Aachen - Kammermusikfestival: Verträumte Kulisse, anrührende Werke

Kammermusikfestival: Verträumte Kulisse, anrührende Werke

Von: Rauke Xenia Bornefeld und Kristina Toussaint
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Traumhaft: Dank des spätsommerlichen Wetters wurde das Konzert am Samstag in den Hof der Burg Frankenberg verlegt. Foto: Andreas Steindl
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Knarrende Unterstützung: Unterm Dach spielten die Holzidielen beim fantastischen Streichquartett am Sonntag mit. Foto: Andreas Herrmann
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Romantik pur: Der Freitagabend stand ganz im Zeichen der Liebe von Clara und Robert Schumann. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Die künstlerische Leitung des ersten Aachener Kammermusikfestivals „heartmade in aachen“ auf der Burg Frankenberg hat gute Arbeit geleistet. Fünf Konzerte an vier Tagen – und für jeden war etwas dabei: sanfte Renaissance und festlicher Barock, romantischer Schumann, klingendes Märchen, emotionaler Tango Nuevo, leichtfüßiger Mozart.

Nach dem sehr gelungenen Auftakt am Donnerstag (wir berichteten) wurde es am Freitagabend romantisch: Clara und Robert Schumann konnten ihrer Liebe lange nur in Briefen und in der Musik Ausdruck verleihen. Beidem konnten die gänzlich ergriffenen Zuschauer bei – aus Sicherheitsgründen elektrischen – Kerzenschein unterm Burgdach nachspüren.

„Verzeih meine Eile, nicht so flüchtig ist meine Liebe“, schreibt Clara an Robert, gelesen von Philipp Manuel Rothkopf. Ebenfalls nicht flüchtig sind die Romanzen des Musiker-Paares, mit denen Blanca Gleisner (Oboe) und Julia Okruashvili (Klavier) das Publikum verzauberten. Das ganze Temperament der beiden Komponisten holten die Musiker aus Claras Trio g-moll op. 17 für Violine (Felix Giglberger), Violoncello (Daniel Geiss) und Klavier (Julia Okruashvili) sowie aus dem fulminanten Klavierquintett e-moll op. 44 von Robert Schumann (zusätzlich Nazli Giglberger an der Violine und Tom Morisson an der Viola) heraus.

Ebenso leidenschaftlich und doch ganz anders verlief der Samstagabend: Nicht heimelig unterm Dach, sondern auf dem Burghof unterm Sternenhimmel machten Jonathan Nuss, Saman Maroofi, Werner Kloubert, Carsten Luz (alle Posaune), Andreas Triefenbach (Percussion), Patricio Arroyo (Gesang), Blanca Gleisner (Oboe und Englischhorn), Felix Giglberger (Violine), Robert Weirauch (Klavier) und Vicente Bögeholz (Gitarre) den Kammermusikabend zu einer südamerikanischen Straßenparty. Untermalt von den klirrenden Eiswürfeln im Cocktailbecher zogen sie mit Samba, Bossa Nova, Tango und Tango Nuevo alle emotionalen Register von Liebe, Lebensfreude, Verrücktheit, Verzweiflung und Trauer.

Die Bilanz: „ein unglaublicher Erfolg“. Rund 700 Gäste besuchten an vier Festivaltagen die ausverkauften Veranstaltungen unter dem Dach und im Hof der Burg Frankenberg. Die Aufnahme von „heartmade in aachen“ ins jährliche Programm ist sicher. Mit exzellenten Musikern ein hochkarätiges Kammermusikfestival auf die Beine stellen, das Ganze im besonderen Ambiente der über 600 Jahre alten Burg – das war das Ziel der ideengebenden Musiker Blanca Gleisner, Saman Maroofi und Felix Giglberger vom Aachener Sinfonieorchester. Mit dem veranstaltenden Verein Frankenbu(e)rger e.V. und unterstützt durch Sponsoren wie die Musik- und Theaterfreunde Aachen scheint dieses Vorhaben geglückt zu sein.

„Ohne Worte“, sei sie, sagt Mirka Mörl von den Frankenbu(e)rgern. Ein großer Erfolg, „ein Fest für die Seele und das Herz“ sei das erste Kammermusikfestival gewesen. „heartmade“ hatten die Veranstalter sich ja auch auf die Fahne geschrieben: das Programm, von Dowland und Bach über Schumann bis Piazzolla, war von den verantwortlichen Musikern eigens erarbeitet worden. Und beim Publikum kam dieses exklusive Programm hervorragend an, sogar bei den Jüngsten: am Samstagnachmittag hatte ein zeitgenössisches Konzert zu den „Bremer Stadtmusikanten“ für Begeisterung gesorgt.

Hatte am Samstagabend noch eine „Fiesta Latina“ mit „Piazzolla, Tango y Pasión“ den spätsommerlichen Burghof bis tief in die Nacht bis zum letzten Platz gefüllt, ging es für die Abschlussmatinee noch einmal hinauf in den Turm. Unter dem Originalgebälk aus dem 13. Jahrhundert kam hier, in der wortwörtlichen „Kammer“ die „melancholische Heiterkeit“ Mozarts wunderbar zum Klingen. Eine Aufbruchstimmung, eine Mischung aus Zweifel und Dramatik, aber auch Zuversicht und Heiterkeit durchzogen die Auswahl der Werke für die „Mozartiana“. Mit dem Aachener Chapelle Quartett präsentierten Gleisner an der Oboe, Giglberger an der Violine und Klarinettist David Kindt drei Werke des Komponisten: Zunächst umschlossen in Mozarts einzigem Oboenquartett (KV 370) die energetischen, virtuosen Allegren das durch die Oboe wehmütig klingende Adagio. Die Dramatik des anschließend gespielten ersten Streichquartetts aus einer Reihe von Quartetten, die Mozart seinem Freund Haydn widmete, wurde im Finale unterstützt von den kurz mitknarrenden Holzdielen des alten Dachbodens. Quittiert wurde auch dieses Konzert von jubelndem Applaus und Bravo-Rufen aus dem Publikum.

Fortsetzung 2017 garantiert.

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