Kammer zeigt Premiere des Werks „Gaunerstück“

Von: Clara Lamm
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Halten im "Gaunerstück" einen Spiegel vor: Paul-Georg Dittrich (Inszenierung) und Pia Dederichs (Bühne und Kostüme). Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Eine verspiegelte Scheibe als elementarer Bestandteil des Bühnenbilds, ein junges Geschwisterpaar, das sein Schicksal selbst in die Hand nimmt, um der eigenen Lebensgeschichte Bedeutung zu verleihen und eine Aufführung im Stil eines Road Movies.

Viel mehr Details möchte Dramaturg Harald Wolff zur Premiere von „Gaunerstück“ nicht verraten, um den Zuschauern die Spannung nicht zu nehmen. Das neue Werk von Dea Loher wurde vor kurzem in Berlin uraufgeführt und feiert am Freitag in der Kammer des Aachener Theaters in der Inszenierung von Paul-Georg Dittrich Premiere.

Die Protagonisten Maria (Emilia Rosa de Fries) und Jesus Maria (Philipp Manuel Rothkopf) sind 20-jährige Zwillinge, deren Eltern nur mit dem Mädchen Maria rechneten. Der Ausruf des Vaters führte zum ungewöhnlichen Namen ihres Bruders. Nachdem der Vater die Familie verlassen hat und die Mutter gestorben ist, kundschaften die Geschwister ein Objekt der Geldbeschaffung aus. Die Wahl der schlecht verdienenden Hilfskräfte fällt auf das Juweliergeschäft von Herrn Wunder (Karsten Meyer). Der Raubversuch des Paars scheitert und es erhält ein unmoralisches Angebot des Juweliers, das es nicht ablehnen kann.

„Das Außenseiterpaar kämpft passend zur Dramaturgie eines Road Movies gegen den Rest der Welt“, sagt Dittrich, in dessen Inszenierung sich andeutet, dass die Liebe der perspektivlosen Zwillinge teils über die Geschwisterliebe hinausgeht. Den Charme des Stücks mache der hoffnungslose Versuch der Geschwister aus, als klassisches Hollywood-Gangsterpaar zu agieren. Trotz semioptimaler Bedingungen wolle das Paar sein Recht auf ein gutes, bedeutsames Leben durchsetzen. Es sei eine große Geschichte, die zugleich alltäglich sei und vom Leben jeder Person handeln könne.

Die Monologe des Stücks beschreibt der Dramaturg mit den Schlagworten Ehrlichkeit, Traurigkeit und Tiefe. Insgesamt zeichnen sich Dea Lohers Stücke lauf Wolff durch Sprachgewalt aus: „Loher benutzt großartige Sprache, die sie wie einen Diamant bis zur absoluten Präzision und Klarheit schleift.“ Die Autorin habe Theater im Blut und fordere durch ihre Texte die Regisseure auf, ein ausdrucksvolles Regietheater zu schaffen. Die Inspiration zum „Gaunerstück“ erhielt Loher durch eine Zeitungsnotiz zu einem Überfall. Sie fragte sich, welche Lebensumstände zu Raubüberfällen führen und was sich an diese anschließen kann.

Im Vergleich zum aktuellen fast vierstündigem Stück „Der Meister und Margarita“ des Aachener Theaters stelle das 70- bis 80-minütige „Gaunerstück“ ohne Pause mit kürzeren, prägnanten Testen ein leichtes Kontrastprogramm dar. „Trotz des jungen Alters des Geschwisterpaars ist das Stück kein Kinder- und Jugendstück, sondern für Fans von ‚Bonnie und Clyde‘ oder Tarantino-Filmen geeignet“, ordnet Wolff das Premierenwerk ein. Zurzeit sind bis Mitte Juni vierzehn weitere Aufführungen nach der Erstaufführung geplant.

Was wahr ist und was sich die Geschwister bei ihrer Erzählung nur ausgedacht haben, bleibt der Interpretation des aufmerksamen Zuschauers überlassen. Auch die Gefahr des Todes ziehe sich gemäß des Genres Road Movie durch das Stück der lebensmutigen, bis zum Schluss optimistischen Zwillinge. Zudem verrät Regisseur Dittrich, dass die Zuschauer ein leicht düster angehauchtes, offenes Ende erwarte, das zum Nachdenken anrege.

Weitere Aufführungen: Aufführungen sind am 27. Februar, 7., 10., 17., 20., 21., 25. März, 1., 10., 18. April, 8., 30. Mai sowie 5. und 11. Juni, jeweils um 20 Uhr.

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