Kaiserplatz-Galerie: Empörung ist immer noch groß

Von: Aljona Hartstock
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Diskussion über die Kaiserplatz-Galerie: Im Ludwig Forum debattierten Professor Klaus Selle, Gerhard Wittfeld, Moderator Lutz Bernhardt, Brigitte Franzen, Hans-Dieter Collinet und Merlin Bauer. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Das wird keine Runde der Empörung“, sagt Moderator Lutz Bernhardt während seiner Einleitung zur Podiumsdiskussion im Ludwig Forum. Eingebettet in die Ausstellung mit dem Titel „Die Stadt, die es nicht gibt“ diskutierten Experten und Bürger über die umstrittene Kaiserplatz-Galerie. So ganz ohne Empörung (der Bürger) ging es jedoch nicht, doch zunächst hatten die geladenen Teilnehmer das Wort.

Hans-Dieter Collinet, Vorsitzender des städtischen Architektenbeirats, gab einen Überblick auf die bisherige Entwicklung an der unteren Adalbertstraße: „An dieser Stelle gab es immer schon strukturelle Probleme.“ Seit den 80er Jahren mache sich die Stadt Gedanken über den Standort. Im Jahr 2004 hatte der Aachener Architekt Hans Kahlen konkrete Pläne, dort ein großes Einkaufszentrum zu bauen. Die Idee habe es aber schon vorher gegeben. Aus heutiger Sicht könne man nicht feststellen, auf wen diese Idee nun genau zurückzuführen ist, glaubt Collinet. „Es gibt nicht nur einen Initiator.“

Klar ist, dass dort über viele Jahre hinweg kaum etwas initiiert worden ist – abgesehen von umfangreichen Abrissmaßnahmen. Glücklich sind damit längst nicht alle. „Es kommt manchmal vor, dass alle auf eine Lösung hinarbeiten. Doch am Ende steht eine Situation, die viele gar nicht so wollten“, weiß Klaus Selle vom Lehrstuhl Planungstheorie und Stadtentwicklung an der RWTH.

Es gebe bei großen Projekten immer die Frage nach dem Ob und nach dem Wie. In der ersten Phase sollten Grundannahmen über Größenordnung und Funktion festgelegt werden. Wenn Bürger beteiligt werden sollen, so schon von Anfang an. In der zweiten Phase sollte bereits ein Konsens stehen. Dann gehe es nur noch um die Umsetzung. Selle hat beobachtet: „Bei vielen großen Projekten wird diese Unterscheidung häufig nicht mehr gemacht.

Da ist das Ob schon entschieden und es wird nur noch so getan, als ob man diskutiert.“ So offenbar auch bei der Kaiserplatz-Galerie. „Die Bürgerbeteiliung war eine Farce – es gab keine“, sagt Anwohnerin Angela Fiege. Irgendwann sei sie informiert worden. „Ich war geschockt, dass die Kleinteiligkeit an der Stelle mit einem Mal abgeschafft wird. Gibt es keinen behutsamen Städtebau mehr?“

Eine Gelegenheit, die Bürger in die Pläne einzubeziehen, hat es wohl zu Beginn gegeben. „Als im Jahr 2002 das Innenstadtkonzept erstellt wurde, gab es Gespräche. Darauf hätte man aufbauen können“, sagt Selle. Jetzt ist es dafür zu spät. Der Architektenbeirat diskutiert mit den Planern momentan nur noch über die Außengestaltung des Einkaufszentrums.

„Die Bürger jetzt über Fassadenentwurf A, B oder C entscheiden zu lassen, macht keinen Sinn“, glaubt Collinet. Viel soll sich an dem bestehenden Entwurf offenbar nicht ändern. „Wir wollen den Schwung aus dem Entwurf mitnehmen. Energetisch ist er jedoch nicht mehr auf dem neuesten Stand“, sagt Rainer Maria Schäfer, Projektverantwortlicher des Investors Strabag. Schäfer war zwar nicht als Podiumsgast geladen, beantwortete aber aus dem Publikum heraus die Fragen der Bürger.

In der Diskussion wurde auch deutlich, dass einige befürchten, die neue Galerie könnte ähnlich erfolglos werden wie die Aachen-Arkaden. „Es kann nicht Aufgabe des Steuerzahlers sein, solche Projekte zu retten“, sagt etwa Wolfgang Langen im Hinblick auf den Einzug des Gesundheitsamtes in die Arkaden.

Brigitte Franzen, Direktorin des Ludwig Forums, bezweifelt, dass die Stadt noch ein großes Einkaufszentrum braucht: „Städte sind selten wegen ihrer Shopping Malls berühmt, sondern wegen ihrer besonderen Atmosphäre.“

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