Kaiserplatz-Galerie: Entscheidende Fragen bleiben offen

Von: Stephan Mohne
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Noch eine Vision auf bunten Plakaten: die Kaiserplatz-Galerie. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Kontroverse Debatten, kritische Töne, bohrende Fragen - wer das erwartet hatte, verließ die Sondersitzung von Verkehrs- und Planungsausschuss am Donnerstagabend doch einigermaßen verblüfft. Denn nichts dergleichen fand statt. Vielmehr stellten die Politiker relativ geräuschlos eine weitere Weiche zur Realisierung des Riesenprojekts.

Einstimmig wurde dem Stadtrat empfohlen, am 18. Februar mit dem „Satzungsbeschluss” endgültig den Startschuss zu erteilen. Und das, obwohl entscheidenden Fragen immer noch unbeantwortet in der Luft hängen.

Klar, ein paar Auflagen wurden den Investoren noch mit auf den Weg gegeben - SPD und Grüne hatten einen Katalog erarbeitet. So müssen die Bauherren des 240 Millionen Euro teurer Einkaufszentrums statt der bisher vorgesehenen 1200 und 3000 Quadratmeter Ersatzwohnraum für die abgerissenen Häuser zwischen Beeck- und Adalbertstraße und Adalbertsberg schaffen.

Und zwar binnen fünf Jahren und innerhalb des Aleenrings. Für den Fall, dass sie das nicht schaffen sollen sie eine Bürgschaft in Höhe von 2,7 Millionen Euro hinterlegen. Außerdem müssen sie 100.000 Euro an die Stadt überweisen, Mit dem Geld soll den Mietern der Galerie ein „Job-Ticket” für ihre Mitarbeiter schmackhaft gemacht werden. Die Grünen legen Wert darauf, dass ein Fahrradparkhaus an zentraler Stelle im Bau entsteht.

Zudem soll die rund 60 Meter lange Baulücke an der Adalbertstraße, die wegen fehlender Grundstücke entstehen wird, nicht zum Hässlichkeitsfaktor werden. Die Außenwände der Galerie sollen dort „qualitativ hochwertig” gestaltet sein. Das alles scheint für die Investoren, die hinter der „Projektentwicklungsgesellschaft Adalbertstraße (P.E.A.) stehen, kein Problem zu sein, denn Zustimmung zu den Auflagen wurde schon signalisiert.

Wer diese ominösen Personen/Firmen im Hintergrund sind, ließ Herbert Dierke am Donnerstag offen. Der Architekt und Projektmanager der Kaiserplatz-Galerie hatte die Politiker über die jüngsten Änderungen an der Planung informiert. Dazu gehört zum Beispiel die Verkleinerung des Dreiecks am Kaiserplatz, auf dem das Reiterstandbild steht, aus verkehrstechnischen Gründen. Der Kaiser muss auf seinem Platz ein paar Meter zur Seite reiten.

Gesprochen wurde dann auch noch darüber, ob das Standbild dann ein paar Stufen rundherum bekommen soll oder nicht. Und Dierke räumte ein, dass die Lücke an der Adalbertstraße nicht gerade der Weisheit letzter Schluss sei. Den Investoren gehören aber nur zwei der fünf Grundstücke. „Wir arbeiten weiter daran und sind optimistisch, zu einer Lösung zu kommen”, so der Projektmanager.

Auf die alles entscheidende Frage wartete man aber vergebens: Was ist mit dem ehemaligen Philipp-Leisten-Grundstücke an der Ecke Adalbertstraße/Adalbertsberg? Ohne dieses Stück Erde wird es nach einhelliger politischer Meinung keine Galerie geben. Kein Wort wurde verloren über das Ultimatum, das die Stadt gestellt hat und das besagt, dass der Investor bis zwei Minuten vor der Ratssitzung am 18. Februar den Nachweis erbringen muss, dass er über diese Schlüsselfläche verfügt - nach dem Willen der Grünen sogar in Form einer Eintragung ins Grundbuch.

Völlig kurios geriet dann der weitere Verlauf: Über den „Durchführungsvertrag” mit seinen Details, etwa die Höhe von Bürgschaften, wurde in nicht-öffentlicher Sitzung diskutiert. Und das, obwohl just dieser Vertrag mit allen Zahlen für jedermann sichtbar seit mehr als einer Woche auf der offiziellen städtischen Internetseite zu finden ist.

Wer ist der große Unbekannte?

Dort liest man wie berichtet, dass für Maßnahmen wie die Erschließung des Parkhauses am Kaiserplatz über sechs Millionen Euro an Sicherheiten hinterlegt werden sollen. Die nicht weniger wichtige Frage, wer diesen Vertrag eigentlich unterschreiben wird, liegt ebenfalls noch im Nebel. Klar ist nur, dass niederländische Gesellschaften im Spiel sind.

Immerhin bleiben zur Beantwortung der Fragen noch satte 13 Tage - bei einer bisherigen Planungszeit von über drei Jahren.
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