Kaiserplatz: „Was hier läuft, ist ein Skandal!“

Von: Robert Esser
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Hilferuf: Mit 10 000 Flugblättern will der Vorsitzende der Initiative Kaiserplatz erreichen, dass viel mehr Bürger die Hotline 432-2801 des Ordnungsamtes anrufen, damit die Behörden dort häufiger Recht und Gesetz durchsetzen. Foto: Robert Esser

Aachen. Prostitution auf der Kirchentreppe, Saufgelage am Hauptportal, Drogenkonsum rund um den Turm – und dazu haufenweise Exkremente, Dreck und Müll. Für Volkmar Klein, den Vorsitzenden der Initiative Kaiserplatz, stehen die alltäglichen Szenen rund um St. Adalbert für den Verfall eines ganzen Stadtviertels.

 „Trotz aller Beteuerungen und Versprechungen der Politiker hat sich hier in den vergangenen Jahren überhaupt nichts verbessert“, ärgert sich Klein. „Überhaupt nichts! Was hier läuft, ist ein Skandal!“, sagt er.

Klein und seine Mitstreiter fühlen sich im Stich gelassen. Polizei und Ordnungsamt seien zu selten vor Ort, griffen angesichts offensichtlicher Straftaten der Drogenszene nicht hart genug durch, behauptet der Vorsitzende. Um den Behörden „auf die Sprünge zu helfen“, hat Kleins Initiative jetzt 10.000 Flugblätter rund um den Kaiserplatz verteilt – an Anwohner und Geschäftsleute.

Die zentrale Botschaft: „Das Ordnungsamt der Stadt Aachen ist täglich – auch an Feiertagen – von 11 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachts unter der Telefonnummer 432-2801 zu erreichen.“ Der Appell: „Rufen Sie in Fällen von Ruhestörung, Belästigung, Verschmutzung, Prostitution, offensichtlicher Gewalt oder dergleichen an!“ Wobei die Initiative darauf hinweist, dass bei der Beobachtung gewalttätiger Auseinandersetzungen die Polizei über die Notfallnummer 110 alarmiert werden sollte.

Klein erwartet eine Protestwelle. „Viele Bürger haben hier Angst, vor die Türe zu gehen. Das gilt in den Abendstunden und nachts nicht nur für den Kaiserplatz. Die Szene hat sich längst Richtung Willy-Brandt-Platz, Heinrichsallee, Hansemannplatz und Rehmplatz ausgebreitet“, sagt er. „Es ist wichtig, dass jetzt jeder Bürger weiß, an wen er sich wenden sollte, wenn er Unrecht beobachtet.“

Über die auf dem Flugblatt angegebene Rufnummer zur Kaiserplatz-Initiative habe er allein in den vergangenen Tagen bereits hunderte Anrufe empörter und verzweifelter Bürger erhalten. Gerade in warmen Sommernächten sei zudem der Krach auf Straßen des Ostviertels bis in die frühen Morgenstunden unerträglich, schildert Klein. Der Vereinsvorsitzende warnt vor einer „Verschärfung gesellschaftlicher Spannungen“. „Das ist sozialer Sprengstoff; und keiner will ihn entschärfen“, kritisiert Klein.

Er legt Wert auf die Feststellung, dass viele Mitbürger die Flugblatt-Aktion unterstützen – gleichermaßen mit oder ohne Migrationshintergrund. „Viele wussten vorher gar nicht, dass es eine Aachener Behörde wie das Ordnungsamt gibt, an die man sich in Fällen von Ruhestörung etc. wenden kann. Denn nicht nur aufgrund von Sprachbarrieren schrecken viele bei vermeintlichen Kleinigkeiten davor zurück, direkt den Polizei-Notruf zu wählen“, schildert der Vorsitzende der Initiative.

Seit zwölf Jahren kämpft Klein nach eigenen Angaben für eine Verbesserung des Kaiserplatz-Umfeldes. Dass die Problematik durch die Eröffnung des 290 Millionen Euro teuren Einkaufsparadieses „Aquis Plaza“ mit 130 Geschäften auf 29 000 Quadratmetern automatisch gelöst wird, glaubt er nicht. „Und selbst wenn: Wir wollen und können nicht bis 2014 oder 2015 warten“, erklärt Klein. Im Umfeld sei in jüngster Zeit wieder zu beobachten, wie immer mehr alt eingesessene Geschäftsleute wegen der Zustände vor ihren Ladentüren einen Schlussstrich ziehen. „Vor kurzem machte das Steakhaus La Pampa nach rund 30 Jahren dicht. Ein benachbarter Bäcker will auch aufgeben“, sagt Klein.

Versprechen endlich einlösen

In einem Brief hat die Initiative Kaiserplatz Oberbürgermeister Marcel Philipp zuletzt Ende Juli daran erinnert, dass bereits vor drei Jahren mit der Städteregion vereinbart worden sei, „ein geeignetes Gebäude zu suchen, das den Abhängigen als täglicher Aufenthaltsort dienen kann“. Bislang sei weder Suchtkranken noch Anwohnern geholfen. Da Therapie und Betreuung von Suchtkranken zum Gesundheitswesen zählen und in die Zuständigkeit der Städteregion fallen, müssten Städteregionsrat Helmut Etschenberg und OB Phi-lipp unbedingt gemeinsam ihr Versprechen einlösen und einen Alternativstandort festlegen.

Stadt und Städteregion teilten auf AZ-Anfrage wiederholt mit, man sei nach wie vor auf der Suche nach einem geeigneten Alternativ-Standort. Bloß: Konkrete Ergebnisse gebe es nicht. Einige ins Auge gefasste Standorte – die man aber nicht öffentlich benennen wolle – habe man wieder verworfen, heißt es.

Und wer kümmert sich um den Dreck rund um St. Adalbert? „Turnusgemäß wird das Areal einmal pro Woche von Kräften des Stadtbetriebs gereinigt“, erklärt Rita Klösges vom Presseamt. „Wir bemühen uns um diesen Brennpunkt, kriegen ihn aber noch nicht in den Griff“, räumt sie ein. Zudem patrouilliere das Ordnungsamt dort mehrfach täglich, betont Klösges. Die Einsätze könnten sich nun häufen; wenn das Flugblatt die Runde macht.

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