Kanal-TÜV: Stadt benachrichtigt Betroffene

Von: Oliver Schmetz
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Aachen. Vor ein paar Jahren trieb das Thema vielen Hausbesitzern in Aachen die Sorgenfalten auf die Stirn. Schließlich sah es so aus, als drohte allen von ihnen die teure Überprüfung der Abwasserleitungen auf ihren Grundstücken – und eventuell dann auch noch eine deutlich teurere Sanierung der Anlagen.

Nach langem Hin und Her auf Landesebene entschärfte sich die Gesetzeslage für die Betroffenen dann doch: Mittlerweile ist der Kanal-TÜV in vorgeschriebenen zeitlichen Fristen nur für Hausbesitzer in Wasserschutzzonen verpflichtend – und das sind laut Stadtverwaltung in Aachen, wo besagte Zonen in Verlautenheide und im Bereich Kornelimünster/Walheim eingerichtet sind, „nur“ rund 900 Eigentümer.

Für die ersten von ihnen tickt allerdings die Uhr: Ende des Jahres läuft die Prüffrist für all jene ab, deren Abwasserleitungen vor 1965 verlegt worden sind. Bei später installierten Leitungen in Wasserschutzgebieten muss die Prüfung bis Ende 2020 nachgewiesen werden. „In Wasserschutzzonen ist es besonders wichtig, dass Abwasserleitungen auch funktionieren“, begründet Eckard Larosch, Fachbereichsleiter der städtischen Bauverwaltung, die Prüffristen für diese Gebiete. „Sonst hat man schnell Fäkalien im Trinkwasser.“ Allerdings gilt auch für alle anderen Hausbesitzer generell die Verpflichtung, für regelmäßige Wartung und Instandhaltung ihrer Leitungen zu sorgen – bloß ohne spezielle Prüffristen. „Was wir als Stadt bei den Kanälen tun, erwarten wir auch von den Bürgern“, sagt Larosch.

Allerdings muss nun niemand in Aachen nachschauen, ob er in einem Wasserschutzgebiet wohnt und damit eine Prüffrist vor der Brust hat. Denn die Betroffenen wissen schon Bescheid. „Wir haben alle angeschrieben“, sagt Larosch. Das ist vor allem insofern von Belang, als dass die Stadt, die Verbraucherzentrale NRW und die Polizei gemeinsam wieder einmal vor „Kanalhaien“ warnen.

Gemeint sind damit unseriöse und mitunter auch betrügerische Firmen, die arglose Hauseigentümer oft an der Haustüre überrumpeln und ihnen unnötige Dichtheitsprüfungen aufschwatzen – denen meist noch völlig überteuerte Sanierungen folgen. „Mir sind Fälle bekannt, in denen Rechnungen von mehr als 20 000 Euro gestellt worden sind“, berichtet Fatma Öksüz, Projektleiterin Kanaldichtheit bei der Verbraucherzentrale NRW. Geködert werden die Kunden mit Schnäppchenpreisen von 59 Euro. Dabei kostet die Dichtheitsprüfung bei seriösen Firmen zwischen 300 und 500 Euro. Und die Leitungssanierung laut dem Aachener Sachverständigen für Rohr- und Kanaltechnik, Manfred Palm, in geschlossener Bauweise etwa 200 bis 300 Euro pro Meter. „Aber Kanalhaie nehmen oft das Dreifache“, sagt er.

Allerdings sind diese in Aachen zurzeit kaum aktiv, wie Verbraucherzentrale und Polizei auf Nachfrage einräumen. „Aktuell liegen uns keine Strafanzeigen vor“, sagt Elke Lankamp vom Kommissariat Vorbeugung. Das muss aber nicht unbedingt etwas heißen. Denn oft melden sich insbesondere ältere Betrugsopfer aus Scham nicht bei der Polizei. Wer an der Haustüre massiv zur Auftragserteilung gedrängt werde, solle sofort die 110 wählen, rät die Polizei deshalb. Zumal die anstehenden Fristen die Haie wieder anlocken könnten. „Die Gefahr wird jetzt wieder größer“, vermutet Larosch. Das Gute ist: In Aachen wissen die Betroffenen schon Bescheid.

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