund liegt noch einiges im Argen.
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