Kaiserplatz: Fällaktion im Morgengrauen

Von: Oliver Schmetz
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Fällaktion am frühen Morgen: 15 zum Teil schützenswerte Bäume mussten gestern rund um den Kaiserplatz im öffentlichen Straßenraum den Arbeiten für die Kaiserplatz-Galerie weichen – ohne dass dies vorher der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Mittwochabend baten die Macher der Kaiserplatz-Galerie die Bürger zur Info-Veranstaltung. Transparenz werde großgeschrieben, hieß es dort, man werde ausführlich und umfassend über die nächsten (Bau-)Schritte unterrichten. 36 Stunden später kreischten am Kaiserplatz die Kettensägen.

15 teils schützenswerte Bäume wurden am Freitag rund um St. Adalbert gefällt. Bloß: Informiert war darüber kaum jemand. Und schon gar nicht die Öffentlichkeit. Selbst beim städtischen Presseamt, das sonst jede einzelne Baumfällung im öffentlichen Straßenraum per Pressemitteilung ankündigt, hieß es, man habe von der Fällaktion im Morgengrauen nichts gewusst. Zumindest nicht von diesem Termin. „Wir dachten, dass die Bäume erst nächste Woche gefällt werden“, erklärte Sprecher Axel Costard.

Genehmigt worden sei das Fällen der Bäume, von denen einige Ahornbäume unter die Baumschutzsatzung fielen, vom städtischen Fachbereich Umwelt. Das Abholzen sei wegen der weiteren Bauarbeiten und Baustellenvorbereitungen nötig gewesen, so Costard. Die Investoren zahlten im Gegenzug 20.000 Euro für die Neupflanzung von 30 Bäumen. Gleichwohl herrscht bei der Stadt eine gewisse Irritation über das Vorgehen der Bauherren. „Wir werden noch einmal das Gespräch suchen, um künftig ein etwas sensibleres Vorgehen zu erwirken“, erklärte der Leiter des städtischen Presseamts, Hans Poth.

Irritationen gibt es derweil auch über das Vorgehen der Stadt – und zwar bei der Bürgerinitiative gegen die Kaiserplatz-Galerie. Dabei geht es um das Geschäftshaus, das neben der großen Galerie im Bereich Adalbertstraße/Harscampstraße entstehen soll – und vor allem um die Frage, wie viel Wohnraum dort vernichtet wird und ersetzt werden muss. Auf besagter Info-Veranstaltung am Mittwoch hatte Planungsdezernentin Gisela Nacken den wegfallenden Wohnraum mit 1500 Quadratmetern angegeben, von denen die Investoren bislang aber nur 900 an Ort und Stelle ersetzen wollen.

Die Initiative verweist aber nun auf eine schriftliche Aufstellung, die auch der AZ vorliegt und nach der mehr als 2400 Quadratmeter Wohnraum wegfallen. „Die Verwaltung spielt hier mit falschen Karten“, kritisiert der Sprecher der Initiative, Horst Schnitzler. „Die Öffentlichkeit wird mit falschen Zahlen getäuscht, damit man eine Einigung mit den Investoren noch als Erfolg verkaufen kann, obwohl unter dem Strich Wohnraum wegfällt.“

Beim städtischen Presseamt hieß es dazu am Freitag, dass der Stadt die Zahl von 2400 Quadratmetern nicht bekannt sei. „Deshalb können wir sie nicht kommentieren“, erklärte Costard. Man verfüge nur über „schlechte Unterlagen“, aber diese ließen auf 1400 bis 1600 Quadratmeter schließen. „Deshalb fordern wir den Ersatz von 1500 Quadratmetern Wohnraum, und aus dieser Pflicht wollen wir die Investoren nicht entlassen.“

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