Kaiserplatz: „Stadt und Politik tauchen immer noch ab“

Von: Matthias Hinrichs
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Ordnungskräfte räumten im Januar reihenweise Hauseingänge rund um den Kaiserplatz, die von Junkies belagert werden. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Hinter der Glitzerfassade an der Adalbertstraße rotieren die Maschinen mit Hochdruck weiter – davor ist Stillstand programmiert, auch und gerade nach der Eröffnung des Einkaufstempels Kaiserplatz-Galerie Ende Oktober.

Davon jedenfalls sind die Vertreter der benachbarten Bürgerinitiative nach wie vor und in jeder Hinsicht überzeugt. „Wenn in Kürze allein sechs Buslinien über den Engpass der Stiftsumfahrt geführt werden, dann wird das Verkehrschaos im ohnehin katastrophal belasteten Suermondt-Viertel nicht mehr in den Griff zu kriegen sein“, wettert Volkmar Klein, Vorsitzender der Initiative Kaiserplatz.

Gebetsmühlenartig habe der Verein darauf hingewiesen, dass die Anwohner schon heute sozusagen in den toten Winkel der Notfallversorgung geraten seien. „Feuerwehr und Rettungswagen kommen einfach nicht schnell genug voran, weil Staus im gesamten Bereich zwischen Gottfriedstraße und Stiftsumfahrt durch die städtische Planung an der Tagesordnung sein werden“, kritisiert Klein. Und: „Nach wie vor tauchen Planer und Politiker schlichtweg ab, wenn wir konkrete Antworten fordern.“

Ungezählte Male habe der Verein die Verantwortlichen bei der Stadt aufgefordert, sich Kritik und Anregungen im direkten Gespräch zu stellen. Mit den wenigen Bürgerinformationen, wie sie Ende vergangenen Jahres stattgefunden hätten, würden die Betroffenen eher überrumpelt als überzeugt. „Die Pläne sind bei der Verwaltung zwar ausgelegt. Aber wir haben selber die Erfahrung machen müssen, dass man sich dort nicht in der Lage sah, zu unseren Argumenten Stellung zu nehmen“, schimpft Herbert Joka vom Vereinsvorstand.

„Fortwährend vertröstet worden“

Immer wieder sei man auf den Oberbürgermeister und die Vertreter der Ratsfraktionen zugegangen, um die Sorgen der Menschen „vor Ort“ zu artikulieren. „Aber wir sind von allen Seiten fortwährend vertröstet worden“, sagt Klein. Völlig unklar sei zum Beispiel, ob im Hinblick auf die Breite der Bürgersteige an der Stiftsumfahrt berücksichtigt worden sei, dass Busse und Lkw durch ihre ausladenden Rückspiegel durchaus eine Gefährdung darstellen könnten, meint Joka.

Auch die zu erwartenden enormen Lärmemissionen durch den sowohl zeitlich als auch räumlich extrem dichten Linienverkehr und die Baustruktur der Galerie habe die Initiative thematisiert – bislang ohne jede Reaktion. Kurzum: „Die Bürger werden einfach nicht in die Diskussion einbezogen.“

Ebendies sei nach wie vor auch im Hinblick auf die Drogenszene im Umfeld festzustellen. „Vor Jahren wurde ein neues Konzept in Aussicht gestellt. Bislang ist uns nicht einmal ein Papier bekannt“, wettert Klein. Stattdessen erfahre man, dass die Suchthilfe angesichts gestutzter Zuschüsse gezwungen sein könnte, ihr Engagement am Kaiserplatz zu reduzieren.

„Jetzt hat die SPD verlauten lassen, dass das nicht hinnehmbar sei, weil Obdachlose, Abhängige und Prostituierte nicht allein gelassen werden dürften“, weiß Klein – und wird nicht müde zu fragen: „Wo bleiben dann all die längst in Aussicht gestellten Konzepte? Von einer Trinkerstube oder der Schaffung koordinierter Hilfsangebote außerhalb der City ist längst nichts mehr zu hören. Wir fragen uns seit Jahren: Wer denkt an die Anwohner des Kaiserplatzes, denen immer und immer wieder eine Entlastung versprochen wurde?“

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