Kampf mit der Hitze des Gefechts

Von: Hannah Sturm
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Vollgas feiern, aber im Stau: Mit dem Schlusspfiff drängten endlose Autokorsos - hupend und grölend - in die Innenstadt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Strahlender Sonnenschein, sommerliche Hitze, ein spannendes Spiel und das eine oder andere Bier gegen den Durst: Die besten Voraussetzungen für ein ausgelassenes Fußballfest sind auch gleichzeitig die schlechtesten für den Kreislauf der Feiernden.

In der Public-Viewing-Zone auf dem Markt machten die ersten Fans schon eine gute halbe Stunde vor Anpfiff des WM-Klassikers gegen England schlapp.

Insgesamt 35 Patienten mit hitzebedingten Kreislaufbeschwerden und Sonnenstich zählten die Einsatzkräfte des Malteser Hilfsdienstes während und unmittelbar nach dem Achtelfinale. Deutlich mehr als bei den vergangenen Spielen.

„Wir sind schon von vornherein sehr gut aufgestellt gewesen, haben aber zwischendurch noch zusätzliche Kräfte anfordern müssen, damit wir die Lage in den Griff bekommen” sagte Einsatzleiter Guido Müller. 30 Mitarbeiter der Malteser waren rund um die Public-Viewing-Zone auf dem Markt postiert, um schwächelnden oder verletzten Fans schnell zu helfen.

„Unser größtes Problem ist natürlich das Durchkommen durch die Masse. Hier am Markt ist es für uns noch ein Vorteil, dass wir von der Rathaustreppe einen guten Überblick haben und ich meine Leute von oben dirigieren kann”, so Guido Müller.

Den meisten Patienten konnten die Sanitäter schon vor Ort helfen. „Ein bisschen Ruhe im Schatten und zuckerhaltige Getränke haben in fast allen Fällen ausgereicht. Es waren zwar viele Einsätze, aber keine schlimmen.”

Auf der großen Bühne hatte das Programm schon zwei Stunden vor Spielbeginn begonnen. Alemannia-Torwart Thorsten Stuckmann stand Rede und Antwort, analysierte die deutschen Spieler und ihre Gegner. Showeinlagen wie etwa von der Tanzgruppe Slakers und ein DJ heizten die Stimmung weiter auf.

Auch Jürgen Klopp, der am Abend erneut mit Günther Jauch auf dem Markt für RTL moderierte, nahm schon vorab ein Bad in der Fan-Menge, ließ sich fotografieren und gab Autogramme. Die deutsche Mannschaft brachte danach die Fanmasse vollends in Wallung.

Wie ein Meer aus Schwarz-Rot-Gold hüpften, tanzten und sangen die 5000 Fans auf dem Markt ausgelassen, aber friedlich. Die bei deutschen Toren von entgeisterten Fans in die Menge geschleuderten Bierbecher waren dabei vielleicht sogar keine ganz unwillkommene Abkühlung.

Die letzten Sekunden des Spiels wurden von allen als Countdown heruntergezählt, dann folgten ausgelassene Jubelszenen. Überglückliche, aber schon ziemlich heiser schreiende Fans, mancher nackter Oberkörper schon gefährlich von der Sonne verbrannt, zogen vom Markt in das Kneipenviertel, wo dann vollends die Partystimmung ausbrach. Samba-Trommler sorgten in der unteren Pontstraße für eine spontane, brasilianisch anmutende Straßenfeier, während nur Minuten nach dem Spiel der obligatorische Autokorso den Verkehr in der Innenstadt zum Erliegen brachte.

Die Polizei verhinderte diesmal allerdings rigoros noch größeres Chaos durch Sitzblockaden auf der Fahrbahn und ging gezielt gegen rechtsgerichtete Fans vor. Hansemannplatz, Teile der Heinrichsallee und Peterstraße wurden gesperrt.

Am Templergraben wurde kurz nach dem Spiel ein Fan mit schwarz-weiß-roter Reichskriegsflagge von Einsatzkräften der Polizei festgehalten. Insgesamt gab es bis zum Abend 16 Platzverweise, acht „Fans” wurden in Gewahrsam genommen.

Auch nach dem Deutschland-Spiel ging die Fußball-Party auf dem Markt weiter. Wie bereits am Mittwoch sendete RTL live aus Aachen. Jauch und Klopp kommentierten das Achtelfinalspiel zwischen Mexiko und Argentinien.

„Wir sind hellauf begeistert, wie gut das hier angenommen wird”, freute sich Organisator und OB-Referent Detlef Malinkewitz. Das Public-Viewing-Event sei insgesamt ein großer Erfolg. Am Samstag, 16 Uhr, steht Argentinien auf dem Programm.
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