Kammermusik: Wer gibt den Ton an?

Von: Matthias Hinrichs
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Aachen. In aller Regel ist die politische Bühne weit offen, wenn die Ratsfraktionen städtische Wohltaten in Gestalt von Zuschüssen verteilen.

In diesem Fall allerdings wurde hinter verschlossener Tür diskutiert. Und am Ende wurden die von der Verwaltung in Aussicht gestellten Mittel für die Initiative „Accordate” drastisch abgeschmolzen.

Rot-Grün setzte gegen die Stimmen von CDU und FDP im nichtöffentlichen Teil der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung durch, dass der Verein, der sich vor allem als Veranstalter klassischer Konzerte einen Namen gemacht hat, lediglich 3000 statt der vom Kulturbetrieb veranschlagten 5000 Euro erhält.

Die SPD - auf deren Initiative der Antrag intern behandelt wurde - begründete dies unter anderem damit, dass nach wie vor um die Zukunft des Vereins „Quintessence” gerungen werde. Der engagiert sich bekanntlich ebenfalls für die Präsentation insbesondere kammermusikalischer Gastspiele.

Hintergrund: Bereits vor zwei Jahren hatte das Rechnungsprüfungsamt Rückforderungen über gezahlte Zuschüsse in fünfstelliger Höhe gegenüber „Quintessence” geltend gemacht. Die seien unrechtmäßig geflossen, da die Initiative nicht angegeben habe, dass sie auch aus anderen Töpfen erhebliche Fördermittel erhalten hatte. Vorwürfe wegen unkorrekter Abrechnungen riefen gar die Staatsanwaltschaft auf den Plan. Ein Verfahren gegen Mitglieder des Vereinsvorstands wurde gegen Zahlung von Bußgeldern eingestellt.

Weniger flott als die auch nicht stets pfeilschnelle Justiz bewegt sich indes die Verwaltung: Nach wie vor, erklärt Rechtsdirektorin Elke Lammers, sei die Stadt „im intensiven Gespräch” mit dem Verein, was die konkrete Höhe der Rückzahlungen anbelange. „Es handelt sich um eine sehr komplexe Materie.”

„Wir prüfen akribisch”

Inzwischen habe die Initiative nämlich belegen können, dass sie in manchen Fällen eben doch Anspruch auf Förderung gehabt hätte. „Wir prüfen das akribisch”, sagt Lammers.

„Quintessence”-Vorsitzender Anthony Reiss betont indes: „Das Finanzamt hat unsere Bücher intensiv geprüft. Es ist nicht zu den geringsten Beanstandungen gekommen! Natürlich gehen wir davon aus, dass wir auch künftig Anspruch auf Förderung haben.”

Hinter den Kulissen regt sich unterdessen heftige Kritik: Führende Sozialdemokraten - darunter OB-Kandidat Karl Schultheis - hielten „Quintessence” weiter die Stange, obwohl der Verein aus gegebenem Anlass keine Förderanträge mehr gestellt habe, mutmaßen Insider. Schultheis freilich weist dies zurück. Auch die Tatsache, dass er selbst Mitglied im Förderverein der Initiative sei, führe keineswegs zu Interessenkonflikten: „Ich bin Mitglied in rund 50 Organisationen und sehe da kein Problem.”

Als besagter Beschluss im Ausschuss gefasst worden sei, sei er nicht zugegen gewesen. „Es geht allein um die Frage, ob man sich zwei Vereine für den Bereich Kammermusik leisten kann.” Und auch der politische Gegner gibt sich ungewohnt zurückhaltend. „Die Klärung der Rückforderungen ist eben noch nicht ausgestanden”, sagt CDU-Rathsherr Hubert Bruynswyck. Allerdings sei seine Fraktion - ebenso wie die Liberalen - dem Vorschlag zur Zahlung von 5000 Euro an Accordate gefolgt. „Wir werden uns weiter dafür einsetzen, dass die Initiative einen Nachschlag erhält.”

Accordate-Geschäftsführerin Anna Kusen kommentiert die gebremste Unterstützung seitens Rot-Grün derweil zurückhaltend: „Natürlich sind wir enttäuscht, dass unserem Antrag nicht in Gänze entsprochen wurde. Aber Accordate wird weiterhin zeigen, dass es hervorragende Arbeit für die städtische Kultur leistet - nicht zuletzt bei der Förderung des musikalischen Nachwuchses.”
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