Kaiserplatz: Szene bleibt, neue Konzepte sind vom Tisch

Von: Matthias Hinrichs
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„Die Situation wieder besser kontrollieren“: Der OB räumte am Donnerstag ein, dass alle Überlegungen zur Verbannung der Drogenszene am Kaiserplatz gescheitert sind. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die Verkehrssituation zwischen Suermond- und Kaiserplatz treibt manchem Anwohner die Zornesröte bis unter die Haarwurzeln. Und rund um St. Adalbert hängt die geballte Suchtszene seit Jahr und Tag schwer in den Seilen. Soweit der Befund.

Die Reflexe der Kritiker auf der einen und der Verantwortlichen bei Stadt und Polizei auf der anderen Seite funktionieren unterdessen immer noch so gut wie weiland, als der erste Junkie im Schatten des Reiterdenkmals gesichtet wurde.

OB Marcel Philipp reagierte am Donnerstag auf Nachfrage prompt mit einer Mischung aus Verständnis und Kopfschütteln auf die neuerlichen Vorwürfe der Initiative Kaiserplatz. Und wies die Behauptung mit Nachdruck zurück, die Stadt habe die Situation im Viertel praktisch nicht mehr im Griff.

Aber: Zumindest im Hinblick auf die Belastung durch Drogenkranke und Prostitution räumt der Oberbürgermeister erheblichen Verbesserungsbedarf ein. Und betont: „Die Einrichtungen der Suchthilfe werden in jedem Fall am Kaiserplatz bleiben.“

Jahrelang habe man intensiv über neue Konzepte und Alternativen nachgedacht. „Wir mussten feststellen, dass es keine vernünftigen Ausweichmöglichkeiten gibt. Sollte jemand da tatsächlich noch eine Lösung aus dem Hut zaubern, wäre ich als Erster dabei“, bekennt Philipp. Damit ist die Absage an die seit langem in Aussicht gestellte effektive Verbannung der Schwerstabhängigen (und der Dealer) erstmals quasi druckreif – das Projekt ist vom Tisch.

„Wir müssen jetzt unser Augenmerk darauf richten, wie wir die Situation wieder besser kontrollieren können, wenn die Container der ,Aquis Plaza‘-Bautrupps verschwunden sind“, sagt Philipp. Und: Die viel beschworene Ordnungspartnerschaft gestalte sich längst nicht mehr so geschmeidig wie vordem, „auch wenn die Polizei ihre Präsenz in den vergangenen Monaten wieder erhöht hat. Wir spüren deutlich, dass dadurch das Umfeld entlastet wird.“

Polizeisprecher Paul Kemen bestätigt das mit Nachdruck. „Wir sind praktisch täglich im gesamten Umfeld aktiv, auch mit großen Teilen der Einsatzhundertschaft sind wir ständig unterwegs.“ Allerdings sei die Kooperation mit dem Ordnungsamt in der Tat nicht mehr so intensiv wie vor einiger Zeit, auch wenn die Koordination nach wie vor funktioniere. Gleichwohl werde alles getan, um dem Sicherheitsbedürfnis der Menschen Rechnung zu tragen, so Kemen. „Ordnungspolitisch allein ist das Problem aber nicht zu lösen.“

Den Vorwurf der Initiative, sie finde kein offenes Ohr mehr bei Stadt und Politik, will der OB indes keinesfalls gelten lassen. Noch vor wenigen Tagen habe er umgehend per Mail zur Kritik am vermeintlich miserablen Verkehrskonzept Stellung genommen.

Die Befürchtung, dass selbst die Notfallversorgung nicht mehr gewährleistet sei, weil die Stiftsumfahrt künftig durch wesentlich mehr Buslinien praktisch blockiert sei, sei nicht nachvollziehbar. Philipp: „Wir haben das Konzept gründlich mit allen Fachabteilungen analysiert und festgestellt, dass es die beste Lösung bietet. Es ist rauf und runter in etlichen politischen Gremien diskutiert worden. Von Sicherheitsbedenken ist mir jedenfalls nichts bekannt.“

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