Kalverbenden: Mieter sollen bei Sanierung mitreden

Von: Stephan Mohne
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Die Mieter sollen mitreden: Die Stadt will ihre 99 Wohnungen in der Siedlung Kalverbenden/Spaakallee sanieren. Wie das geschehen soll, wird derzeit allerdings noch diskutiert. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Als die ersten Pläne bekannt wurden, da machten sich an Kalverbenden Unruhe und teils auch Angst breit. Vor einigen Monaten wurde mit dem Gedanken gespielt, die dortige denkmalgeschützte städtische Siedlung aus den 1920er Jahren mit ihren 25 Häusern, 99 Wohnungen und 6000 Quadratmetern Wohnfläche komplett zu sanieren.

 So komplett, dass die Mieter während der Arbeiten samt und sonders hätten ausziehen müssen. Zudem war von zwölf Millionen Euro Kosten die Rede. Die Furcht vor exorbitanten Mieterhöhungen für die noch zwischen 20 und 40 Jahren mietpreisgebundenen Sozialwohnungen, die oftmals von älteren Menschen, jungen Familien, Alleinerziehenden bewohnt werden, machte die Runde. Jetzt allerdings stellt sich die Sache anders dar. In Sachen Sanierung wird deutlich auf die Bremse getreten.

Keine „Luxussanierung“

Am Dienstag wird das Thema – es basiert auf einen Antrag von CDU und Grünen – im Wohnungs- und Liegenschaftsausschuss diskutiert. Bereits diese Woche gab es ein interfraktionelles Gespräch. Klar ist mittlerweile: Der Sanierungsbedarf ist nicht so hoch wie angenommen. Das geht aus Analysen von Gutachtern hervor, die die Gewoge als Verwalterin des Bestands beauftragt hatte. Und: Wahrscheinlich wird es keine Hauruck-Komplettsanierung geben, aufgrund derer die mehr als 200 Menschen ihre vier Wände verlassen müssten. Die Politik ist sich wohl weitgehend einig: Eine „Luxussanierung“ kommt nicht infrage. „Zumal es seitens der Mieter gar keine Klagen über gravierende Missstände gibt“, wie Norbert Plum (SPD) und Joachim Moselage (FDP) unisono sagen. Harald Baal (CDU) betont, man werde nach der Sommerpause im Rahmen einer Mieterversammlung das Gespräch suchen und ausloten, was gewünscht ist. Das sehen auch die Grünen so. Im Herbst werde man dann weitersehen. Einhellige Meinung ist auch: Die Siedlung soll nicht nur in gutem Zustand erhalten, sondern auch in städtischem Besitz bleiben. Eine Verkauf stehe nicht zur Debatte, so die Politiker.

Die Verwaltung führt drei unterschiedlich aufwändige Sanierungsszenarien auf. Bei der ersten Variante sollen die maroden Außenfassend nebst Fenstern und den markanten Klappläden ebenso aufgemöbelt werden wie das Dach. Hinzu kommt eine Kellersanierung. Zudem soll moderne Heiztechnik in den Häusern an Kalverbenden und der Spaakallee Einzug halten. Die Kosten für dieses Paket werden auf 3,8 bis 4,7 Millionen Euro beziffert.

Bei Szenario zwei würde sich eine Wohnungssanierung anschließen. Dabei würden unter anderem Bäder neu ausgestattet und gefliest, Wohnungstüren ausgetauscht, Küchen neu gefliest und Fußböden erneuert. Das wäre allerdings mit dem temporären Auszug der Bewohner verbunden. Kosten für dieses Zusatzpaket: 3,4 Millionen Euro. Allerdings: Die Wohnungen wurden bereits in den 1980er Jahren modernisiert. Die beschriebenen Maßnahmen seien noch gar nicht nötig, heißt es in der Politik. Denkbar sei, dass man sich einzelne Wohnungen vornimmt, wenn es ohnehin einen Mieterwechsel gibt.

Bei Variante drei würden Außen- und Innensanierung auf einen Schlag in Angriff genommen. Für diesen Fall werden sieben Millionen Euro kalkuliert.

Miete maximal 5,75 Euro

Bleibt die Frage nach den Mieten. Sie liegen laut Verwaltung dort derzeit zwischen 4,39 und 4,77 Euro pro Quadratmeter. Theoretisch dürfen laut Stadt jährlich elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Mieten umgelegt werden. Das würde in diesem Fall laut Berechnung allerdings bedeuten, dass die Mieten auf deutlich über neun Euro steigen würden. Schon rechtlich ist das allerdings gar nicht möglich. Die Obergrenze für öffentlich geförderten Wohnraum liegt bei 5,75 Euro. Dieser Betrag sollte laut Stadt dann aber auch „möglichst in voller Höhe durch den Eigentümer beansprucht werden“. Auf Mieterhöhungen müssen sich Bewohner demnach also einstellen. Oder auch die Stadt, sofern sie für Sozialhilfeempfänger die Miete an sich selber zahlt.

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